Münstereifel sagte „Ja“ zu Napoleon

Dr. Johannes Beckmann stellt neue historische Erkenntnisse über die Kurstadt vor – Auch zahlreiche Frauen befürworteten öffentlich die Vorherrschaft der Franzosen

Während der Französischen Revolution wurden gerne Freiheitsbäume als Symbol für die Freiheit aufgestellt. Bild/Repro: Zwentibolds Erben
Neue historische Erkenntnisse weisen darauf hin, dass die Münstereifeler während der Zeit Napoleons Anschluss an die Franzosen suchten. Bestimmt wurde daher auch in Münstereifel, wie auf diesem alten Gemälde zu sehen, ein Freiheitsbaum errichtet. Bild/Repro: Zwentibolds Erben

Bad Münstereifel – Der Kultur- und Geschichtsvereins „Zwentibolds Erben“ lädt für Mittwoch, 27. November, 19.30 Uhr, ins „Café Zwentibold“ (Seniorenzentrum Trierer Straße 29) zu einem Vortrag mit Dr. Johannes Beckmann ein. In dem Vortrag soll ein neuer Blick auf die Geschichte des Gymnasiums und der Franzosenzeit (1774-1814) geworfen werden.

Die Münstereifeler Lokalgeschichte steckt seit ihren Anfängen durch Jakob Katzfey in den 1850er Jahren voller Ungereimtheiten, ja Fehlern und Legenden. Dies wurde von Historikern oft bemängelt. Der Geschichtslehrer an der Friedrich-Haass-Schule, Dr. Johannes Beckmann, greift die wissenschaftliche Kritik auf und nimmt die höchst interessante Zeit vom Ende des Jesuitengymnasiums bis zur Franzosenzeit neu unter die Lupe.

Die Stadt habe sich im Niedergang befunden, mit der Auflösung des Jesuitenordens sei auch das St. Michael-Gymnasium als Wirtschaftsfaktor ausgefallen und schließlich der größte Teil der Bürgerschaft völlig verarmt, so lautet bislang die gängige Darstellung.

Eine sorgfältige Analyse und neu entdeckte historische Quellen zeigen ein ganz anderes Bild. Münstereifel war im ausgehenden 18. Jahrhundert eine wirtschaftlich solide Gemeinde. Das Gewerbe blühte. Das Gymnasium ließ die jesuitische Ausrichtung hinter sich und wandelte sich zur katholischen-aufgeklärten Oberschule. Sein Rektor, Peter Fey, hatte bei ausgemachten Antijesuiten studiert, wie Quellen aus einem Pariser Archiv belegen. Er leitete in Münstereifel eine gut besuchte und, nach den Maßstäben der Zeit, fortschrittliche Schule.

Nach dem Einmarsch der Franzosen im Oktober 1794 erkannte nicht nur der Stadtrat, wie vorteilhaft eine Kooperation mit den Besatzern war. Auch die Bürger wünschten 1798 mit überwältigender Mehrheit den Anschluss an Frankreich bei einer entsprechenden Abstimmung. Die Gymnasiallehrer hielten sich ausdrücklich zugute, nützliche Bürger für die französische Republik zu erziehen. Folgerichtig sagten die Honoratioren, zu denen auch die Geistlichkeit zählte, sowie zahlreiche Bürger „Oui“ zu Napoleon, als dieser 1802 über sein Konsulat abstimmen ließ. Bei dieser Abstimmung kam in Münstereifel eine weitere, erstaunliche Besonderheit hinzu. Zahlreiche Frauen gingen zur Wahl und unterzeichneten als Befürworterinnen Napoleons, obgleich ihre Stimmen nicht zählten – ein Phänomen, welches in dieser Zeit seinesgleichen kaum findet.

Der Eintritt zum Vortrag ist frei. Spenden werden gern entgegengenommen.

(Quelle: Zwentibolds Erben e.V.)

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