Neue Bewohner in alten Übungshäusern

In der Wüstung Wollseifen im Nationalpark Eifel gehen Verkehrssicherung und Naturschutz Hand in Hand

Die Projektbeteiligten Dr. Henrike Körber (li.), Markus Vollmer vom Bundesforst (mi.) und Peter Joerißen (re.) von der Nationalparkverwaltung Eifel  besichtigen die Arbeiten an den ehemaligen militärischen Übungshäusern Die Öffnungen sind zugemauert. Für Amphibien wurden Schlitze im Mauerwerk gelassen, damit sie in ihr Winterquartier kriechen können.(Bild: Annette Simantke)
Die Projektbeteiligten Dr. Henrike Körber (li.), Markus Vollmer vom Bundesforst (mi.) und Peter Joerißen (re.) von der Nationalparkverwaltung Eifel besichtigen die Arbeiten an den ehemaligen militärischen Übungshäusern Die Öffnungen sind zugemauert. Für Amphibien wurden Schlitze im Mauerwerk gelassen, damit sie in ihr Winterquartier kriechen können. Bild: Annette Simantke

Schleiden-Dreiborn – Ehemalige Kampfhäuser, Bunker sowie ein Wasserturm und andere Gebäude rund um die Wüstung Wollseifen sollen nun gesichert und die Besucher des ehemaligen Dorfes damit vor Unfällen geschützt sein. Dies geht jetzt aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, des Bundesforstbetriebs Rhein Weser und des Nationalparkforstamts Eifel hervor.

„Im vergangenen halben Jahr wurden, neben dem Abriss akut einsturzgefährdeter Gebäude, die Fenster, Eingänge und sonstige Öffnungen an verbliebenen Häusern verschlossen“, heißt es. Was für Nationalparkbesucher abweisend wirke, stelle für andere die Einladung in ein gemütliches und nun ungestörtes Winterquartier dar. Durch Schlitze und Öffnungen gelangten nämlich Amphibien und Fledermäuse in die winddichten Innenräume.

„Das Ergebnis zeugt von einem gelungenen Kompromiss in der Frage des Umgangs mit diesen militärischen Hinterlassenschaften“, zieht Markus Vollmer ein positives Resümee.

Ein Braunes Langohr schlafend in der Spalte eines Hohlblocksteins.Bild:  Dr. Henrike Körber
Ein Braunes Langohr schlafend in der Spalte eines Hohlblocksteins.Bild: Dr. Henrike Körber

Was mit den ehemaligen Übungseinrichtungen des belgischen Militärs zu geschehen hat, diskutierten im vergangenen Jahr die Denkmalschutzbehörde, der Kreis Euskirchen, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Bezirksregierung Köln und die Nationalparkverwaltung Eifel intensiv. Die Einigung: Ein Großteil der noch vorhandenen Gebäude, die einst zum Üben des Häuser- und Straßenkampfes dienten, wurde abgerissen. Lediglich an der Hauptstraße des militärischen Übungsdorfes blieben 21 der ehemals 52 Kalksandsteinhäuser erhalten. In diesen sowie im Wasserturm, Trafohäuschen und in umliegenden Bunkern wurden Tür- und Fenstereingänge zugemauert oder mit Stahltüren versehen.

„Wir sind froh, dass die Gebäude nun sicher sind und sich zu interessierte, neugierige Besucher nicht verletzen können“, zeigt sich Peter Joerißen aus der Nationalparkverwaltung zufrieden.

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Normalerweise bewohnen Fledermäuse Höhlen, Felsspalten und Bäume im Nationalpark. Aber auch die Ruinen und verbliebenen Gebäude in Wollseifen sind bei den Säugetieren als attraktive Quartiere beliebt. So wurde im Zuge der Sicherungsarbeiten gleichzeitig alles dafür getan, dass sich Fledermäuse und Amphibien wohl fühlen:

Ein mit Sand bedeckter Steinhaufen bietet den Kreuzkröten den geeigneten Winterschlafplatz in den Gebäuden. Hier können sich die Tiere eingraben und die kalte Jahreszeit geschützt in den Nischen zwischen den Steinen verbringen. Bild:  Dr. Henrike Körber
Ein mit Sand bedeckter Steinhaufen bietet den Kreuzkröten den geeigneten Winterschlafplatz in den Gebäuden. Hier können sich die Tiere eingraben und die kalte Jahreszeit geschützt in den Nischen zwischen den Steinen verbringen. Bild: Dr. Henrike Körber

Angeschüttete Steinhaufen für Kreuzkröte und Mauereidechse, Hohlblocksteine für Fledermäuse sowie das Herstellen eines wohnlichen Raumklimas für die Tiere, die es zwar gerne feucht, aber windstill mögen. Der langjährig im Nationalpark tätige Arbeitskreis Fledermausschutz der Naturschutzverbände befürwortete das Projekt. Die Umgestaltung und Einrichtung der Gebäude aus Sicht des Artenschutzes übernahm das beauftragte Planungsbüro der Biologin Dr. Henrike Körber aus Langerwehe. Die Fledermausexpertin befasst sich schon seit 30 Jahren mit den kleinen Säugern und für die Nationalparkverwaltung untersucht sie die Flieger seit  zehn Jahren.

„Ich habe schon die erste Mauereidechse auf dem aufgeschütteten Steinhaufen gesehen“, freut sich die Biologin über den von der Eidechse bereits angenommene Sonnenplatz am Bunker am ehemaligen Flugplatz Vogelsang.

(Quelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforstbetrieb Rhein Weser und Nationalparkforstamt Eifel im Landesbetrieb Wald und Holz NRW)

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