Winzer sorgen für Verwirrung in den Weinbergen

Als erste Weinregion in Deutschland verzichtet das Ahrtal flächendeckend auf den Einsatz von Insektiziden – 200.000 Dispenser werden zeitgleich von gut 500 Winzern in den Weinbergen ausgebracht

Damit der Traubenwickler die Ernte nicht gefährdet, hängen die Ahrtal-Winzer in einer konzertierten Aktion 200 000 Dispenser auf. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Damit der Traubenwickler die Ernte nicht gefährdet, hängen die Ahrtal-Winzer in einer konzertierten Aktion 200 000 Dispenser auf. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel/Ahrtal – Die Ahrtal-Winzer wollen am 19. April einen großen Schritt in Richtung nachhaltiger Weinbau unternehmen: Rund 500 Winzer, so heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins Ahrtal-Tourismus, sollen an diesem Tag in ihren Weinbergen unterwegs sein und bis zu 200.000 Dispenser des sogenannten „Pheromonverwirrverfahrens RAK“ aufhängen. „Das Prinzip ist einfach: Eine für Menschen nicht wahrnehmbare Duftwolke aus Pheromonen, den Sexuallockstoffen weiblicher Traubenwickler, strömt aus den Dispensern und verwirrt die männlichen Tiere, so dass sich Männchen und Weibchen nicht mehr zur Paarung finden“, heißt es in der Pressemitteilung. Das umweltfreundliche Verfahren senke die Population der Traubenwickler auf natürlichem Weg und völlig ohne den Einsatz von Insektiziden.

Für eine gleichmäßige Pheromonwolke über allen Rebflächen im Ahrtal sei ein Zusammenschluss der Winzer an einem Tag Voraussetzung. Sobald mit dem Eintreffen der Traubenwicklermotten gerechnet werde (meist zwischen Mitte und Ende April), würden die Pheromonampullen in die Reben gehängt. Die Ampullen verdampften den Lockstoff kontinuierlich über das Jahr bis in den September.

„Die Kosten für diese umweltfreundliche Maßnahme in Höhe von rund 150.000 bis 200.000 Euro tragen allein die Ahrtal-Winzer. Der Traubenwickler ist einer der gefährlichsten Schädlinge im Weinbau, da er je nach Generation Blüten und Beeren schädigt. Diese Beeren erleiden zudem starke Pilzbefälle, was im weiteren Reifeverlauf eine erneute Schädigung durch Obstfliegen begünstigt“, so heißt es weiter. Für die Winzer entstünden so Jahr für Jahr immense Ernteeinbußen. (epa)

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