Menschen mit Behinderung im Einsatz für die Natur

Freiwillige Helfer des Gehörlosenheims und der Lebenshilfe Euskirchen kooperierten mit der Nationalparkverwaltung Eifel

Menschen mit Behinderung helfen Menschen mit Behinderung: Mit Spaß kehren freiwillige Helfer der Lebenshilfe Kall das Blindenleitsystem im barrierefreien Naturerlebnisraum Wilder Kermeter frei, so dass sich Blinde mit ihren Langstöcken wieder daran orientieren können. Bild: Nationalparkverwaltung Eifel
Menschen mit Behinderung helfen Menschen mit Behinderung: Mit Spaß kehren freiwillige Helfer der Lebenshilfe Kall das Blindenleitsystem im barrierefreien Naturerlebnisraum Wilder Kermeter frei, so dass sich Blinde mit ihren Langstöcken wieder daran orientieren können. Bild: Nationalparkverwaltung Eifel

Schleiden-Gemünd – Einmal nicht Hilfe empfangen, sondern selbst helfen. Unter diesem Motto startete im Herbst eine neue Kooperation der Lebenshilfe Euskirchen sowie dem Gehhörlosenheim Euskirchen mit der Nationalparkverwaltung Eifel. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer mit Behinderung boten im Spätherbst dem Nationalpark Eifel ihre tatkräftige Unterstützung an. „Unser Ziel ist es, einen Perspektivenwechsel in der Gesellschaft herbeizuführen. Wir wollen zeigen, dass auch behinderte Menschen ihren Beitrag in der ehrenamtlichen Hilfe leisten und ihren Platz in der Gesellschaft haben“, so der Geschäftsführer der Lebenshilfe Euskirchen, Bernd Milz.

Im barrierefreien Naturerlebnisraum Wilder Kermeter sorgten die Freiwilligen seiner Einrichtung beispielsweise dafür, dass das Blinden-Leitsystem frei von Laub und feinem Schotter ist, so dass sich blinde Besucher mit ihrem Langstock wieder daran orientieren können. Unter Anleitung von den Rangern Sascha Wilden, Klaus Leyendecker und Roland Wollgarten von der Nationalparkwacht und in Begleitung des Koordinators für Barrierefreiheit der Nationalparkverwaltung, Tobias Wiesen, sowie pädagogischer Betreuer der beiden Einrichtungen setzten sich die Helfer nicht nur für andere behinderte Menschen, sondern auch für den Naturschutz ein. So wartete im Kermeter jede Menge Arbeit beim so genannten Douglasienzupfen in einem Bereich, wo derzeit Arbeiten zur Waldentwicklung laufen. Das heißt, die Helfer rupften und zupften junge Douglasien aus der Erde, dort wo sie sich unerwünscht verjüngt hatten. Die Douglasie ist keine heimische Baumart, sie wurde einst aus Nordamerika eingeführt und verdrängt im natürlichen Konkurrenzkampf zu schützende einheimische Laubbaumarten wie die Eiche.

Der zufriedene Helfer-Trupp nach seinem ungewöhnlichen Einsatz in der frischen Waldluft des barrierefreien Naturerlebnisraumes Wilder Kermeter. Bild: Nationalparkverwaltung Eifel
Der zufriedene Helfer-Trupp nach seinem ungewöhnlichen Einsatz in der frischen Waldluft des barrierefreien Naturerlebnisraumes Wilder Kermeter. Bild: Nationalparkverwaltung Eifel

Der Einsatz von Freiwilligen mit Behinderung ist zudem Bestandteil einer Kooperation der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und EUROPARC Deutschland, dem Dachverband der Nationalen Naturlandschaften. So treten auch in anderen Großschutzgebieten Deutschlands Menschen mit Behinderung selbstbewusst und kompetent für den Naturschutz ein.

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Auch die Bewohner des LVR-HPH Netzes West aus Euskirchen, einer Einrichtung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), zeigten ein Dutzend Helfer ihr handwerkliches Geschick in den Fichtenwäldern in Wahlerscheid: Dort galt es junge Fichten mit den Wurzeln aus dem Boden zu ziehen oder gar, für die mit Holzarbeiten Erfahrenen – mit einer Handsäge kleine Stämme zu fällen.

„Hier wird der natürliche Umgang mit allen Menschen, welche Eigenarten, Fähigkeiten oder Einschränkungen sie auch immer haben, bereits seit Gründung gelebt, vorgemacht und praktiziert“, ist Wilderich von Weichs, der zuständige Regionalleiter der Einrichtung, begeistert von den barrierefreien Ansätzen im Nationalpark Eifel und verweist auf die positiven Erfahrungen in anderen Kooperationsprojekten wie die gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung veranstalteten Rangerführungen in Gebärdensprache.

„Dies soll keine einmalige Aktion sein, sondern wir streben an, diese Einsätze auch in Zukunft zu wiederholen“, so Tobias Wiesen von der Nationalparkverwaltung.

(Quelle: Nationalparkverwaltung Eifel)

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