„Sistig droht der langsame Tod“

Ab Januar bricht in dem kleinen Höhendorf die Nahversorgung weg, das gewünschte neue DORV-Zentrum ist aber noch nicht in Sicht – Ortsvorsteher Vermöhlen mahnt: „Ohne bürgerschaftliches Engagement wird das Projekt nicht realisiert werden können“

Der Sistiger Ortsvorsteher Karl Vermöhlen kämpft für die Nahversorgung in den Höhengebieten. Gemeinsam mit engagierten Bürgern lädt er für Donnerstag zur Versammlung ein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Sistiger Ortsvorsteher Karl Vermöhlen kämpft für die Nahversorgung in den Höhengebieten. Gemeinsam mit engagierten Bürgern lädt er für Donnerstag zur Versammlung ein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall-Sistig – Karl Vermöhlen, der Ortsvorsteher von Sistig, schlägt Alarm: Der Sistiger Frischemarkt habe angekündigt, das Geschäft zum 31. Januar 2013 schließen zu wollen. „Damit entfällt nicht nur die ortsnahe Versorgung mit Nahrungsmitteln, sondern auch der gesamte Post-Service. Gerade für Menschen ohne tagsüber verfügbaren PKW oder auch ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität ergeben sich hieraus Probleme“, so Vermöhlen, der alle Bürgerinnen und Bürger für Donnerstag, 15. November, 19 Uhr, in die Bürgerhalle Sistig einlädt, um über das weitere Vorgehen in Sachen „DORV-Zentrum“ zu beraten.

Nach einem entsprechenden Ratsbeschluss war im letzten und vorletzten Jahr mit Hilfe von LEADER-Mitteln eine Untersuchung in den Ortschaften der Ortsvorsteherbezirke Sistig und Krekel durchgeführt worden. Die Quintessenz damals: Die Menschen in den Dörfern haben ein erhöhtes Interesse an einer örtlichen Nahversorgung mit frischen und regionalen Produkten. Daneben sind aber auch andere Dienstleistungen im Rahmen von Bürgerprojekten notwendig. Als Wichtigstes wurden neben dem Geschäft immer wieder genannt: zeitweilige Vor-Ort-Präsenz des Bürgerbüros der Gemeinde Kall und eines Arztes (Zweigstellenpraxis) sowie die erneute Installierung eines Geldautomaten, nachdem dieser von der VR-Bank Nordeifel vor einiger Zeit mit Aufgabe der Zweigstelle demontiert wurde.

„Wenn sich dörfliche Versorgungsinfrastruktur und damit Lebensqualität verschlechtern, verändern sich zahlreiche andere Faktoren zum Negativen“, mahnt der Ortsvorsteher. Eines der wichtigsten dürfte sein, dass leerwerdende Immobilien massiv an Wert verlieren würden und nur noch schwierig zu vermarkten seien. Oder aber die fehlende Veräußerungschance reiße eine Riesenlücke in die geplante Altersversorgung vieler Menschen, wenn diese ihr „kleines Häuschen“ zur Deckung pflegebedingter Mehrkosten im Alter nicht an den Mann bringen könnten.

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Vermöhlen: „„Je besser eine Versorgungsinfrastruktur im Sinne einer ortsnahen Rund-um-Versorgung und Rund-um-Vorsorge ist, desto länger können auch alte Menschen an ihrem angestammten Wohnort in ihren eigenen vier Wänden bleiben.“ Das sei das, was sich alte Menschen wünschten und auch das, was sich alte Menschen angesichts explodierender Kosten in der stationären Pflege leisten könnten.

„Das alles muss den Menschen in unseren Ortschaften klar gemacht werden“, so Vermöhlen. Es gebe ein Kerngruppe von aktiven Bürgerinnen und Bürgern, die im Anschluss an die LEADER-Umfrage weiter gearbeitet und die Veranstaltung am Donnerstag auf die Beine gestellt hätten.

„Nun wird es ernst!“, mahnt der Ortsvorsteher. „Falls wir es nicht schaffen, ausreichend Bürgerinnen und Bürger zu einem aktiven Mittun zu bewegen – oder besser zu begeistern – wird das Projekt nicht weiter zu verfolgen sein.“

Ohne ein Sistiger DORV-Zentrum, so Vermöhlen weiter, ergäben sich auf mittlere und längere Sicht Probleme, die vielen Menschen so (noch) nicht klar seien oder als Schwarzseherei abgetan würden: „Sistig stirbt dann wie so viele andere Dörfer einen langsamen Tod.“ (epa)

 

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