Niederschläge können bis zu 12,5 Prozent zunehmen

WVER ließ im Rahmen des AMICE-Projekts anhand unterschiedlicher Klimamodelle verschiedene Szenarien für die Eifel-Rur berechnen – Talsperrensystem besitzt noch Spielraum, um die Folgen des Klimawandels in den nächsten Jahren abzufangen

Eine Modellrechnung ergab, dass das Talsperrensystem der Eifel trotz Klimawandels auch in Zukunft seine Aufgaben erfüllen kann. Archivbild: Michael Thalken/EIfeler Presse Agentur/epa
Eine Modellrechnung ergab, dass das Talsperrensystem der Eifel trotz Klimawandels auch in Zukunft seine Aufgaben noch erfüllen kann. Archivbild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel – Wie wirkt sich der Klimawandel auf das Einzugsgebiet der Rur aus? Wird es zu verstärkten Hochwässern kommen? Werden wir unter Trockenheit zu leiden haben? Diese Fragen untersuchte jetzt der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) im Rahmen des länderübergreifenden AMICE-Projektes im Einzugsgebiet der Maas mit Blick auf die Talsperren.

Der Verband betreibt in der Eifel sechs Talsperren. Sie dienen zum einen dem Hochwasserschutz durch das Freihalten von Stauraum. Zum anderen sollen sie aber auch möglichst viel Rohwasser für die Trinkwassergewinnung für den Großraum Aachen sowie Brauchwasser für die Industriebetriebe entlang der Rur bereitstellen. Diese gegensätzlichen Interessen werden durch einen komplexen Betriebsplan für die Stauanlagen in Einklang gebracht. Der Betriebsplan stützt sich auf Messdaten und Erfahrungen der letzten 100 Jahre. So kann ein Hochwasser, wie es statistisch einmal in hundert Jahren in der Eifel vorkommt, mit Abflüssen bis zu 300 Kubikmetern pro Sekunde auf 60 Kubikmeter im Unterlauf reduziert werden (ein Kubikmeter entspricht tausend Liter Wasser). In Trockenwetterphasen, wenn den Talsperren nur 600 Liter pro Sekunde zufließen, garantiert das System eine Mindestabgabe von 5 Kubikmetern pro Sekunde, um die Brauchwasserversorgung aus der Rur zu sichern. Gleichzeitig werden pro Jahr ca. 28,5 Millionen Kubikmeter Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung entnommen.

„Im Rahmen des AMICE-Projekts wurden anhand unterschiedlicher Klimamodelle verschiedene Szenarien für die Eifel-Rur berechnet. Diese sind zwar in den Details durchaus unterschiedlich, doch prognostizieren sie im Trend bis 2100 einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um 2,2 bis 3,3 Grad Celsius. Die Niederschläge können bis zu 12,5 Prozent zunehmen. Die bisherigen in der Eifel gewonnenen Messwerte wiesen in die gleiche Richtung wie diese theoretisch errechneten Trends“, berichtet der Pressesprecher des WVER, Marcus Seiler.

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Insgesamt habe man zehn Klimaszenarien betrachtet und auf ihre Auswirkungen auf die Talsperrenbewirtschaftung untersucht. Diese variierten in ihren Prognosen zu den zukünftigen Niederschlägen. Dabei habe sich herausgestellt, dass bei der bisherigen Bewirtschaftung der Talsperren die Bereitstellung von Roh- und Brauchwasser weiterhin gewährleistet sei. „Lediglich bei dem trockensten Szenario könnte die Mindestabgabe von fünf Kubikmetern pro Sekunde kurzzeitig beeinträchtigt werden“, so Seiler. Die niederschlagsreichsten Szenarien hingegen würden eine höhere Abgabe aus den Talsperren als die jetzige Maximalabgabe von 60 Kubikmetern pro Sekunde erzwingen.

Daraufhin seien beispielhafte Anpassungen des Betriebsplans der Talsperren vorgenommen und ihre Wirkung entsprechend der Klimaszenarien analysiert worden. Als Ergebnis habe sich gezeigt, dass das Talsperrensystem noch Spielraum besitze, um nach einer Änderung des Betriebsplans die Folgen der jeweiligen Szenarien zum großen Teil wieder aufzufangen.

„Da heute nicht gesagt werden kann, welches der untersuchten Szenarien mit ihrer großen Bandbreite eintreten wird, muss der WVER in der Lage sein, auf verschiedene Situationen zu reagieren“, so Seiler weiter. Durch die Untersuchungen im Rahmen des AMICE-Projekts stünden nun das erforderliche Wissen und die benötigten Werkzeuge zu Verfügung, um den Schutz vor Hochwasser sowie die Versorgungssicherheit weiter zu gewährleisten.

Im AMICE-Projekt haben sich 17 Partner aus dem Maas-Einzugsgebiet, zu dem auch die Rur gehört, zusammengefunden. Gemeinsam entwickeln sie Anpassungsstrategien an den Klimawandel. AMICE steht für „Adaption of the Meuse to the Impacts of Climate Evolution“ – Anpassung der Maas an die Auswirkungen der Klimaentwicklung. Das Projekt wird aus Mitteln des INTERREG-IVB-Programms für Nordwesteuropa der Europäischen Union finanziert. Seitens des Landes NRW erfolgt eine Kofinanzierung bezüglich der Untersuchungen zur Eifel-Rur. Mehr Informationen gibt es unter www.amice-project.eu/de.

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(Quelle: Wasserverband Eifel-Rur)

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