Hohe Akzeptanz von Windenergie bei Eifel-Touristen

Naturpark Eifel stellte Umfrageergebnisse von 1300 Befragten der Presse vor – Staatssekretär Udo Paschedag: „Wir müssen bei Windenergie für regionale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung sorgen“

Über die Wechselwirkung von Windenergie und Tourismus sprachen Manfred Poth (v.l.), Udo Paschedag, Günter Schäfer und Jan Lembach und Klaus Schäfer. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Über die Wechselwirkung von Windenergie und Tourismus sprachen Manfred Poth (v.l.), Udo Paschedag, Günter Schäfer und Jan Lembach und Klaus Schäfer. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – Wie wirkt sich der derzeitige und künftige Bestand von Windenergieanlagen in der Eifel auf den Tourismus aus? Dieser Frage ging jetzt das Team vom „Naturpark Nordeifel im Deutsch-Belgischen Naturpark Hohes Venn – Eifel“ nach. Geschäftsführer Jan Lembach stellte am Mittwochmorgen im Euskirchener Kreishaus der Presse die Ergebnisse einer Besucherbefragung zur Akzeptanz von Windkraftanlagen in der Eifel vor. Dazu wurden rund 1300 Touristen an sieben verschiedenen Standorten in der Eifel befragt.

„59 Prozent der befragten Personen empfinden Windkraftanlagen als nicht störend, 28 Prozent fühlen sich zwar gestört, halten die Anlagen aber dennoch für akzeptabel“, informierte Lembach. Nur acht Prozent empfänden die Anlagen als „störend“, vier Prozent gar als „sehr störend“. 91 Prozent gaben an, dass auch ein Ausbau von Windenergieanlagen sie nicht daran hindern würde, auch weiterhin die Eifel zu besuchen. 45 Prozent fühlen sich schlecht über Windkraft informiert. Und nur vier Prozent sehen die Windkraft als unwichtig für die zukünftige Energieversorgung Deutschlands an.

Jan Lembach, Geschäftsführer Naturpark Nordeifel, stellte die Umfrageergebnisse unter Touristen in der Eifel vor. Die überwiegende Mehrheit empfindet Windkraft als nicht störend. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Jan Lembach, Geschäftsführer Naturpark Nordeifel, stellte die Umfrageergebnisse unter Touristen in der Eifel vor. Die überwiegende Mehrheit empfindet Windkraft als nicht störend. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Der Ausbau der Erneuerbaren Energie ist nicht nur politischer Wille, sondern auch Wunsch unserer Gesellschaft“, so Lembach, der betonte, dass dies die erste repräsentative Umfrage zum Thema Windenergie und Tourismus in den deutschen Mittelgebirgen sei. Er sei nicht überrascht gewesen, dass die Akzeptanz bei jüngeren Menschen höher sei als bei Menschen um die 70 Jahre: Interessant sei jedoch die Frage, ob sich diese Akzeptanz bei den jüngeren Touristen in den nächsten 40 Jahren fortsetzen werde. Allerdings sei es fraglich, ob es dann in der Eifel überhaupt noch Windräder gebe. Jan Lembach: „Vielleicht gibt es bis dahin ganz andere Methoden der Energiegewinnung. Wenn die Windräder also eines Tages nicht mehr gebraucht werden, dann können und müssen sie sogar baurechtlich wieder abgebaut werden.“ Durch die Möglichkeit des Rückbaus würde man nachfolgenden Generationen somit keine unabsehbaren Altlasten hinterlassen.

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Manfred Poth, Allgemeiner Vertreter des Landrates, freute sich über den großen Medienauflauf im Kreishaus. „Das ist die größte Pressekonferenz, die ich je in meiner Amtszeit erlebt habe“, sagte er. Er stellte die Ist-Situation in Sachen Windkraft dar: „Wir haben im Kreis Euskirchen 101 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 130 Mega-Watt, weitere 14 Anlagen mit 35 Mega-Watt sind in der Planung.“ Dadurch würden bereits 13 Prozent des Strombedarfs im Kreis Euskirchen durch Windenergie gedeckt, die von der Bundesregierung geforderten 15 Prozent werde man durch die geplanten Windräder erreichen können. „Da ich davon ausgehe, dass wir alle die Energiewende ernst nehmen, ist das ein tolles Ergebnis“, so Poth.

Wichtig sei aber ein verträglicher Einsatz von Windenergie: „Der Kreis will eine Landschaftsbild-Analyse in Auftrag geben und die Windkraft kreisweit betrachten, auch wenn die Kommunen selbstverständlich Planungsträger bleiben.“ Diese Analyse könne Entscheidungshilfe bei geeigneten Standorten sein, wie Manfred Poth erklärte: „Wir möchten die Chancen aus der Energiewende nutzen, gleichzeitig aber den Erholungswert der Landschaft erhalten.“

Staatssekretär Udo Paschedag vom NRW-Umweltministerium sieht ebenfalls ein großes wirtschaftliches Potential in der Windkraft gerade in der Eifel, wo es hohe Windgeschwindigkeiten an vielen Standorten gebe. „Wichtig ist aber, dass die Wertschöpfung möglichst in den Kommunen bleibt und nicht irgendwelche Fonds auf den Fidji-Inseln profitieren“, so Paschedag. Örtliche Handwerker sollten etwa bei Bau und Pflege der Zufahrtswege eingebunden werden, Bürgern müsse man eine niederschwellige Möglichkeit zur Beteiligung an Windenergieanlagen ermöglichen, etwa mit Anteilsscheinen von bereits 500 Euro. Die hohe Akzeptanz von Windkraft laut Umfrageergebnisse habe ihn nicht überrascht: „Ich kenne das aus anderen Regionen, etwa aus Küstenregionen, die existenziell abhängig vom Tourismus sind. Dort ist die Akzeptanz unter den Touristen ähnlich hoch.“

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Die Außenwahrnehmung stelle sich wohl deshalb manchmal anders dar, weil die Gruppe der Windkraftgegner zwar „klein, aber sehr laut“ und dadurch in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werde. In der Eifel gebe es 28 Prozent des Windenergiepotentials von NRW, es seien 18 Terawatt-Stunden Stromerzeugung möglich. Ein Terawatt entspricht einer Milliarde Kilowatt.

Er sehe sogar touristische Vermarktungschancen. So gebe es mittlerweile Ausflugsdampfer, mit denen man Off-Shore-Windräder besichtigen könne. „Windenergie ist für die Energiewende ein wesentlicher Baustein in NRW, auf den wir nicht verzichten können, sie muss aber naturverträglich sein“, so Paschedag.

Natur- und Tourismusverträglichkeit wünscht sich auch Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel-Touristik. „Windenergieanlagen belasten unstrittig das Landschaftsbild“, konstatierte Schäfer, aber es habe bei der Eifel-Touristik in den vergangenen Jahren kaum eine Beschwerde darüber von Touristen gegeben. Er freue sich sehr über die Umfrageergebnisse, an deren Fragestellungen die Eifel-Touristik beteiligt gewesen sei. Schäfer: „Ich bin sehr gespannt, ob sich diese Ergebnisse in den folgenden Jahren verändern.“ Ereignisse wie das Reaktorunglück in Fukushima oder aber Strompreiserhöhungen aufgrund der Umlage für Erneuerbare Energien könnten durchaus meinungsverändernd sein.

Die Besucherbefragung fand an den Standorten Manderscheid, Kloster Steinfeld, Bitburg, Kall, Schleiden-Gemünd, Stadtkyll sowie Mechernich-Kommern statt. Die Ergebnisse der Studie kann man unter www.klimaschutz-eifel.de herunterladen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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4 Gedanken zu „Hohe Akzeptanz von Windenergie bei Eifel-Touristen“

  1. Ich frage mich ernsthaft,warum mit zweierlei Mass gemessen wird. Beim Planen und Bauen von Windparks wird der Tier-und Naturschutz nicht so beruecksichtigt,wie beim Planen des Lueckenschlusses der A1beispielsweise.Man gewinnt den Eindruck von Beliebigkeit-keine gute Grundlage,um die Buerger vor Ort „mitzunehmen“.Wenn das Vorkommen eines Feldhamsters den Bau einer Strasse verhindert, dann sollte es logisch sein, dass ebenso eine Standortveraenderung eines Windrades im Einzugbereiches eines Schwarzstorchhorstes
    durchgefuehrt wird.
    Nur so fuehre ich Buerger zusammen und bekomme Akzeptanz.

  2. Wenn man die Studie betrachtet und man dort zu dem Schluss kommt, dass der Tourismus um 9% zurückgehen wird, dann ist das eine beträchtliche Summe um die es geht. Wenn man weiß, dass in Deutschland 94 Milliarden Euro mit Fremdenverkehr umgesetzt werden und man in Betracht zieht, dass Rheinland-Pfalz zu den Ländern gehört, die stärker vom Tourismus profitieren als andere Bundesländer, dann müssen doch die Alarmglocken läuten angesichts des bevorstehenden Umsatzverlustes für Rheinland-Pfalz. Die Windparks werden mit Geld von Investoren gebaut, die mit großer Mehrheit NICHT aus Rheinland-Pfalz kommen. Also fließen Einnahmen aus der Windkraft ebenfalls mit großer Mehrheit aus Rheinland-Pfalz ab. Wirtschaftlich betrachtet ist es also ein schlechter Tausch für Rheinland-Pfalz. Ganz abgesehen davon, dass die Einnahmen aus der Windkraft – und schon gar nicht der kleine Teil der davon in Rheinland-Pfalz bleibt – bei Weitem nicht die Verluste aus dem Tourismus ausgleichen können!
    „Hans im Glück“ lässt grüßen! Das Märchen, das wir in Rheinland-Pfalz von den Regierenden vorgelesen bekommen, wird später wohl mal „Kurt im Pech“ genannt werden und mit einem Schulterzucken wird man darüber hinweg gehen, wie über so viele Warnhinweise im Vorfeld von Nürburgring, Schlosshotel und Moselschleusen. Der Steuerzahler wird schon zahlen können. Aber kein Geld für Kindergärten, Schulen und die Bekämpfung der Altersarmut!

  3. diese Studie ist vom Design her ein Desaster. Die Schlussfolgerungen sind abenteuerlich und unwissenschaftlich. Das ist keine Studie, das ist Manipulation!

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