Landrat überließ beim 20. Neujahrsempfang Bürgern das Wort

In drei Diskussionsrunden kamen unter anderem Schüler, Vertreter aus der Kreishandwerkerschaft, der Industrie- und Handelskammer, aus Unternehmen sowie dem Berufskolleg und dem Jobcenter Euskirchen zu Wort

Sebastian Tittelbach (links) diskutierte unter anderem mit Schülern zum Thema Bildungsperspektiven. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Sebastian Tittelbach (links) diskutierte unter anderem mit Schülern über das Thema Bildungsperspektiven. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Medien machten sich am Freitagabend auf ins Kreishaus Euskirchen, wo ein gut gelaunter Landrat Günter Rosenke mit seiner Gattin Karin jeden einzelnen Gast herzlichst begrüßte.

Landrat Günter Rosenke begrüßte beiom Neujahrsempfang zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Medien. Bild: Tameer Gunar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landrat Günter Rosenke begrüßte beim Neujahrsempfang zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Medien. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Während der Landrat selber noch glaubte, es sei sein 19. Neujahrsempfang, rechnete sein persönlicher Referent Dr. Anno Zilkens am späten Abend noch einmal genau nach und stellte fest: Es war bereits die 20. traditionelle Veranstaltung dieser Art, die der Landrat ins Leben gerufen hatte.

„Traditionell“ war an diesem  Empfang aber eigentlich nur noch der Name. Denn der Bürgerlandrat machte seinem Namen alle Ehre und hielt keine lange Rede, sondern ließ die Bürger selbst zu Wort kommen. Die Themen des Abends lauteten „Jugend – Bildung – Perspektiven“, und dementsprechend hatte auch zunächst einmal die Jugend das Wort. In drei Diskussionsrunden, die vom WDR-Journalisten Sebastian Tittelbach moderiert wurden, kamen weitere Vertreter beispielsweise aus der Kreishandwerkerschaft, der Industrie- und Handelskammer, von  Unternehmen aus dem Kreis sowie dem Berufskolleg und dem Jobcenter Euskirchen zu Wort.

Die Familie Siegemund (Frank Siegemund mit Annika Fee, Maike und Fabio) sorgte für erstklassige musikalische Begleitung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Familie Siegemund (Frank Siegemund mit Annika Fee, Maike und Fabio) sorgte für erstklassige musikalische Begleitung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zunächst aber erinnerte sich der Landrat an seinen ersten Neujahrsempfang im Januar 1995. Denn wenige Tage zuvor hatte es in der Psyschiatrischen Klinik Marienborn in Zülpich einen Großbrand gegeben. Und auch der 20. Neujahrsempfang wurde von einem tragischen Unfall überschattet: Der Landrat gedachte der Bombenexplosion in Euskirchen vor einer Woche. „An diesem Tag wurden viele Bürgerinnen und Bürger in der Kreisstadt Euskirchen und weit darüber hinaus an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges erinnert“, so Günter Rosenke. Diejenigen Menschen, die die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges nicht miterleben mussten, hätten annähernd nachempfinden können, welchen existenziellen Ängsten und Nöten die ältere Generation in den schlimmen Jahren des Krieges ausgesetzt gewesen sei. 

Auch Unternehmer sowie Vertreter der Kreishandwerkerschaft und der Industrie- und Handelskammer kamen zu Wort. Bild: Tameer Gunar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Auch Unternehmer sowie Vertreter der Kreishandwerkerschaft und der Industrie- und Handelskammer kamen zu Wort. Bild: Tameer Gunar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Aus Solidarität mit den Menschen, die sich während des Neujahrsempfangs an der Unfallstelle eingefunden hatten, um den durch die Explosion getöteten Baggerfahrer und seiner Familie zu gedenken, hielten die Gäste auf Bitten des Landrats eine Schweigeminute ab.

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Sodann bedankte sich Rosenke nicht nur bei der Polizei, den Hilfsorganisationen und der Feuerwehr für ihren Einsatz nach der Bombenexplosion, sondern auch bei den „zahlreichen Handwerkern aus den unterschiedlichen Sparten, die mitgeholfen haben, die an den Häusern und Hallen entstandenen Schäden an Dächern, Türen und Fenstern schnellstmöglich zu beheben.“

Was zählt sind Zuverlässigkeit und Engagement

Danach hatten fünf junge Leute das Wort, die deutlich machten, wie schwierig es ist, den richtigen Beruf fürs Leben zu finden. Noch schwieriger aber schien es, den endlich gefundenen Beruf auch in der Eifel ausüben zu können. Spätestens als Rentner, so einer der Schüler, wolle man aber gern zurück in die schöne Eifel ziehen. Während ein Schüler bemängelte, dass es in seiner Schulzeit zu wenig gezielte Förderung gegeben habe, hob ein anderer Schüler hervor, dass gerade die gezielte Förderung an seiner Schule dazu führte, dass er eigentlich jetzt schon eine genaue Geschäftsidee entwickelt habe, die er nach dem Abitur realisieren wolle.

Landrat Günter Rosenke bedankte sich bei allen, die für den reibungslosen Verlauf der Veranstaltung gesorgt hatten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landrat Günter Rosenke bedankte sich bei allen Mitarbeitern, die für den reibungslosen Verlauf der Veranstaltung gesorgt hatten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nach wie vor, so wurde im weiteren Verlauf des Abends deutlich, ist ein gutes Abschlusszeugnis für eine erfolgreiche Jobvermittlung zwar sehr wichtig. „Doch Zuverlässigkeit und Engagement sind noch weitaus wichtiger als gute Noten“, so Gerd Pelzer von der Kreishandwerkerschaft Rureifel. Das konnte Petra Vossen (Barmer Versicherungen) nur bestätigen. „Das Fachliche kommt von selbst. Bei uns zählt mehr, ob jemand freundlich mit den Kunden umgehen kann.“

Hans-Ulrich Sieboldt von der Firma Stocko aus Hellenthal setzt darüber hinaus auf eine eigene Ausbildungs-Werkstatt mit einem engagierten Werkstattleiter, der den Jugendlichen quasi den Feinschliff gibt. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Die Durchfallquote bei seinen Auszubildenden (derzeit sind es 25) beträgt null Prozent. Darüber hinaus bekommt jeder Azubi im Anschluss ein Übernahmeangebot.

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Dass Jugendliche manchmal ein falsches Selbstbild von sich haben, davon konnte Christina Marx von der Kommunalen Koordinierungsstelle des Kreises Euskirchen berichten. „Da will mancher Pathologe werden, nur weil er sich im Fernsehen regelmäßig CSI-Folgen ansieht.“ Sie sprach geradezu vom „CSI-Effekt“. Umso wichtiger seien hier eine Potenzialanalyse und die ab der 8. Klasse angebotene Berufsorientierung. „Die wichtigsten Berufsberater sind allerdings nach wie vor die Eltern“, so Marx.

„Reparaturbetrieb“

Josef Weingarten, Geschäftsführer vom Jobcenter Euskirchen, wo man sich unter anderem um die 400 jungen Arbeitslosen unter 25 Jahren im Kreis Euskirchen kümmert, sah das Jobcenter primär als „Reparaturbetrieb“. – „Wir arbeiten vor allem an den Schlüsselqualifikationen der Jugendlichen, um ihnen eine Ausbildung im zweiten Anlauf zu ermöglichen.“ Er machte deutlich: „Jeder junge Mensch, der seinen Weg doch noch findet, bedeutet für uns ein Erfolgserlebnis.“ Der hohe finanzielle Aufwand, den das Jobcenter betreibe, komme dem Steuerzahler aber langfristig gesehen weitaus günstiger zu stehen, als wenn man die Jugendlichen ohne Hilfe lasse.

Jürgen Tilk, der Leiter des Thomas-Eßer-Berufskollegs in Euskirchen, appellierte an alle Unternehmen im Kreis Euskirchen, „Jugendlichen eine Chance zu geben und mit ihnen Klartext auf fachlicher und persönlicher Ebene zu reden.“

Moderator Sebastian Tittelbach konstatierte nach den Gesprächsrunden, dass im Kreis Euskirchen offensichtlich keiner allein gelassen werde.

Hervorragend musikalisch begleitet wurde der Abend von der Familie Siegemund, die dem Publikum einige mitreißende Musikstücke präsentierte, bei denen vor allem die beiden jüngsten Familienmitglieder Maike und Fabio glänzten.

Die Landfrauen hatten darüber hinaus mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkasse Euskirchen so manche Eifeler Köstlichkeiten angerichtet, die bei den Gästen sehr gut ankamen.

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Eifeler Presse Agentur/epa

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