Nationalpark Eifel: Akzeptanz steigt mit Entfernung

Befragt wurden Personen aus den Orten Dreiborn, Einruhr, Hergarten und Rurberg sowie aus den vom Nationalpark nahezu umschlossenen Ortschaften Wolfgarten und Erkensruhr

Diplom-Geograph Markus Hillebrand untersuchte in sechs Nationalpark-Orten die Akzeptanz der Bevölkerung und stellte die Ergebnisse in einer Pressekonferenz vor. Bild: Annette Simantke/ Nationalparkverwaltung
Diplom-Geograph Markus Hillebrand untersuchte in sechs Nationalpark-Orten die Akzeptanz der Bevölkerung und stellte die Ergebnisse in einer Pressekonferenz vor. Bild: Annette Simantke/ Nationalparkverwaltung

Schleiden-Dreiborn – Ergebnisse der jüngsten Untersuchung zur Akzeptanz des Nationalpark Eifel in der Bevölkerung sollen zeigen, dass sich die Akzeptanz gegenüber dem Schutzgebiet im Vergleich zu 2006 leicht erhöht hat. „64,95 Prozent der Bevölkerung in den Untersuchungsorten spricht sich bei der Sonntagsfrage, einer fiktiven Abstimmung über den Fortbestand des Nationalparks Eifel, für einen Fortbestand des Nationalparks aus“, heißt es in einer Pressemitteilung des Nationalparkforstamts Eifel.

Im Frühherbst 2013 führte der Geographie-Diplomand Markus Hillebrand von der Universität Bonn eine Wiederholungsstudie zu diesem Thema im Rahmen einer Diplomarbeit durch. Es wurden insgesamt 536 Personen in sechs Nationalpark-Orten befragt.

Dabei stand die Leitfrage im Mittelpunkt: Welche Einstellung hat die lokale Bevölkerung zum Nationalpark Eifel und wie hat sich diese seit der ersten Erhebung vor sieben Jahren verändert?
Befragt wurden Personen aus den Orten Dreiborn, Einruhr, Hergarten und Rurberg sowie aus den vom Nationalpark nahezu umschlossenen Ortschaften Wolfgarten und Erkensruhr. Somit soll eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zur Studie aus 2006 möglich sein und es sollen Entwicklungen erkennbar werden.

„Die Ergebnisse und Werte der Akzeptanz sind verglichen mit anderen Nationalparken in Deutschland hoch“, lautete ein Resümee, das Hillebrand jetzt in Schleiden-Dreiborn bei der Präsentation seiner Ergebnisse zog.

Gleichwohl habe sich eine gewisse „Akzeptanzschere“ gebildet. In Orten, die zuvor eine hohe Akzeptanz aufwiesen, sei diese noch weiter gestiegen und in Orten mit geringer Akzeptanz weiter gesunken. Daher, so die Handlungsempfehlung, müsse sich besonders um letztere intensiv bemüht werden.

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Um die Belange der Bevölkerung ausreichend zu berücksichtigen und mit einzubeziehen, sei es wichtig, dass die Bürgervertreter wichtige Informationen aus den Nationalpark-Gremien an die Anwohner weitertragen. Insgesamt spreche sich eine Mehrheit der Bevölkerung für den Nationalpark aus. Anwohner, die sich von der Nationalparkverwaltung informiert und einbezogen fühlen, positionierten sich auch deutlich für das Großschutzgebiet.

„Auch im Nationalpark Eifel zeigt sich, dass die Akzeptanz mit zunehmender Entfernung der Orte vom Nationalpark steigt“, ergänzt Betreuer Professor Karl-Heinz Erdmann vom Bundesamt für Naturschutz.

Überraschend ist das Ergebnis in Bezug auf die Wahrnehmung des Landschaftsbildes nach Renaturierungsmaßnahmen – wie dem flächigen Fällen von Fichten – im Großschutzgebiet: „Für den Großteil der befragten Bevölkerung wird das Landschaftsbild durch die Arbeiten zur Waldentwicklung nicht gestört. Vor allem die Menschen, die sich informieren, verstehen auch die Zusammenhänge zwischen den Maßnahmen und Naturschutzzielen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Nationalparkverwaltung bietet zahlreiche Informationsmöglichkeiten wie Bürgerwanderungen, Pressetermine vor Ort, Internet- und facebook-Seite, Rangertouren und andere Instrumente. „Die Studie zeigte, dass vor allem die direkte Kommunikationsform in den fünf Nationalpark-Toren intensiv als Informationsquelle genutzt wurde“, so die Verwaltung.

Insgesamt sehe die Bevölkerung den Nationalpark als Motor für die Entwicklung des Tourismus in der Region. „81,8 Prozent der Befragten denken, dass die Bedeutung des Nationalparks dabei hoch oder sehr hoch ist.“

In den ersten Jahren befürchtete ein Teil der Bevölkerung negative Begleiterscheinungen durch den zunehmenden Tourismus. Diese Befürchtungen seien für einen Großteil der Bevölkerung nicht eingetreten und würden im Vergleich zu 2006 deutlich seltener als Nachteile durch den Nationalpark angeführt.

„Dreiborn hat sich touristisch ganz auf den Nationalpark eingestellt“, bestärkt der Bürgermeister der Stadt Schleiden, Udo Meister, die Tendenz. „Wir sind froh, dass in den letzten Jahren so viele Naturerlebnisangebote entstanden sind, auch hier in Dreiborn. Die Bürger haben den Naturschutz als Chance erkannt und auch genutzt“. So sind in den vergangenen Jahren sieben Ferienwohnungen mit 23 Gästebetten im 969-Seelen-Ort entstanden.

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Bei fast allen Befragten stießen auch die Nationalpark-Regeln auf breite Akzeptanz: Während die Anwohner für das Anleinen der Hunde, wenig Lärm und kein offenes Feuer in dem Großschutzgebiet großes Verständnis zeigten, seien sie jedoch über das Verbot, Früchte und Holz zu sammeln sowie die Wege zu verlassen weniger begeistert. (epa)

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