In fünf Jahren über 1000 Katzen kastriert

Erfolgsmodell Kreis Euskirchen: Für den gleichen finanziellen Aufwand können mehr als doppelt so viele Katzen kastriert werden als anderswo -Kreisveterinäramt und Tierschutzvereine arbeiten Hand in Hand

 Sie alle stehen hinter dem Projekt (v.l.): Dr. Jochen Weins, Abteilungsleiter Veterinärabteilung, Gisela Bayer, 1. Vorsitzende Tierschutz Münstereifel, Wolfgang Bous, 2. Vorsitzender Tierschutzverein Mechernich, Andrea Biermann, 1. Vorsitzende Tierhilfe Nordeifel, Sabine Terspecken, 2. Vorsitzende Tierhilfe Nordeifel, Rainer Bauer, 1. Vorsitzender Tierschutzverein Mechernich, Brigitte Harnack, 1. Vorsitzende Tierschutz Euskirchen, Iris Gorzelitz, 2. Vorsitzende Tierschutz Euskirchen, Walter Wolf, Veterinäramt. Bild: Walter Thomaßen/Kreis Euskirchen

Sie alle stehen hinter dem Projekt (v.l.): Dr. Jochen Weins, Abteilungsleiter Veterinärabteilung, Gisela Bayer, 1. Vorsitzende Tierschutz Münstereifel, Wolfgang Bous, 2. Vorsitzender Tierschutzverein Mechernich, Andrea Biermann, 1. Vorsitzende Tierhilfe Nordeifel, Sabine Terspecken, 2. Vorsitzende Tierhilfe Nordeifel, Rainer Bauer, 1. Vorsitzender Tierschutzverein Mechernich, Brigitte Harnack, 1. Vorsitzende Tierschutz Euskirchen, Iris Gorzelitz, 2. Vorsitzende Tierschutz Euskirchen, Walter Wolf, Veterinäramt. Bild: Walter Thomaßen/Kreis Euskirchen

Kreis Euskirchen – „Bekanntermaßen stellen die sich unkontrolliert vermehrenden, herrenlosen Katzen deutschlandweit zunehmend ein Problem dar, welches in den letzten Jahren vermehrt in der Öffentlichkeit und damit im politischen Raum diskutiert wird“, so der Kreis Euskirchen in einer aktuellen Pressemitteilung.  Neben der Forderung nach Ausweitung der Kastrationspflichten so genannter „Freigängerkatzen“ im Rahmen kommunaler Verordnungen werde jetzt auf Landesebene im zuständigen Ministerium die Ausweisung regionaler, großflächiger Katzen-Kastrationsgebiete diskutiert.

„Bis vor kurzem wurde das Problem von den Kommunen ignoriert, da sie sich nicht zuständig fühlten und die jeweiligen örtlichen  Tierschutzvereine in der Regel wildlebende Katzen eingefangen und auf eigene Kosten kastriert haben“, so der Kreis weiter. Dies sei vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation zahlreicher Tierschutzvereine so nicht mehr finanzierbar.

Im Kreis Euskirchen wurde vor einigen Jahren deshalb ein anderer Weg beschritten, der sich nunmehr als sehr erfolgreich erwiesen hat. In mehreren Gesprächsrunden zwischen Tierschutzvereinen, Veterinäramt und den kommunalen Ordnungsämtern konnte eine jährlich zu erneuernde Vereinbarung getroffen werden, die die Kosten der Kastration auf mehrere Schultern verteilt. Im Detail sieht die Vereinbarung folgendermaßen aus:

Das jeweilige Ordnungsamt legt in Absprache mit dem zuständigen Tierschutzverein die Örtlichkeiten fest, wo wildlebende Katzen durch unkontrollierte Vermehrung zum Problem werden. Der Tierschutzverein fängt die Tiere ein, bringt sie zur Kastration zum Tierarzt und setzt sie anschließend wieder am Fangort aus. Wildlebende Katzen sind nicht an den Menschen gewöhnt und lassen sich daher weder im Tierheim, noch in der Wohnung artgerecht halten. Sie müssen zurück in die „Wildnis“.

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„Das Veterinäramt handelt jährlich mit der Tierärztekammer Nordrhein Kastrationsgebühren deutlich unterhalb der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) aus. Die in dieser GOT festgesetzten Gebühren sind rechtlich vorgegebene Mindestgebühren bei deren Unterschreitung der Tierarzt üblicherweise rechtlich zur Verantwortung gezogen wird“, heißt es weiter. Die Tierschutzvereine bezahlten die Rechnungen der Tierärzte und reichten sie anschließend beim Veterinäramt ein, wo geprüft werde, ob die festgelegten Bedingungen eingehalten worden seien. Anschließend werden die Kosten anteilig auf die Kommunen, die Tierschutzvereine und den Kreis aufgeteilt. Der Kreisanteil ist letztlich der limitierende Faktor dieser Aktion. Es handelt sich dabei z. Zt. um einen Betrag von 4.000 Euro, den der Kreistag den Tierschutzvereinen zugesprochen hat. „Diese sind damit einverstanden, dass er komplett in diese Aktion zur Verminderung von Tierleid fließt“, so der Kreis.

Aufgrund der beschriebenen Minderkosten können für den gleichen finanziellen Aufwand mehr als doppelt so viele Katzen kastriert werden, wie zuvor. Durch die Anteile der Gemeinden und des Kreises werden die Tierschutzvereine deutlich entlastet. Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel musste die diesjährige Kastrationsaktion bereits am 1. Oktober beendet werden. Nach Vorliegen aller Rechnungsunterlagen konnte Walter Wolff vom Veterinäramt den anwesenden Tierschützern beim letzten „Runden Tisch Tierschutzvereine“ im Kreishaus mitteilen, dass in diesem Jahr 226 herrenlose, wildlebende Katzen und Kater kastriert worden sind; in den letzten 5 Jahren über 1000. Hierdurch konnte eine große Zahl von Geburten und – daraus resultierend – nicht erkrankter und jämmerlich zugrunde gegangener Katzenwelpen verhindert werden.

Der Kreis: „Alle Beteiligten haben sich für eine Fortführung dieser vorbildlichen und mittlerweile bundesweit einzigartigen Aktion ausgesprochen. Ordnungsämter und Tierschützer bemerken einen deutlichen Rückgang der Beschwerden aus der Bevölkerung über Ansammlungen wilder und erkrankter Katzen.“ Dieser schöne Erfolg habe Vertrauen zwischen den Beteiligten geschaffen und die Basis für weitere gemeinsame Projekte gelegt.

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So existiert seit einigen Jahren eine gemeinsame Internetseite als virtuelles Kreistierheim unter www.kreistierheim-euskirchen.de. Diese Seite fungiert als zentrale Such- und Vermittlungsstelle für im Kreis Euskirchen aufgefundene und vermisste Tiere. Bis zur Errichtung einer zentralen Erfassungs- und Aufbewahrungsstation in Form eines Kreistierheims müssen aber noch weitere Gespräche mit allen

Beteiligten geführt werden.

Bedauerlicherweise muss sich der Tierschutzverein Schmidtheim aus personellen Gründen, zumindest für einige Zeit, aus dem Katzenkastrationsprojekt zurückziehen. Deshalb suchen das Veterinäramt und die beteiligten Vereine freiwillige Helfer, die die Bereiche Nettersheim und Blankenheim betreuen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich gerne beim Veterinäramt unter Telefon: 02251/15-253 bei Walter Wolf oder den Vereinen melden.

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