„Happy Colours“ und grenzenlose Lebensfreude

KSK-Beratungscenter in Zülpich öffnet die Tore für den weltweit gefragten Künstler und Autisten Leland Lee aus Taiwan

Mutter Karen Chien Lee (v.l.), KSK-Filialleiter Marc Eichholz, KSK-Vorstandsbeauftragter Helmut Habscheid, Künstler Leland Lee und KSK-Pressesprecherin Rita Witt bei der Ausstellungseröffnung im KSK-Beratungscenter Zülpich. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Mutter Karen Chien Lee (v.l.), KSK-Filialleiter Marc Eichholz, KSK-Vorstandsbeauftragter Helmut Habscheid, Künstler Leland Lee und KSK-Pressesprecherin Rita Witt bei der Ausstellungseröffnung im KSK-Beratungscenter Zülpich. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Zülpich – Leland Lee ist erst 25 Jahre alt und hat bereits über 1000 Bilder gemalt. In Kunstkreisen gilt er als herausragendes Talent. Bereits 1999 nahm ihn die Los Angeles Times auf in ihre Gruppe der 100 bemerkenswertesten Nachwuchstalente. Dabei schien dem Mann aus Taipeh dieses Talent nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden zu sein. Denn Leland Lee gilt als Autist, der – so definieren es die Mediziner – „an unheilbaren Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörungen des Gehirns leidet“.

Wenn man Lees Bilder betrachtet, dann scheint es aber eher so, als ob er die Wirklichkeit keinesfalls gestört, sondern nur gänzlich anders wahrnimmt als die meisten Menschen. Was an diesen Bildern am meisten beeindruckt, das ist die unglaubliche Lebensbejahung und Lebensfreude, die jedes seiner Werke atmet. „Happy Colours“, so nennt seine Mutter Karen Chien Lee den Malstil ihres Sohnes.

In ihrer Farbigkeit und Lebensfreude ähneln seine Arbeiten ein wenig der Popart, vor allem den Bildern des kürzlich verstorbenen New Yorker Künstler James Rizzi. Doch anders als Rizzi malt Lee weitaus strukturierter und weniger detailreich. Bei ihm scheinen vor allem Farbfelder miteinander im Dialog zu stehen.

Leland Lee (v.l.) und seine Mutter Karen Chien Lee bedankten sich mit kleinen Geschenken bei den Mitarbeitern der Kreissparkasse Euskirchen - Rita Witt, Marc Eichholz und Helmut Habscheid - für die tolle Unterstützung in Zülpich. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Leland Lee (v.l.) und seine Mutter Karen Chien Lee bedankten sich mit kleinen Geschenken bei den Mitarbeitern der Kreissparkasse Euskirchen – Rita Witt, Marc Eichholz und Helmut Habscheid – für die tolle Unterstützung in Zülpich. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Erstmals kann man jetzt im Kreis Euskirchen einige Werke von Leland Lee betrachten. Das Beratungscenter der Kreissparkasse Euskirchen in Zülpich hat dafür seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Der Künstler selbst war am Mittwoch gemeinsam mit seiner Mutter Karen Chien Lee und seinem Bruder Jason bei der Ausstellungseröffnung zugegen. Begrüßt wurde er vom KSK-Filialleiter Marc Eichholz, der sich freute, die Arbeiten eines so begehrten Künstlers in seinem Hause ausstellen zu dürfen. Denn Lee, so berichtete Eichholz, wird von Zülpich aus geradewegs in den Vatikan reisen, wo er nicht nur sein ganz besonderes Vatikanbild zu Papier bringen will, sondern wo für ihn auch eine Audienz beim Papst anberaumt ist.

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Nach der Ausstellung mit Arbeiten von Rolf A. Kluenter im Rahmen des Projekts „Kleiner Kosmos Felsenkeller“, das Kluenter gemeinsam mit dem HPZ der Lebenshilfe Bürvenich auf die Beine gestellt hatte, wurde am Mittwoch die zweite Runde der Zusammenarbeit mit Kluenter, dem HPZ und der Kreissparkasse Euskirchen eingeläutet. Kluenter bedankte sich bei der KSK auch im Namen des HPZ und den Bürgern von Bürvenich für die gute Zusammenarbeit beim Felsenkeller-Projekt. Im Rahmen der Landesgartenschau hatte die Bürgerstiftung der Kreissparkasse Euskirchen für einen Verschönerungswettbewerb der an die Laga angrenzenden Dörfer die Preisgelder in Höhe von insgesamt 15.000 Euro zur Verfügung gestellt. Davon hatte nicht zuletzt auch das ambitionierte Felsenkeller-Projekt profitiert.

Sodann aber richtete sich alle Aufmerksamkeit wieder auf Leland Lee. Der Künstler aus Taipeh selbst schien seine Berühmtheit eher gelassen zu nehmen. Er richtete ein paar leise und freundliche Worte an die Gäste und berichtete, dass er und seine Familie Christen und sehr religiös seien. Für ihn sei daher klar, dass seine künstlerische Gabe von Gott komme.

Künstler Rolf A. Kluenter erzählte am Rande der Veranstaltung, dass Leland Lee aus einer amerikanisch-chinesischen Familie stamme. Seine Eltern führen das berühmte Astoria-Café in Taipeh, das schon seit 65 Jahren existiert. Ähnlich wie die großen Wiener Cafés um 1900 träfen sich in diesem Café die chinesischen Exil-Intellektuellen. Leland sei daher schon sehr früh mit Kunst in Berührung gekommen. Kluenter ist es denn auch zu verdanken, dass Leland Lee nach Zülpich gekommen ist. „Ich habe bereits zusammen mit ihm auf der 54. Biennale in Venedig ausgestellt, in Rotterdam und im Nationalmuseum in Taiwan“, sagte er.

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Im auf englisch geführten Gespräch zwischen KSK-Pressesprecherin Rita Witt und Lelands Mutter Karen erfuhr man, dass Leland Lee nicht nur ein guter Maler ist, sondern auch gerne reite, eine gute Singstimme habe und zur Gitarre in Englisch, Chinesisch und Taiwanisch singe. Wenn er male, so sei er sehr konzentriert bei der Sache und arbeite darüber hinaus sehr schnell. Genau so gern aber falte er bunte Pappkartons fürs Café. „Er ist mein bester Arbeiter“, lachte Karen Lee, „immer konzentriert und unermüdlich.“

Als Rita Witt wissen wollte, wann Mutter Karen zum ersten Mal die besondere Begabung ihres Sohnes bemerkt habe, überlegte diese kurz und sagte schmunzelnd: „Im Alter zwischen acht Monaten und zwei Jahren hatte er eine erste künstlerische Phase. Damals bemalte er gern über Nacht mit bloßen Fingern die Wände in unserem Haus.“ Angefangen zu sprechen habe er aber erst mit sieben Jahren.

Im letzten Jahr ist Leland Lee zum besten Nachwuchstalent Taiwans gewählt worden. Das öffentliche Fernsehen zeigt jetzt ein Jahr lang jede Stunde ein Werk von ihm.

Wer den Künstler Leland Lee einmal selbst bei der Arbeit erleben möchte, der sollte sich am Freitag, 8. August, am Wallgraben an der Lebenshilfe-Station einfinden. Dort wird Lee fünf jahrtausendalte Steine bemalen und sie so in ein zeitgenössisches Kunstwerk verwandeln.

Im KSK-Beratungscenter in Zülpich, Schumacher Straße 1, können die Arbeiten von Leland Lee während der Öffnungszeiten noch bis zum 22. August betrachtet werden.

Eifeler Presse Agentur/epa

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