Kein Fahrwerksfehler entging seinem sensiblen „Popometer“

Von Reiner Züll Norman Dewis gilt mit seinen 94 Jahren als echte Jaguar-Legende – Besuch am Nürburgring

Fühlte sich an seinem ehemaligen Arbeitsplatz wohl: Norman Dewis am Nürburgring im Jaguar D-Prototype aus dem Jahr 1954. Bild: Reiner Züll
Fühlte sich an seinem ehemaligen Arbeitsplatz wohl: Norman Dewis am Nürburgring im Jaguar D-Prototype aus dem Jahr 1954. Bild: Reiner Züll

Eifel/Nürburgring – Die Besucher des AvD-Oldtimer Grand Prix am Nürburgring erlebten am Samstag mit dem 94-jährigen Briten Norman Dewis eine lebende Jaguar-Legende, die 33 Jahre beim Hersteller der Nobelmarke gearbeitet und sich als Sportwagentester einen Namen gemacht hat.

1954 kam die Heckflosse des D-Type (Nr.3) erstmals beim 24-Stunden Rennen in Le Mans zum Einsatz. Bild: Jaguar
1954 kam die Heckflosse des D-Type (Nr.3) erstmals beim 24-Stunden Rennen in Le Mans zum Einsatz. Bild: Jaguar

Jaguar Land Rover Deutschland hatte am Nürburgring den 60. Geburtstag des D-Type sowie die Deutschland-Premiere des neuen F-Type Project 7, der im nächsten Jahr auf den Markt kommt, zum Anlass genommen, den Fans der britischen Marke etwas Besonderes zu bieten. Neben dem Sternekoch Johann Lafer und den Schauspielern Mark Keller und Anja Kling war auch Norman Dewis zum Nürburgring gekommen.

Jaguar-Fans kamen um hitsorische Bücher von Norman Dewis signieren zu lassen. Bild: Reiner Züll
Jaguar-Fans kamen, um historische Bücher von Norman Dewis signieren zu lassen. Bild: Reiner Züll

Der 94-Jährige, der noch 2004 im Alter von 84 Jahren auf der Rennstrecke in Goodwood 82 zügige Runden im Jaguar Longnose D-Type absolvierte, hat als Cheftester bei Jaguar eine halbe Million Kilometer jenseits Tempo 160 absolviert. Kein Fahrwerksfehler entging seinem sensiblen „Popometer“. Erst wenn Dewis sein „okay“ gegeben hatte, durfte ein neuer Jaguar-Sportwagen in Serie gehen.
Dewis, auch Entwicklungsingenieur bei Jaguar, nahm damals Prinz Phillip für einige schnelle Runden auf dem Mira-Kurs mit. Danach schwang sich der Herzog von Edinburgh selbst ans Steuer des D-Type XK-SS. Auch der Duke of Kent hatte das Vergnügen einer Fahrt mit dem Cheftester.

Auch der britische Adel wusste die Qualitäten des Jaguar-Cheftesters mit der Jochey-Statur zu schätzen. (Bild: Jaguar)
Auch der britische Adel wusste die Qualitäten des Jaguar-Cheftesters mit der Jockey-Statur zu schätzen. Bild: Jaguar

Dewis hatte bereits bei Lea Francis Limousinen und Sportwagen getestet, bevor er zu Jaguar kam, wo er im Oktober 1951 ein Vorstellungsgespräch bei Chefentwickler Bill Heynes bekam.
Der erzählt von großen Zukunftsplänen, zeigt ihm den C-TYPE, der gerade Le Mans gewonnen hat und als Überraschung eine neue Bremse. Bestehend nicht mehr aus einer geschlossenen Trommel, sondern einer rotierenden Scheibe, an der sich zum Verzögern Beläge rieben.

Bitte nur mit den Augen berühren: Der wertvolle Jaguar D-Prototyp aus dem Jahr 1954 war im Jaguar Village am Nürburgring zu bewundern. Bild:  Reiner Züll
Bitte nur mit den Augen berühren: Der wertvolle Jaguar D-Prototyp aus dem Jahr 1954 war im Jaguar Village am Nürburgring zu bewundern. Bild: Reiner Züll

Dies und das spezielle „Family-feeling“ von Jaguar reichen, um Dewis zu überzeugen. Norman startet am 1. Januar 1952, und führt als erste Amtshandlung standardisierte Prüfverfahren ein, sowohl für die Straßen- als auch die Rennwagen. Von Anfang an ist er auch intensiv in die Entwicklung der revolutionären Scheibenbremse involviert.

33 Jahre stand Dewis im Dienste des britischen Autoherstellers, schaffte 1953 bei einer Rekordfahrt auf der belgischen Autobahn eine Geschwindigkeit von 277 km/h und fuhr 1955 beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans mit, nachdem ein Werkspilot ausgefallen war. Dewis wurde Geburtshelfer vielen Jaguar-Modelle, ehe er 1985 in den Ruhestand trat, aber seinem ehemaligen Arbeitgeber weiterhin als Markenbotschafter treu blieb.

Als Cheftester bei Jaguar hat Norman Dewis eine halbe Million Kilometer jenseits Tempo 160 absolviert. Bild: Jaguar
Als Cheftester bei Jaguar hat Norman Dewis eine halbe Million Kilometer jenseits Tempo 160 absolviert. Bild: Jaguar

Am Nürburgring signierte das wandelnde Markenlexikon Norman Dewis den Fans seine in englischer Sprache abgefasste, 575 Seiten umfassende Autobiografie und stieg noch einmal in einen Jaguar D-Type, der sein Lieblingsfahrzeug war und von denen nur 87 – davon zwölf Longnose (Langnasen) – gebaut wurden. Drei der 87 D-Type Sportwagen sind verschollen. Berühmte Besitzer einer D-Type war der Schauspieler und Hobbyrennfahrer Steve McQueen. Bei Auktionen erzielen diese Fahrzeuge heute Preise zwischen zwei und fünf Millionen Euro.

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