Elektrisch mobil in der Eifel

In Nettersheim fand ein Symposium unter dem Motto „Gemeinsam besser fahren“ zu den Themen „Carsharing“ und „Elektromobilität“ statt

Besonderes Interesse weckten die ausgestellten E-Mobile, die auch Probe gefahren werden konnten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Besonderes Interesse weckten die ausgestellten E-Mobile, die auch Probe gefahren werden konnten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nettersheim – „Man darf nicht nur reagieren, sondern muss Zukunft interdisziplinär planen“, sagte Theo Jansen, Leiter Mobilitätsmanagement beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg, über die Entwicklung von Mobilität im ländlichen Raum. Er war einer der Experten, die am vergangenen Donnerstag in Nettersheim unter dem Motto „Gemeinsam besser fahren“ die verkehrstechnischen Möglichkeiten „Carsharing“ und Elekromobität im strukturschwachen Raum Eifel näher beleuchteten.

E-Mobile lohnen sich nicht nur für der Umwelt wegen, wie Kerstin Zimmermann (v.l.) von der Energie Nordeifel sowie Heike Asten von der Energie- und Wasser-Versorgung (EWV) Stolberg berichteten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
E-Mobile lohnen sich nicht nur für der Umwelt wegen, wie Kerstin Zimmermann (v.l.) von der Energie Nordeifel sowie Heike Asten von der Energie- und Wasser-Versorgung (EWV) Stolberg berichteten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Entwicklung gerade von E-Mobilen könne man gar nicht absehen, betonte Jansen auf der gemeinsamen Veranstaltung der LEADER-Region Eifel und des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums. Man müsse auch planerisch begreifen, dass die Zukunft anders aussehe als die Gegenwart. Politik, Wirtschaft sowie Privatpersonen sollte man frühzeitig an einen Tisch bringen. Es gebe viele Argumente für Elektromobilität, neben wirtschaftlichen vor allem schwerwiegende umweltpolitische: „Klimawandel findet statt. In den vergangenen sechs Jahren gab es drei Jahrhunderthochwasser. Indien baut eine Mauer zu Bangladesch, um Klimaflüchtlinge zurückzuhalten.“

Etwa 70 Interessierte verfolgten die Trends um Elektromobilität im ländlichen Raum. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Etwa 70 Interessierte verfolgten die Trends um Elektromobilität im ländlichen Raum. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

In die Planungen müsse man nicht nur E-Autos und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einbeziehen, sondern auch das Erfolgsprodukt E-Bikes, so Jansen: „Es müssen autofreie und konfliktarme Fahhradwege zu den Wohngebieten geschaffen werden, auch um das Elterntaxi zu entlasten.“

Überhaupt sei ein Ausbau der Infrastruktur für Elektrofahrzeuge wichtig, betonte Kerstin Zimmermann, Pressesprecherin des Energieversorgers Energie Nordeifel („ene“). Bereits seit 2010 beschäftige sich der Konzern mit dem Thema Elektromobilität und habe bereits vor drei Jahren die ersten Ladesäulen für E-Mobile im Versorgungsgebiet installiert.

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Alexander Sobotta (v.l.) von LEADER, seine Kollegin Simone Handwerk, Simone Böhm, Ortsvorsteherin Freilingen, und Sandra Kirch stellten Modellprojekte mit Elektroautos und E-Bikes vor. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Alexander Sobotta (v.l.) von LEADER, seine Kollegin Simone Handwerk, Simone Böhm, Ortsvorsteherin Freilingen, und Sandra Kirch stellten Modellprojekte mit Elektroautos und E-Bikes vor. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Bisher mussten sich die Kunden bei uns für die Benutzung der Ladesäulen registrieren und bekamen eine RFID-Karte“, berichtete Zimmermann. Um künftig jedermann kurzfristig die Nutzung zu ermöglichen, soll jetzt auf ein neues System umgestellt werden: „Dann kann man sich einfach per SMS registrieren und sofort das Fahrzeug auftanken.“

E-Mobility sei aber nur mit Ökostrom sinnvoll, weshalb die Ladesäulen der „ene“ auch mit 100 Prozent Grünstrom betrieben werden. Denn ansonsten sei die CO2-Bilanz schlechter als bei einem Dieselfahrzeug. Heike Asten von der Energie- und Wasser-Versorgung (EWV) Stolberg sagte, dass ihr Unternehmen ähnlich wie die „ene“ mehrere Ladesäulen betreibe und auch verschiedene Elektrofahrzeuge angeschafft habe. Die Erfahrungen seien gut, die E-Autos durchaus interessant für Gewerbe und Privatpersonen.

Das konnte Kerstin Zimmermann nur bestätigen und legte eine Studie vor, laut der 50 Prozent der Privatfahrten weniger als 40 Kilometer weit führten, 80 Prozent weniger als 70 Kilometer. Zimmermann: „Das liegt also deutlich in der Reichweite aktueller E-Mobile.“ Neben vielen Vorteilen der Elektroautos wie Umweltfreundlichkeit, sehr hoher Wirkungsgrad, geringe Wartungskosten und Imagegewinn verschwieg sie aber nicht einen gravierenden Nachteil: „Die Anschaffungskosten sind im Moment noch sehr hoch.“

Dr. Ludger Wilstacke, Abteilungsleiter im Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sagte: „Mobil wollen und müssen wir sein. Aber wie ist das umweltverträglich möglich?“ Gerade im ländlichen Raum seien die Fortbewegungsmöglichkeiten mit den „Öffentlichen“ oft schlechter als in den Ballungsräumen. Eine Lösung könne im gemeinsamen Nutzen von Fahrzeugen liegen, dem sogenannten „Carsharing“.  Durch das EU-Projekt „LEADER“ gebe es mittlerweile auch aus dem ländlichen Raum mehrere positive Beispiele.

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Eines davon stellten Alexander Sobotta, Manager der LEADER-Region Eifel, zusammen mit Simone Böhm, Ortsvorsteherin Freilingen und stellvertretende Bürgermeisterin Blankenheim, und Simone Handwerk von der LEADER Aktionsgruppe Eifel vor. Denn in dem Blankenheimer 700-Seelen-Ortsteil Freilingen gibt es seit dem 1. Juli ein Dorfauto als „Carsharing“-Projekt. Über ein Buchungsportal im Internet können sich Freilinger Bürger, aber auch Touristen des Freilinger Campingplatzes „Eifel-Camp“ ein Elektroauto ausleihen. Dieses E-Mobil wird für eine Testphase von einem halben Jahr durch die „ene“ kostenlos zur Verfügung gestellt.

Simone Böhm: „Die Sache läuft, und das in mehrfachem Wortsinn: Die von uns selbst entwickelte Buchungssoftware funktioniert sehr gut, und das Projekt wird von den Bürgern sehr gut angenommen: Das Auto war in der ersten Woche gleich komplett ausgebucht.“ Skepsis bezüglich der Reichweite des E-Autos habe sich schnell gelegt. Die Fahrer, die es ausprobiert haben, seien restlos begeistert. „Man ist mit dem Elektromobil spritzig, umweltfreundlich und kostengünstig unterwegs“, urteilte die Ortsvorsteherin. Das Beste sei aber das Gemeinschaftsgefühl, welches sich durch das Dorfauto ergeben habe.

Alexander Sobotta lobte den Einsatz gerade in Freilingen: „Wir haben ein paar hochmotivierte Dörfer, wodurch wir viel Ausprobieren können.“ Durch die LEADER-Förderung könne für ein solches Projekt großes Interesse in der breiten Öffentlichkeit geweckt werden. Simone Handwerk berichtete, dass nach der Testphase und deren Auswertung durchaus eine Ausweitung auf andere Dörfer möglich sei.

Ein Video zum Freilinger Dorfauto sehen Sie hier. Einen weiteren Artikel zum Dorfauto finden Sie hier.

Eifeler Presse Agentur/epa

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