Dr. Aram Prokop: „Hilfsbereitschaft ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“

Chef der Kölner Kinderonkologie berichtete über seine Arbeit mit krebskranken Kindern und Jugendlichen und unterstrich die Wichtigkeit von Spendengeldern für alternative Forschung und Therapieformen

Dr. Aram Prokop (Mitte) kam nach Kall, um dem Förderverein Blankenheimerdorf und den Sponsoren Energie Nordeifel und Kiwanis-Club Nordeifel für ihre Unterstützung zu danken. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Dr. Aram Prokop (Mitte) kam nach Kall, um dem Förderverein Blankenheimerdorf und den Sponsoren Energie Nordeifel und Kiwanis-Club Nordeifel für ihre Unterstützung zu danken. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall – Während viele Menschen am Donnerstagabend im Fernsehen die farbenfrohe WM-Eröffnungsfeier in São Paulo sahen, ging es in der Dachkammer der Energie Nordeifel („ene“) weitaus ruhiger und ernster zu. Auf Einladung des Fördervereins für tumor- und leukämiekranke Kinder Blankenheimerdorf berichtete dort Dr. Aram Prokop, Leitender Oberarzt der Kinderonkologie im Kölner Kinderkrankenhaus, über seine Arbeit.

Prokops Anliegen war es dabei, sich zum einen beim Förderverein und den Sponsoren für ihr Engagement zu bedanken, zum anderen aber auch, deutlich zu machen, dass schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen ohne Drittmittel ein großer Teil an Therapiemöglichkeiten nicht zur Verfügung steht.

Prokop ist seit fünfeinhalb Jahren in Köln tätig und war vorher elf Jahre an der Charité in Berlin. Sein Forscherkollegium hat er gleich mit in die Domstadt gebracht. Gemeinsam kämpft man in der Amsterdamer Straße seither gegen bösartige Erkrankungen, Leukämie und lebensgefährdende Tumore. „In Deutschland erkranken 2000 Kinder im Jahr an Krebs“, so Dr. Prokop. Allein in Köln verzeichne man im Jahr 40 bis 50 Neuaufnahmen.

Der Chefarzt für Onkologie an der Kinderklinik in Köln, Dr. Aram Prokop, referierte in der Dachkammer der Energie Nordeifel über seine Arbeit. Bild: Michael Thalken /Eifeler Presse Agentur/epa
Der Chefarzt für Onkologie an der Kinderklinik in Köln, Dr. Aram Prokop, referierte in der Dachkammer der Energie Nordeifel über seine Arbeit. Bild: Michael Thalken /Eifeler Presse Agentur/epa

Die Arbeit in einem Kinderkrankenhaus sei grundsätzlich von besonderen Problemen und Spannungsfeldern geprägt, so Prokop. „Kinder können sich nicht ausdrücken wie Erwachsene. Man muss mit ihnen ganz anderes sprechen und umgehen. Gleichzeitig hat man es mit Eltern zu tun, die sich extrem sorgen und lieber selber krank wären, als anzusehen, wie ihre Kinder leiden.“

Das Hauptproblem sei jedoch, dass die Krankenkassen quasi nur die medizinische Standard-Therapie bezahlten. „Eine erfolgreiche Therapie setzt aber mehr voraus als nur die medizinische Versorgung“, so der Onkologe. So würden im Kölner Kinderkrankenhaus beispielsweise auch Psychologen, Sozialarbeiter, Kunst- und Musiktherapeuten, Lehrer und Seelsorger beschäftigt. „Ohne Drittmittel wäre all dies nicht möglich“, betonte Prokop. Er sei den vielen Menschen, die die Arbeit am Kinderkrankenhaus unterstützten, daher sehr dankbar.

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„In anderen Ländern mit verhältnismäßig ähnlichen wirtschaftlichen Standards wie in Deutschland gibt es eine solche, über Spenden finanzierte therapeutische Option nicht.“

Oft werde auch übersehen, dass die Kinder viele Jahre im Krankenhaus bleiben müssten. Sie würden aus ihrem sozialen Umfeld, aus der Schule oder dem Kindergarten gerissen und könnten am normalen Alltag nicht mehr teilnehmen. Deshalb sei es wichtig, ihnen beispielsweise auch im Krankenhaus Schulunterricht zu erteilen.

„Dreiviertel unserer Patienten werden eines Tages wieder als geheilt entlassen“, so Prokop. Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Leukämie liege mittlerweile bei 80 Prozent. Das sei ein besserer Wert als in den USA. In der Forschung habe sich in den vergangenen 40 Jahren enorm viel getan.

Geforscht wird auch am Kinderkrankenhaus. Gemeinsam mit seinen Kollegen testet Prokop Medikamente an isolierten Tumorzellen. „Wir gehen dabei davon aus, dass jede Erkrankung einzigartig ist und daher auch eines besonderen Medikaments zur Heilung bedarf“, so Prokop. In den Tumorzellen müsse man daher ein Selbstzerstörungsprogramm in Gang setzen, das eben gerade für diese Zellen erarbeitet wurde.

Sein Forscherkreis „Experimentelle Onkologie“ hat diesbezüglich bereits beeindruckende Erfolge erzielt. Hoffnungslose Fälle überlebten. Vitale Tumorzellen verschwanden plötzlich wieder. Prokop zur Seite stehen dabei nicht nur andere Ärzte, sondern auch Biologen, Biotechnologen, Biochemiker und Chemiker. Die Forschungsgruppe ist dabei jedoch finanziell ganz auf sich selbst gestellt. „Die Forschung und die dazu nötigen Geräte finanzieren wir einzig und allein über Drittmittel“, so Prokop.

Der Blankenheimer Förderverein stellte so beispielsweise 13.000 Euro für einen Durchflusszytometer zur Verfügung. Nochmals dieselbe Summe gab die Stadt Köln hinzu. „Mit diesem Durchflusszytometer können die Ärzte den Zelltod von einzelnen Leukämie- oder Krebszellen messen. So können sie schon im Voraus untersuchen, auf welche Medikamente die Leukämie oder der bösartige Tumor eines Menschen am besten anspricht“, berichtete Prokop.

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Solche individuellen Heilversuche zahle allerdings keine Krankenkasse. Man sei daher froh, einen Förderverein an seiner Seite zu wissen. Darüber hinaus lobte Dr. Prokop auch die Unterstützung durch die Mitarbeiter der Energie Nordeifel und durch den Kiwanis-Club Nordeifel, dessen stellvertretender Vorsitzender Johannes Mertens ebenfalls zum Vortrag erschienen war. „Es sind ja nicht die Unternehmen oder Vereine selbst, die uns unterstützen, sondern die Menschen, die dahinter stehen. Ihnen gilt daher mein besonderer Dank“, so Prokop.

Neben der Forschung kümmert man sich in Köln auch sehr stark um die Palliativmedizin. „Zeit ist wertvoll, das gilt für uns alle“, sagte Prokop. Umso wichtiger sei es daher, dass man sein Leben ausfülle und seine Zeit optimal nutze. Menschen, denen medizinisch nicht mehr zu helfen sei, müsse man daher die größtmögliche Lebensqualität verschaffen. Auch hier geht das Team um den Kölner Onkologen ungewöhnliche Wege. So berichtete er von einem schwererkrankten 18-Jährigen, der die Station nicht mehr verlassen konnte, da er – um nicht zu ersticken – permanent an der Absauganlage angeschlossen sein musste. Als dieser nun heiraten wollte, konstruierte man kurzerhand eine mobile Absauganlage, mit der er sich einigermaßen frei bewegen konnte. Prokop: „Der Mann war mit dieser in einem Rucksack eingebauten Vorrichtung noch im Phantasialand, auf dem Standesamt und in der Kirche und hat noch monatelang eine gute Zeit gehabt.“

Elisabeth und Franz Willems vom Förderverein Blankenheimerdorf sicherten der Kinderklinik auch weiterhin ihre finanzielle Unterstützung zu. Auch Kerstin Zimmermann, Pressesprecherin der „ene“, und Personalleiter Erhard Poth signalisierten ebenso wie Johannes Mertens vom Kiwanis-Club ihre Bereitschaft, dem Team rund um Dr. Aram Prokop auch in Zukunft nach Kräften unter die Arme greifen zu wollen.

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