Hilfsgruppe Eifel half kleinem Iraker

Von Reiner Züll Der zweieinhalbjährige Sivar war im Oktober 2011 mit schwersten Missbildungen im Gesicht und Löchern im Inneren des Mundraumes zur Welt gekommen – Karwan Mohammed aus Euskirchen vermittelte die Hilfe

Der knapp dreijährige Sivar aus dem Nordirak wurde zum zweiten Mal auf Kosten der Hilfsgruppe Eifel in der Kölner Uni-Klinik operiert. Er bekam eine neue Nase. Unser Bild zeigt den Dreijährigen mit seiner Mutter Hamin und seinem Vater Omar (rechts). Im Hintergrund Karwan Mohammed aus Euskirchen, der die Hilfsaktion ankurbelte. Bild: Reiner Züll
Der knapp dreijährige Sivar aus dem Nordirak wurde zum zweiten Mal auf Kosten der Hilfsgruppe Eifel in der Kölner Uni-Klinik operiert. Er bekam eine neue Nase. Unser Bild zeigt den Dreijährigen mit seiner Mutter Hamin und seinem Vater Omar (rechts). Im Hintergrund Karwan Mohammed aus Euskirchen, der die Hilfsaktion ankurbelte. Bild: Reiner Züll

Euskirchen – Wie nah Freud und Leid auch bei der Hilfsgruppe Eifel zusammen liegen, wurde in jetzt Vollem deutlich, als die irakische Familie Farhan mit ihrem zweieinhalbjährigen Sohn Sivar am Donnerstagabend bei der Monatsversammlung des Kaller Förderkreises in Vollem erschien, um sich bei der Hilfsgruppe für die Rettung ihres Kindes zu bedanken. Hatte Vorsitzender Willi Greuel den Gruppenmitgliedern noch eingangs der Versammlung berichten müssen, dass der kleine Jerome aus Euskirchen einen Rückfall erlitten hat, so gab der Gesundheitszustand des kleinen irakischen Jungen Anlass zur Freude. Die Mitglieder der Hilfsgruppe erlebten einen aufgeweckten, fröhlichen kleinen Jungen, der als Einjähriger im Irak dem Tode nahe war.

Sivar war im Oktober 2011 mit schwersten Missbildungen im Gesicht und Löchern im Inneren des Mundraumes zur Welt gekommen. Das Kind hatte keine großen Überlebenschancen. Doch der kleine Junge und dessen Familie hatten das Glück, in Euskirchen einen Landsmann und guten Menschen zu finden, der sich dem Schicksal des Kindes annahm. Es ist der irakische Friseur Karwan Mohammed, der seit Jahren in der Oststraße in Euskirchen ein Haarstudio betreibt.

Als der vom Schicksal der im Nordirak wohnenden Familie Farhan erfuhr, bat er die Hilfsgruppe um Hilfe. Die hatte vor zwei Jahren seinem Bruder, der an einem schlimmen Hirntumor litt, geholfen, Da eine dringend erforderliche Operation im Irak nicht möglich war, hatte die Hilfsgruppe mit einer Finanzierungsabsicherungen dafür gesorgt, dass der Jugendliche ein Visum für einen Aufenthalt in Deutschland bekam, und er in einer Düsseldorfer Klinik erfolgreich operiert werden konnte. Inzwischen hat Karwans Bruder ein längerfristiges Visum bekommen, so dass er im Salon seines Bruders in Euskirchen eine Friseurlehre absolvieren kann.

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Als Karwan Mohammed dann im Sommer vorletzten Jahres der Hilfsgruppe Fotos von dem entstellten und todkranken Sivar Farhan zeigte, sagte die sofort wieder ihre Hilfe zu. Schon im Herbst konnte Sivar mit seinen Eltern nach Deutschland ausreisen, so dass eine erste Operation in der Kölner Uni-Klinik erfolgen konnte. Dort bekam der Einjährige nicht nur ein richtiges Gesicht, auch der fehlende Gaumen, der gespaltene Kiefer und die Atemwege wurden erfolgreich operiert. Auch das linke Auge konnten die Ärzte in Köln retten.

Seit ein paar Wochen sind Sivar, sein Vater Omar und seine Mutter Hamin wieder in Deutschland, wo die Ärzte der Kölner Uniklinik dem jetzt zweieinhalbjährigen Junge in einer zweiten Operation die fehlende Nase durch eine Transplantation von Knochen ersetzt haben.

„Ich habe jetzt eine deutsche Nase“ freute sich der Kleine beim Besuch in Vollem. In der Zeit, wo die Familie während der Therapierung von Sivar sich in Deutschland aufhält, wohnt sie bei Karwan Mohammed in Euskirchen. Weil weder der Vater noch die Mutter des Jungen Deutsch oder Englisch sprechen und auch nicht lesen können, hilft der Friseur seinen irakischen Landsleuten wo immer es geht. In Vollem übergab er der Hilfsgruppe 1000 Dollar, die seine irakischen Landsleute gesammelt hatten, um die Finanzierung von Sivars Operationen zu unterstützen.

Wie Mohammed beim Stammtisch der Hilfsgruppe berichtete, steht nun bei Sivar als nächstes die Rekonstruktion des entstellten rechten Auges an, auf dem der Junge blind ist und das wohl nicht mehr zu retten ist.  „Er hat an diesem Auge oft große Schmerzen“, berichtete Mohammed. Dennoch, so konnten die Hilfsgruppen-Mitglieder am Donnerstag erleben, ist Sivar voller Lebensfreude und kann auch schon „Tschüss“ auf Deutsch sagen.

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Karwan Mohammed schließt nicht aus, dass auch Sivars Missbildungen eine Spätfolge des Irakkrieges vor mehr als zehn Jahren ist. Seit dieser Zeit seien im Irak rund 20.000 Kinder mit ähnlichen Missbildungen zur Welt gekommen. „Allein in meiner Familie sind seit dieser Zeit fünf Kinder gestorben“, zog Mohammed in Vollem eine traurige Bilanz.

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