Ein Leben für die neue Kirchenmusik

Ludger Edelkötter (73) erhielt jetzt für sein jahrzehntelanges musikalisches Schaffen sowie seinen künstlerischen Einsatz für Frieden und ökumenische Gemeinschaft das Bundesverdienstkreuz

Im Beisein von Drensteinfurts Bürgermeister Paul Berlage (von links) erhielt Ludger Edelkötter unter den Augen von Musiker Willi Tjon Ajong das Bundesverdienstkreuz vom Kreis Warendorfer Landrat Dr. Olaf Gericke. Foto: Kreis Warendorf
Im Beisein von Drensteinfurts Bürgermeister Paul Berlage (von links) erhielt Ludger Edelkötter unter den Augen von Musiker Willi Tjon Ajong das Bundesverdienstkreuz vom Kreis Warendorfer Landrat Dr. Olaf Gericke. Foto: Kreis Warendorf

Drensteinfurt – Ob katholisch oder evangelisch – es gibt wohl kaum einen Christen im deutschsprachigen Raum, der nicht schon Lieder von Ludger Edelkötter (73) gesungen hätte. „Herr, gib uns Deinen Frieden“, „Kleines Senfkorn Hoffnung“ oder „Jetzt ist die Zeit“ sind Lieder aus der Feder Edelkötters, den man wohl als „Urgestein“ des „Neuen Geistlichen Liedes“ bezeichnen könnte. Auch in der Eifel ist Edelkötter immer wieder gern gesehener Gast. So umrahmte er etwa musikalisch den Gottesdienst zum 50. Schulgründungstag des Clara-Fey-Gymnasiums.  Vergangenen Donnerstag ist dem Komponisten, (Kirchen-) Musiker und Orchesterleiter eine besondere Ehre zuteil geworden: Edelkötter erhielt das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, im Volksmund „Bundesverdienstkreuz“ genannt.

Dr. Olaf Gericke, Landrat des Kreises Warendorf, im dem Edelkötter aufgewachsen ist, sagte über den freischaffenden Musiker in seiner Laudatio: „Sie gehören zu den entscheidenden »Gründervätern« und Wegbereitern des Neuen Geistlichen Liedes, das sich über die Kirche hinaus längst als Kulturgut etabliert hat.“ In den 1970er und 1980er Jahren habe Edelkötter als Erster die Stilelemente der Popmusik in zeitgemäße religiöse Musik integriert und diese neue Form – trotz nicht unerheblicher Widerstände gegen diese musikalische Entwicklung – in Kirchen und Schulen eingeführt.

Damals habe er durchaus gerne mit seinen Liedern und Musicals provoziert, wie Edelkötter im Interview verrät: „Das war die Zeit, als man die Lieder mit der Gitarre auf der Straße spielte und gegen die Pershing-Raketen auf Demos ging.“

Gericke: „Inzwischen sind viele Ihrer Werke längst kanonisiert und finden bereits seit Mitte der 1980er Jahre Eingang in den offiziellen katholischen und evangelischen Gesang- und Liederbücher der deutschsprachigen Länder Europas.“ Mit seiner Musik setze er sich für Frieden, Solidarität und ökumenische Gemeinschaft ein. Seine Lieder voll spiritueller Tiefe und friedenspolitischer Akzente gehörten zum Repertoire von Katholiken- und Kirchentagen.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch im deutschsprachigen Ausland ist Edelkötter bekannt und war beauftragt worden, bei einem großen Jugendtreffen in Wien die Begegnung von mehreren tausend Jugendlichen mit Papst Johannes Paul II. musikalisch zu gestalten. Hilfswerke wie MISEREOR und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ unterstützte Ludger Edelkötter durch spezielle Kompositionen und Aufführungen.

Bekannte Lieder wie „Herr, gib uns Deinen Frieden“ stammen aus der Feder von Ludger Edelkötter. Foto: Kreis Warendorf
Bekannte Lieder wie „Herr, gib uns Deinen Frieden“ stammen aus der Feder von Ludger Edelkötter. Foto: Kreis Warendorf

Seit den 1980er Jahren bis heute sorgt der gebürtige Drensteinfurter mit christlichen Musicals für Begeisterung. Dabei komponiert Edelkötter nicht nur, sondern steht auch selbst bei den Aufführungen auf der Bühne. Überhaupt sucht der Musiker immer wieder die Nähe zur Basis und hat einen Schwerpunkt seines Schaffens auf Projekte in Schulen und Kindergärten gelegt.

Über 100 Tonträger hat der Kirchenmusiker veröffentlich und mit Musicals wie „Die kleine Raupe Nimmersatt“ und „Der kleine Käfer Immerfrech“ künstlerische Meilensteine gesetzt. Nach fünf Jahren in Puhlheim lebt Edelkötter mittlerweile in Darmstadt, reist aber immer noch durch die Republik, um mit seinen Liedern Impulse für ein friedliches Miteinander zu setzen.

Landrat Gericke: „Bei allem handelt es sich um einen Künstler, der auf unverwechselbare Weise bedeutende Impulse für ein von christlich-humanistischen Werten getragenes Engagement in der Gesellschaft gesetzt hat. Ihr Engagement über alle Jahrzehnte hinweg ist gekennzeichnet von eindrucksvoller Selbstlosigkeit, denn stets haben Sie sich uneigennützig in den Dienst der Sache gestellt – ohne Rücksicht auf wirtschaftlichen Erfolg oder künstlerischen Ruhm.“

Und „die Sache“ ist gelebte Religion im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, wie Edelkötter selbst sagt: „Es ist wichtig, dass der aufbrechende und lebendig machende Geist des letzten Konzils nicht auf der Strecke bleibt, sondern dass er immer wieder neu Gestalt findet. Ich versuche dies mit meinen Liedern.“ Oberstes Gebot dabei: Die Nächstenliebe.

Über die „Sache“ habe er sogar manchmal vergessen, seinen Namen unter die Lieder zu schreiben, weshalb manche seiner Lieder gar nicht mit ihm in Verbindung gebracht würden. Wichtiger sei aber, was er bewirken könne. Edelkötter: „Wenn es einem gelingt, etwas Friedliches zu erwecken, dann bringt man auch etwas Frieden in die Welt.“

Eifeler Presse Agentur/epa

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