Baubeginn beim Bürgerwindpark Schleiden

Stadt Schleiden und Projektierungsgesellschaft „KEVER“ sorgen mit dem Projekt für weniger klimaschädlichen Kohlendoxidausstoß sowie mehr Gelder für Dorfverschönerung, Vereine und Kultur

Eckhard Klinkhammer (v.l.), Projektleiter bei der „KEVER“, Marcel Wolter, Erster Beigeordneter Stadt Schleiden, und Udo Meister, Bürgermeister Stadt Schleiden, sind gemeinsam mit dem Bürgerwindpark Patersweiher das Thema Energiewende so angegangen, dass die Bürger Schleidens profitieren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Eckhard Klinkhammer (v.l.), Projektleiter bei der „KEVER“, Marcel Wolter, Erster Beigeordneter Stadt Schleiden, und Udo Meister, Bürgermeister Stadt Schleiden, sind gemeinsam mit dem Bürgerwindpark Patersweiher das Thema Energiewende so angegangen, dass die Bürger Schleidens profitieren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Schleiden – „Die KEVER Projekt-Betriebs-Beteiligungsgesellschaft mbH beginnt in diesen Tagen mit der Errichtung von sechs Windkraftanlagen auf der Hochfläche nahe Patersweiher, die noch im Herbst diesen Jahres Strom erzeugen sollen“, teilt Udo Meister, Bürgermeister der Stadt Schleiden, mit. Vorausgegangen war der einstimmige Beschluss des Stadtrates vom 1. Juli 2010 auf Antrag der damaligen Bunten Koalition. Daraufhin wurde die Verwaltung beauftragt, durch die Änderung des Flächennutzungsplans eine „Windkraftkonzentrationszone“ in diesem Gebiet (sogenannte Vorrangfläche für Windkraft) auszuweisen und die Realisierung eines homogenen, ansehnlichen und effizienten Windpark zu gewährleisten, der vorrangig unter Beteiligung der Menschen aus der Region und in Form eines Bürgerwindparks mit Sitz in Schleiden realisiert wird.

Begründet hat der Stadtrat seine Entscheidung mit dem ausdrücklichen Ziel, den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß mit allen seinen prognostizierten nachteiligen Folgen für den Menschen und die Natur zu reduzieren. Meister: „Wir wollen in der Stadt Schleiden ausdrücklich mehr Energie erzeugen als verbrauchen, und das können wir umweltverträglich nur mit regenerativen Energien gewährleisten.“ Potential habe Schleiden dabei durch die günstigen Windverhältnisse in den Höhengebiete für Windenergie.

Die Komplexität des Projektes aufgrund der planungsrechtlichen Vorgaben und der mit rund 40 Beteiligten großen Anzahl von Grundstückseigentümern auf der Fläche des Bürgerwindparks stellten den Ersten Beigeordneten der Stadt Schleiden, Marcel Wolter, und den Dipl.-Geographen Andreas Glodowski vor große Herausforderungen. Mit der Zeit entwickelte sich ein wohl einmaliges Konzept für die Errichtung des Bürgerwindparks Schleiden, wonach die Stadt Schleiden sowohl die vollständige Vermarktung des Geländes übernommen hat, als auch später die Verteilung der Nutzungsentgelte für die Grundstücksflächen übernehmen wird. Hierfür erhalten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schleiden einen jährlichen Bürgeranteil in Höhe von 120.000 Euro, wovon 30.000 Euro die Dorfgemeinschaften der umliegenden Ortschaften Berescheid, Ettelscheid, Dreiborn, Herhahn, Morsbach und Scheuren gemessen an ihrer Einwohnergröße bekommen.

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Marcel Wolter: „Diese Gelder sind ausschließlich für Zwecke des Allgemeinwohls innerhalb der Ortschaften zu verwenden, etwa für die Verbesserung und Verschönerung des allgemeinen Dorfbildes, der Dorfgemeinschaftshäuser, der Dorfplätze und ähnlichen Projekten.“ 90.00 Euro werden jährlich für die Unterstützung von ehrenamtlichem Engagement (Ehrenamtsförderung), zur Förderung des Vereinssports (Sportförderung), zur Unterstützung und zur Förderung der Stadtbibliothek (Förderung der Allgemeinbildung) und zur Unterstützung und zur Förderung der Kultur (Musik, Theater etc.) sogenannte Kulturförderung, verausgabt.

Die Projektierungsgesellschaft „KEVER“ erhielt am 4. Februar 2012 den Entwicklungsauftrag für den Bürgerwindpark Schleiden. Es folgten knapp zwei Jahre Arbeit, bis im Dezember 2013 die letzte Genehmigung zum Bau der Windenergieanlagen einging. In der Zwischenzeit wurden unter anderem gutachterliche Prüfungen im Hinblick auf Schatten, Schall, Windertrag und Artenschutz ausgeführt.

Die vorbereitenden Arbeiten für den künftigen Bürgerwindpark Schleiden in Patersweiher haben bereits begonnen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die vorbereitenden Arbeiten für den künftigen Bürgerwindpark Schleiden in Patersweiher haben bereits begonnen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Besondere Rücksicht galt auch der Umwelt. Für notwendige Eingriffe in die Natur werden beispielsweise Ausgleichsflächen in den Höhengebieten geschaffen. Außerdem werden besondere Brachflächen unter Berücksichtigung neuster ökologischer Erkenntnisse mit Rückzugsgebieten, etwa von Bodenbrütern, angelegt. Die Einwohner der umliegenden Ortschaften wurden bereits in der Planungsphase über das Vorhaben informiert. So gab es mehrere Bürgerinformationsveranstaltungen, nach denen Anmerkungen und Vorschläge der Bürger im Projekt Beachtung fanden. Markus Mertgens, Geschäftsführer der „KEVER“: „Wir alle müssen die Akzeptanz für Erneuerbare Energien finden, um die regenerative Energieerzeugung umzusetzen. Dabei sind vor allem die Belange der Bürger und der Natur zu berücksichtigen. Denn die Natur ist neben den Erneuerbaren Energien die wohl wichtigste Ressource in der Eifel.“

Sechs Anlagen vom Typ Enercon E-101 sollen zukünftig in Patersweiher zum Einsatz kommen. Alexander Böhmer, Prokurist der „KEVER“: „Mit einer Leistung von dreitausend Kilowatt pro Windrad kann der Bürgerwindpark insgesamt 18 Megawatt leisten. Rein rechnerisch können dadurch mehr als 11.000 Haushalte versorgt und gegenüber herkömmlicher Kohleverstromung pro Jahr mehr als 28.000 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids eingespart werden.“ Die Nabenhöhe der Anlagen betrage 149 Meter, Abstände etwa zu Wohngebieten, der Kreisstraße oder dem Nationalpark Eifel wurden entsprechend der vorgegebenen Planungsprämissen eingehalten und teilweise deutlich übertroffen.

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Bis Oktober dieses Jahres sollen die hochmodernen Windenergieanlagen entstehen. Die erste soll bereits im Juli in Betrieb gehen, wie Projektleiter und Ingenieur Eckhard Klinkhammer von der KEVER sagt. Dabei handele es sich nicht um Prototypen, sondern um ausgereifte und bewährte Technik. Klinkhammer: „Die Rotorblätter etwa sind beheizbar, um Eiswurf zu minimieren, und durch die besondere Bauart wird der Schall der Rotorblätter reduziert.“

Markus Mertgens: „Modernste Windenergieanlagen bieten spezifisch gute Stromernten bei geringem Flächenbedarf. Die KEVER bietet den Menschen in der Eifel bei den Projekten echten »Fairwert«, denn Grundvoraussetzung ist für uns die regionale Wertschöpfung. Deshalb setzen hauptsächlich Unternehmen der Region die Arbeiten um, von der Vermessung und Bauplanung über die eigentlichen Bauarbeiten bis zur Überwachung der Anlagen.“

So sichere der Bürgerwindpark Arbeitsplätze und sorge außerdem für Steuereinnahmen. Finanziert werde das Projekt selbstverständlich über regionale Banken. Weiterhin werde es Modelle geben, bei denen sich die Bürger und Unternehmen an den Ergebnissen beteiligen können.

Mit den Solarparks Kalenberg, AWZ Strempt und Herhahn sind „KEVER“ und „ene“ dem erklärten Ziel, das Versorgungsgebiet bis 2030 zu 100 Prozent mit regenerativer Energie versorgen zu wollen, wieder ein Stück näher gekommen. Doch nicht nur der Aufbau von Photovoltaikanlagen steht im Vordergrund, wie Mertgens sagt: „Mit dem Bürgerwindpark haben wir einen weiteren Meilenstein gesetzt und werden die Entwicklung zu einer klimaschonenden und dezentralen Energieerzeugung in der Eifel weiter vorantreiben.“

Klimaschonendes Verhalten ist auch erklärtes Ziel von Bürgermeister Udo Meister und dem Ersten Beigeordneten Marcel Wolter, die ihre Kommune zur „Klimakommune“ machen wollen. Meister: „Das sind wir unseren Bürgern und vor allem den nachfolgenden Generationen schuldig.“

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Eifeler Presse Agentur/epa

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