Caritas begegnet der Energiearmut

Langzeitarbeitslose werden zu Stromsparhelfern geschult, die kostenlos in einkommensschwachen Haushalten beraten und hochwertige Produkte zum Energiesparen mitbringen – KEV Energie unterstützt Aktion „Stromsparcheck“ mit einer Spende

Anne Selmer (l.) freut sich über den geringen Stromverbrauch durch den Stromsparcheck von Mario Ramos (r.), Caritas Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Anne Selmer (l.) freut sich über den geringen Stromverbrauch durch den Stromsparcheck von Mario Ramos (r.), Caritas Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – „Die Schere zwischen arm und reich klafft immer mehr auseinander, auch bei uns im Kreis Euskirchen“, berichtete Franz Josef Funken, Geschäftsführer der Caritas Euskirchen, jetzt der Presse. In manchen Haushalten werde das Geld so knapp, dass die Kosten für Strom, Wasser und Heizung kaum noch bezahlt werden könnten. „Genau da haken wir mit unserem Stromsparcheck ein“, so Funken.

Dazu werden bei der Caritas ehemals Langzeitarbeitslose zu Stromsparhelfern ausgebildet. Funken: „Die kennen aus eigener Erfahrung die Sorgen und Nöte der Menschen, die von Hartz IV leben müssen.“ Die Helfer beraten kostenlos in einkommensschwachen Haushalten, um deren Energiekosten zu senken. Einer der mittlerweile 40 ausgebildeten Stromsparhelfer der Caritas Euskirchen ist Mario Ramos. „Ich habe inzwischen eine Vollzeitstelle bei der Caritas. Und dabei einen echten Traumjob gefunden – es macht mir viel Spaß, anderen zu helfen.“

Doch wie helfen die Stromsparhelfer? Beim Besuch der Euskirchenerin Anne Selmer zeigt Ramos, wie der Stromsparcheck abläuft: „Als erstes machen wir uns auf die Suche nach Stromfressern. Dazu schließe ich ein Zwischen-Messgerät an.“ Manch einer würde dann schon einmal blass, wenn er den Verbrauch einer alten Gefrierkühltruhe oder auch einer Spielekonsole sehen würde.

Anne Selmer: „Wir haben eine ganze Menge Energiefresser gefunden. Manche Geräte brauchen auch viel Strom im »Stand-By-Betrieb«, das ist schon erstaunlich.“ Die gelernte Mediengestalterin möchte energiesparender leben – sowohl aus ökologischen wie auch aus finanziellen Gründen. Dabei habe ihr der nette Herr vom Stromsparcheck sehr geholfen. „Eine Woche nach dem Check kam er mit einem ganzen Paket hochwertiger Waren an“, berichtete Selmer. Darin waren unter anderem Energiesparlampen, die gleich die alten Glühlampen ersetzten. „Und siehe da – es wurde trotzdem hell und verbraucht dennoch weniger Strom“, freute sich die Euskirchenerin.

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Ramos: „Außerdem sind auch Perlatoren für die Wasserhähne und ein spezieller Duschkopf in dem Paket. Denn wir wollen nicht nur den Stromverbrauch senken, sondern auch den Wasserverbrauch und die Kosten für das Heizen.“ Erstaunt seien die Leute oft darüber, dass sie das Energiesparpaket kostenlos bekommen, „das wollen die gar nicht glauben“, wie Mario Ramos sagte.

Neben den nützlichen Dingen zum Stromsparen, zu denen auch etwa eine schaltbare Steckdosenleiste gehört, gibt der Stromsparhelfer viele Tipps zu Verhaltensweisen, mit denen man zusätzlich Energie einsparen kann. „Bei der Neuanschaffung von Geräten sollte man unbedingt auch auf den Verbrauch im Stand-By-Betrieb achten“, gibt Ramos zu bedenken.

Bei Anne Selmer hat sich der Einsatz des Caritas-Mitarbeiters schon gelohnt, wie sie berichtete: „Ich habe eine Zwischenabrechnung machen lassen, es kommt ziemlich genau hin, was Mario Ramos an Einsparung vorausgesagt hat.“ Ramos: „Beim Arbeitslosengeld-II-Bezug zählt jeder Cent. Je nach Haushaltsgröße kann man mit einfachen Mitteln 100 bis 150 Euro im Jahr sparen.“

Franz Josef Funken, Geschäftsführer der Caritas Euskirchen, und deren Pressesprecher Carsten Düppengießer wollen mit der Aktion Stromsparcheck einkommensschwache Haushalte entlasten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Franz Josef Funken, Geschäftsführer der Caritas Euskirchen, und deren Pressesprecher Carsten Düppengießer wollen mit der Aktion Stromsparcheck einkommensschwache Haushalte entlasten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Wie Carsten Düppengießer, Pressesprecher der Caritas Euskirchen, sagte, gibt es das Projekt bereits seit 2009. Seither habe die Caritas 1300 Haushalte im Kreis untersucht. Durch die Energiesparmaßnahmen sei nicht nur das Portemonnaie der einkommensschwachen Haushalte geschont worden, sondern auch die Umwelt durch den deutlich geringeren Kohlendioxidausstoß. Franz Josef Funken ergänzte: „Außerdem bekommen durch unsere Schulungen Langzeitarbeitslose wieder Chancen auf dem Arbeitsmarkt und die Kommunen werden durch geringere Transferleistungen entlastet.“

Finanziert wird das Ganze durch den Bundesverband der Caritas und der Energieagenturen. Außerdem hat die „KEV Energie“ die Aktion mit einer großzügigen Spende unterstützt. Funken sucht noch weitere Förderer und Unterstützer: „Menschen, die sich neue, energiesparende Haushaltsgeräte nicht leisten können und dann noch zusätzlich durch den hohen Stromverbrauch der Altgeräte belastet werden, könnten wir durch Sponsoren etwa einen neuen Kühlschrank oder eine neue Waschmaschine schenken.“

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Interessenten für den Stromsparcheck können sich unter der Rufnummer 0 22 51/9 41 91 67 direkt bei Mario Ramos melden.

Eifeler Presse Agentur/epa

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