Ein Dorf-Auto im Grenzbereich

Am Südzipfel Bad Münstereifels soll ein von der „ene“ zur Verfügung gestelltes E-Mobil als Gemeinschaftsauto für die sieben Dörfer am Thürne dienen

Elektromobilität für die Dorfgemeinschaft Thürne wollen Landrat Günter Rosenke (vorn) und Hans Harden, Vorsitzender der Dörfergemeinschaft, mit dem LEADER-Projekt „E-ifel mobil“ bieten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Elektromobilität für die Dorfgemeinschaft Thürne wollen Landrat Günter Rosenke (vorn) und Hans Harden, Vorsitzender der Dörfergemeinschaft, mit dem LEADER-Projekt „E-ifel mobil“ bieten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Bad Münstereifel-Houverath – Mit dem „thürneMobil“ startete am vergangenen Sonntag offiziell das dritte LEADER-Projekt „E-ifel mobil“. In dem Projekt wird der Dorfgemeinschaft Thürne ein Elektro-Mobil zur Verfügung gestellt und somit eine eher im städtischen Raum bekannte Variante des „Gemeinschaftsautos“, zu Neudeutsch „Car-Sharing“, geboten. Bei der Schlüsselübergabe in Bad Münstereifel-Houverath sagte Landrat Günter Rosenke: „»Car-Sharing« ist auch im ländlichen Raum möglich, das ist nur eine Frage des Engagements und der Organisation.“

Das habe der 2013 gestartete, erfolgreiche Modell-Versuch in Blankenheim-Freilingen mit dem „Dorf-Auto“ gezeigt. Wie in Freiligen hat der Energieversorger vor Ort, die „Energie Nordeifel“ („ene“), auch in Thürne mit einem bis zu 130 Kilometer in der Stunde schnellen E-Mobil für den ökologisch korrekten fahrbaren Untersatz als Dorf-Auto gesorgt. Bürger der sieben Dörfer, die um den knapp 500 Meter hohen Eifeler Berg Thürne liegen, können das Fahrzeug für ein halbes Jahr nutzen.

Setzen sich für neue Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum ein: Günter Rosenke, Landrat Kreis Euskirchen, Hans Harden, Vorsitzender der Dörfergemeinschaft am Thürne, Markus Böhm, stellvertretender Geschäftsführer Energie Nordeifel, Hajo Dederichs, Amtsleiter Stadt Bad Münstereifel, und Alexander Sobotta von der LAG Eifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Setzen sich für neue Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum ein: Günter Rosenke, Landrat Kreis Euskirchen, Hans Harden, Vorsitzender der Dörfergemeinschaft am Thürne, Markus Böhm, stellvertretender Geschäftsführer Energie Nordeifel, Hajo Dederichs, Amtsleiter Stadt Bad Münstereifel, und Alexander Sobotta von der LAG Eifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Und zwar entweder als Selbstfahrer oder sogar mit Chauffeurservice, wie Antje Gräfin von Plettenberg, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Dörfergemeinschaft am Thürne, berichtet: „Wir haben sechs ehrenamtliche Fahrer. Gerade für Senioren ist das ein guter Service. Aber auch Jugendliche, die in Vereinen in Rheinbach trainieren, nutzen das Angebot gerne.“

Denn das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), so erinnerte Landrat Rosenke, ist in der Eifel nicht immer so, wie es die Bürger gerne hätten. Hans-Josef Dederichs, Amtsleiter bei der Stadt Bad Münstereifel: „Wir sind hier im Süd-Ost-Zipfel unseres Stadtgebietes, direkt an den Grenzen zum Rhein-Sieg-Kreis und an der Grenze zu Rheinland-Pfalz, und in Grenzgebieten hapert es mit dem ÖPNV immer besonders.“ Ein Zweit- oder gar Drittwagen in einer Familie sei oft die Folge. Das Gemeinschafts-Dorf-Auto kann da auf ebenso umweltfreundliche wie wirtschaftliche Weise für Abhilfe sorgen.

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Beim Modellversuch in Freilingen war das E-Mobil der „ene“ 8000 Kilometer unterwegs, am Thürne könnte diese Zahl aufgrund der besonderen „Grenzlage“ der Dörfergemeinschaft noch übertroffen werden. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Beim Modellversuch in Freilingen war das E-Mobil der „ene“ 8000 Kilometer unterwegs, am Thürne könnte diese Zahl aufgrund der besonderen „Grenzlage“ der Dörfergemeinschaft noch übertroffen werden. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Erfolg des LEADER-Projektes sei bis Berlin gedrungen, wie Günter Rosenke berichtete: „Auf der Grünen Woche war der Staatssekretär des Bundesministeriums für Landwirtschaft voller Bewunderung.“ Alexander Sobotta von der LAG Eifel will jetzt das Dorf-Auto-Projekt Freilingen auswerten, damit Konzepte für alternative Mobilität im ländlichen Raum gefunden werden können. In Freilingen war das E-Mobil 8000 Kilometer unterwegs gewesen.

Dieser Wert könnte am Thürne noch übertroffen werden, wie Hans Harden, Vorsitzender der Dörfergemeinschaft am Thürne, vermutet. Denn bei dem vorangegangenen LEADER-Workshop für die Dorfgemeinschaft sei Mobilität das vordringlichste Hauptthema gewesen.

Da die Buslinien an den Kreisgrenzen enden, hofft Harden, dass „diese alten Zöpfe mit dem Dorf-Auto jetzt abgeschnitten werden.“ Kerstin Zimmermann, Teamleiterin bei der „ene“, lud die Bürger der Dorfgemeinschaft ein, mithilfe des Projekts E-Mobil näher zusammenzurücken und die Energiewende einmal durch die Scheiben eines fast lautlosen Elektrofahrzeugs zu sehen.

Kerstin Zimmermann von der Energie Nordeifel hofft, dass durch das Gemeinschaftsauto auch der Zusammenhalt in den  Dörfern gestärkt wird. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Kerstin Zimmermann von der Energie Nordeifel hofft, dass durch das Gemeinschaftsauto auch der Zusammenhalt in den Dörfern gestärkt wird. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

In der Praxis funktioniert das Projekt so: Über ein Internet-Buchungsportal können Interessenten sich entweder für eine Eigenfahrt mit dem Dorf-Auto anmelden oder eine Fahrt mit Fahrer buchen. Weil aber nicht jeder firm im Internet ist, kann man auch telefonisch Fahrten bestellen. Dabei sind die Organisatoren gleich auf weitere Hürden gestoßen, wie Ulla Corzelius, in deren Garage das E-Mobil auch stehen wird, sagte: „Gerade unter älteren Menschen gibt es einige, die nicht gerne auf den Anrufbeantworter sprechen, deshalb ist persönliche Präsenz wichtig.“

Neben dem Individualverkehr mit dem Dorf-Auto dient das E-Mobil auch als „Dorfhüpfer“ – dienstags-, donnerstags- und sonntags am Vormittag wird das Dorf-Auto von Dorf zu Dorf gefahren, wobei Fahrgäste nach vorheriger Anmeldung zu- und aussteigen können. Der „Dorfhüpfer“ kostet einen Euro, für die anderen Fahrten werden 1,50 Euro pro Stunde fällig. Buchungsanfragen werden mindestens 24 Stunden vorher als Mail an mobil@thuerne.de oder telefonisch unter 0 22 57/95 22 99 erbeten.

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Mit dem Dorf-Auto erhofft sich Landrat Rosenke auch eine Belebung der ortsansässigen Geschäfte, die durch das Gemeinschafts-Auto gerade für diejenigen wieder erreichbar werden, die aufgrund ihres Alters das Auto selbst lieber stehen lassen.

Zur Dorfgemeinschaft Thürne gehören die Bad Münstereifeler Ortschaften Eichen, Houverath, Lanzerath, Limbach, Maulbach, Scheuren und Wald. Kreis Euskirchen, Energie Nordeifel und die LEADER-Region Eifel wollen mit dem Projekt gemeinsam die Bevölkerung für Themen des Mobilitätswandels  sensibilisieren und Anstöße geben, damit sich auch und gerade in der ländlichen Region innovative Mobilitätsangebote entwickeln können.

Mehr Informationen im Internet unter www.thuerne.de

Eifeler Presse Agentur/epa

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