Caritas-Betreuungsverein in finanzieller Notlage

Im Schnitt muss der Caritasverband Euskirchen 40.000 Euro aus Eigenmitteln zuschießen – Bundesweite Aktionswoche der Katholischen Betreuungsvereine wollen auf die Situation vor Ort aufmerksam machen

Franz Josef Funken (v.l.), Paul Blum und Wilfried Schmitz möchten auf die finanzielle Schieflage des Caritas-Betreuungsvereins aufmerksam machen. Bild: Carsten Düppengießer/Caritas
Franz Josef Funken (v.l.), Paul Blum und Wilfried Schmitz möchten auf die finanzielle Schieflage des Caritas-Betreuungsvereins aufmerksam machen. Bild: Carsten Düppengießer/Caritas

Euskirchen – „Wir sind da“ – so lautet der derzeitige Slogan der bundesweiten Aktionswoche der Katholischen Betreuungsvereine vom 22. September bis zum 3. Oktober. Auch die Caritas Euskirchen machte jetzt mit einem Pressegespräch auf die finanzielle Notlage ihres Betreuungsvereins aufmerksam.

In Deutschland werden aktuell etwa 1,5 Millionen Menschen rechtlich betreut. Eine solche Betreuung wird immer dann notwendig, wenn Menschen aufgrund einer Behinderung, einer psychischen oder dementiellen Erkrankung oder durch einen Unfall nicht mehr in der Lage sind, ihre persönlichen Angelegenheiten zu regeln. Die Betreuung wird vom zuständigen Amtsgericht eingerichtet und kann von ehrenamtlichen oder berufsmäßigen Betreuern geführt werden. Im Kreis Euskirchen betrifft dies rund 3700 Bürger.

Das geltende Vormünder- und Betreuungsvergütungsgesetz führte im Jahr 2005 eine Pauschalvergütung aller von Berufs- und Vereinsbetreuern geführten Betreuungen ein. Diese sieht bestenfalls eine Vergütung von 44 Euro pro geleisteter Betreuungsstunde vor und ist seit ihrer Einführung nicht angehoben worden. „Wir hatten in den letzten zehn Jahren, wie jeder andere auch, Kostensteigerungen. Seit drei Jahren arbeiten wir in diesem Bereich erheblich defizitär“, erklärte Caritasvorstand Franz Josef Funken. Im Schnitt müsse der Verband 40.000 Euro aus Eigenmitteln zuschießen. „Das ist auf Dauer nicht zu leisten“, so Funken. Zumal das pauschalierte Vergütungssystem, welches am Anfang mehr abrechnungsfähige Stunden als im weiteren Verlauf vorsieht, nicht mehr den tatsächlichen Anforderungen der Arbeit gerecht würde.

Wilfried Schmitz vom Betreuungsverein der Caritas Euskirchen machte dies an einem Praxisbeispiel deutlich: „Ein 29-jähriger suchtmittelabhängiger Mechaniker stand kurz vor Job- und Wohnungsverlust, als ich die Betreuung übernahm. Der Mann war nicht in der Lage, ihm eigentlich zustehende Sozialleistungen zu beantragen, stand ohne Krankenversicherung da. Hier konnte ich helfen.“ Auch mit dem Arbeitgeber konnte Schmitz eine Wiedereingliederungsmaßnahme aushandeln, der Betreute konnte nach anderthalb Jahren wieder normal arbeiten gehen. „Der Mann war wieder im Job, hatte seine Schulden getilgt und seine persönlichen Dinge im Griff. Dann kam leider ein schwerer Rückfall. So etwas gehört nun einmal zu unserem Berufsalltag.
„Wir müssen das aushalten“, so Schmitz. Er selbst ist einer von vier hauptamtlichen Betreuern, die zurzeit im Betreuungsverein der Caritas Euskirchen tätig sind. Zusammen betreuen sie aktuell 125 Menschen im Kreisgebiet.

Neben der berufsmäßigen Betreuung hat der Verein, wie alle Betreuungsvereine, noch eine weitere Aufgabe. „Der Gesetzgeber schreibt uns als Querschnittsarbeit die Gewinnung, Qualifizierung, Beratung und Begleitung von ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern vor. Diese Arbeit muss ebenfalls von den vier festangestellten Kolleginnen und Kollegen geleistet werden“, erläuterte der zuständige Fachbereichsleiter Paul Blum. Bei der Caritas Euskirchen sind dies 30 Ehrenamtliche, die vom Amtsgericht in der Regel mit den weniger komplizierten Fällen beauftragt werden.

„Hierfür erhalten wir zur Zeit jährlich 6000 Euro vom Kreis Euskirchen und 2000 Euro vom Land NRW“, so Funken. Sollte sich die Caritas Euskirchen nicht mehr in der Lage sehen, ihren Betreuungsverein aufrecht zu halten, verlören diese Ehrenamtlichen ihre Anlaufstelle. „Diese Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Zwei Betreuungsvereine im Südkreis haben sich in diesem Jahr bereits zurückgezogen “, betonte Funken.

Um für den Betreuungsverein eine in etwa auskömmliche Refinanzierung zu erreichen, seien laut Funken mindestens 52 Euro pro Stunde statt der bisher bestenfalls gezahlten 44 Euro notwendig. „Die Arbeit ist komplex und erfordert qualifiziertes Personal, welches wir tariftreu vergüten“, machte der Caritaschef deutlich. In Berlin müsse man endlich aufwachen und etwas unternehmen. „Deshalb haben wir während der bundesweiten Aktionswoche unsere Bundestagsabgeordneten Detlef Seif und Helga Kühn-Mengel angeschrieben und sie um ihre Unterstützung für unser Anliegen gebeten“, so Funken abschließend.

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