1122 Menschen ließen sich für Jerome typisieren

Von Reiner Züll Über 130 freiwillige Helfer waren am Sonntag in Euskirchen im Einsatz, so dass die Aktion reibungslos über die Bühne ging

Der Schirmherr Landrat Günter Rosenke brachte eine 500-Euro-Spende mit. Von links: Willi Greuel (Hilfsgruppe Eifel), Rabea Karthoff (DKMS), Landrat Günter Rosenke, DKMS-Mitarbeiterin Maria Altendorf und Hilfsgruppen-Schatzmeister Helmut Lanio. Bild: Reiner Züll
Der Schirmherr Landrat Günter Rosenke brachte eine 500-Euro-Spende mit. Von links: Willi Greuel (Hilfsgruppe Eifel), Rabea Karthoff (DKMS), Landrat Günter Rosenke, DKMS-Mitarbeiterin Maria Altendorf und Hilfsgruppen-Schatzmeister Helmut Lanio. Bild: Reiner Züll

Kreis Euskirchen – Fast hätte Helmut Lanio, der Schatzmeister der Hilfsgruppe Eifel, mit seinem Tipp richtig gelegen: Lanio hatte im Vorfeld der Typisierungsaktion für den dreijährigen Jerome verlauten lassen, dass er mit 1200 Typisierungswilligen rechnet, die sich in der Marienschule einem Bluttest unterziehen. Als die achtstündige Aktion am Sonntagabend beendet wurde, waren es genau 1122 Männer und Frauen gewesen, die zum Test gekommen waren. „Ein stolzes Ergebnis“ konstatierte Rabea Karthoff von der Deutschen Knochenmark Spenderdatei (DKMS), die mit ihrer Kollegin Maria Altendorf die Aktion der Hilfsgruppe begleitete.

Patrick Pusch (MItte) aus Schmidtheim hate am Sonntag Geburtstag. Er hatte seine Freunde gebeten, statt ihm Geschenke zu geben zur Typisierung zu gehen. Die taten ihm den Gefallen. Bild: Reiner Züll
Patrick Pusch (Mitte) aus Schmidtheim hatte am Sonntag Geburtstag. Er hatte seine Freunde gebeten, ihm nichts zu schenken, sondern lieber mit zur Typisierung zu gehen. Bild: Reiner Züll

Und auch Willi Greuel, der Vorsitzende der Hilfsgruppe Eifel, war mehr als „happy“ über das Ergebnis der nunmehr neunten Aktion, die die Hilfsgruppe  für die Suche nach Stammzellenspendern veranstaltet hat. Bei all diesen Aktionen haben sich nunmehr 21.646 Menschen aus der Eifel typisieren lassen. Aus dem aktuellen Zahlenwerk der DKMS geht hervor, dass von diesen Registrierten schon 275 Männer und Frauen Stammzellen für Patienten in 33 Ländern der Erde gespendet und damit Leben gerettet haben.

Die Katholische Frauengemeinschaft Euskirchen sorgte für das leibliche Wohl der Spender und Helfer. Zahlreiche Kuchen waren gespendet worden. Bild: Reiner Züll
Die Katholische Frauengemeinschaft Euskirchen sorgte für das leibliche Wohl der Spender und Helfer. Zahlreiche Kuchen waren gespendet worden. Bild: Reiner Züll

Über 130 freiwillige Helfer waren am Sonntag in Euskirchen im Einsatz, so dass die Aktion reibungslos über die Bühne ging. Knapp 30 Ärzte und Arzthelferinnen aus dem ganzen Kreisgebiet zapften den potenziellen Spendern auf der Suche nach einem genetischen Zwilling für den schwerkranken Jerome fünf Milliliter Blut ab.

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Neugierig schauen die beiden Kinder zu, wie Arzthelferin Ellen Koep ihrer Mutter etwas Blut abzapft. Bild: Reiner Züll
Neugierig schauen die beiden Kinder zu, wie Arzthelferin Ellen Koep der Mutter etwas Blut abzapft. Bild: Reiner Züll

Deutlich war erkennbar, dass das Schicksal des dreijährigen Jungen aus Euskirchen besonders die Familien im Kreis bewegt hat. Viele Eltern kamen mit ihren Kindern zum Bluttest. Und auch viele Jugendliche waren mit von der Partie. Darüber freute sich Hilfsgruppenchef Willi Greuel besonders: „Da wird immer über die heutige Jugend geschimpft. Hier sieht man, dass sie gar nicht so schlecht ist, wie behauptet“, so Greuel.

Bestes Beispiel dafür war der Schmidtheimer Patrick Pusch, der am Sonntag seinen 20. Geburtstag feierte und mit acht seiner Freunde nach Euskirchen gekommen war. Er hatte diese gebeten, ihm keine Geschenke zu machen und stattdessen mit ihm zur Typisierung nach Euskirchen zu fahren. Schon kurz nach Beginn der Typisierungsaktion war auch eine größere uniformierte Gruppe des Euskirchener Löschzugs Zentrum erschienen.

In Euskirchen ließen sich 1122 Menschen typisieren um dem dreijährigen an Leikämie erkrankten Jerome aus Euskirchen zu helfen. Viele Eltern mit Kindern kamen zum Aderlass. Bild: Reiner Züll
In Euskirchen ließen sich 1122 Menschen typisieren um dem dreijährigen an Leukämie erkrankten Jerome aus Euskirchen zu helfen. Viele Eltern mit Kindern kamen zum Test. Bild: Reiner Züll

An 13 Stationen fanden die Bluttests statt. So beispielsweise bei der Kaller Arzthelferin Angela Schmidt, die in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Karl Peter Schumacher in Kall arbeitet und bei acht der bisher neun Aktionen ehrenamtlich dabei war. „Eine treue Seele“, so Willi Greuel. Und auch „Doc“ Karl Peter Schumacher war als verantwortlicher Arzt mit im Einsatz.

Aus Rheinbach war Gret Sattler nach Euskirchen gekommen, obwohl sie sich bereits vor fünf Jahren bei einer Aktion der Hilfsgruppe in Mechernich hat typisieren lassen. Sie war zur Marienschule geeilt, um Willi Greuel einen Dankesbrief einer Frau aus Amerika zu zeigen. Für diese an Leukämie erkrankte Amerikanerin hatte Gret Sattler von einem Jahr Stammzellen gespendet. Wie die Frau schreibt, hat sie die Krankheit besiegt und es gehe ihr gut.

Mitglieder des Euskirchener Löschzuges Zentrum erschienen schon kurz nach Beginn der Aktion, um sich typisieren zu lassen. Bild: Reiner Züll
Mitglieder des Euskirchener Löschzuges Zentrum erschienen schon kurz nach Beginn der Aktion, um sich typisieren zu lassen. Bild: Reiner Züll

Jetzt wartet die Frau aus Rheinbach, dass im nächsten Jahr die zweijährige Anonymität vorbei ist und die dankbare Empfängerin aus den USA ein Gesicht bekommt. Bis dahin können sich Spender und Empfänger  über die DKMS nur anonym kontaktieren.

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Für das leibliche Wohl der typisierungswilligen Menschen und der zahlreichen Helfer sorgte die Katholische Frauengemeinschaft Euskirchen. Unzählige Kuchen waren für das Kuchenbuffet gestiftet worden. Und auch Jeromes Familie packte mit an wo es möglich war.

Eine ganz treue Seele: Arzthelferin Angela Schmidt (vorne) ist bei acht der bisherigen neun Typisierungsaktionen dabei gewesen. Bild: Reiner Züll
Eine ganz treue Seele: Arzthelferin Angela Schmidt (vorne) ist bei acht der bisherigen neun Typisierungsaktionen dabei gewesen. Bild: Reiner Züll

Schirmherr Landrat Günter Rosenke stattete den freiwilligen Helfern in der Marienschule noch einen Besuch ab, ehe er seine Urlaubsreise zu den kanarischen Inseln antrat. Rosenke hatte noch eine Spende von 500 Euro mitgebracht, die aus dem Erlös des alljährlichen Prinzenempfanges im Kreishaus stammte und seit einigen Jahren für soziale Zwecke verwendet wird. Mit diesen 500 Euro kann die Hilfsgruppe zehn Typisierungen finanzieren. Denn jede Typisierung verursacht Laborkosten von 50 Euro, die von keiner Krankenkasse bezahlt werden.

Auch ehrenamtlich im Einsatz: Der Kaller Arzt Dr. Karl Peter Schumacher war verantwortlicher Arzt. Bild: Reiner Züll
Auch ehrenamtlich im Einsatz: Der Kaller Arzt Dr. Karl Peter Schumacher war verantwortlicher Arzt. Bild: Reiner Züll

Um genau 17 Uhr konnte Willi Greuel dem Nettersheimer Manfred Hubert Kurth zwei VIP-Karten für die nächste Mechernicher Oldie-Nacht am 29. März nächsten Jahres schenken. Kurth war an diesem Tag der tausendste Spender gewesen. Dem Nettersheimer folgten dann noch weitere 122 Spendenwillige, die dem kleinen Jerome helfen wollen.

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