Schleidener Gymnasiasten setzen Zeichen gegen Einsatz von Kindersoldaten

Aus Schulprojekt entstand „Rote Hände“-Banner, das MdB Detlef Seif jetzt an Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, übergab

Die beiden Abgeordneten Detlef Seif (vorn  von links) und Michael Roth sowie ihre Mitarbeiterinnen Geraldine Krencissa (links) und Marie Scharfenberg waren von der Zahl der gesammelten Hände beeindruckt. Foto: Büro Seif.
Die beiden Abgeordneten Detlef Seif (vorn von links) und Michael Roth sowie ihre Mitarbeiterinnen Geraldine Krencissa (links) und Marie Scharfenberg waren von der Zahl der gesammelten Hände beeindruckt. Foto: Büro Seif.

Kreis Euskirchen/BerlinWie leben Kinder in anderen Ländern? Wie sieht ihr Alltag aus? Was erleben sie, was bewegt sie? Was prägt ihre Kultur? Das waren die Fragen, mit denen sich die 14 Schüler der damaligen Jahrgangsstufe 6 vor einem Jahr im evangelischen Religionsunterricht beschäftigten. Und so lernten die Sechstklässler des Städtischen Gymnasiums Schleiden (SGS) in der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema die Geschichten vieler Gleichaltriger kennen, die gezwungen sind, als Arbeiter in Minen und Steinbrüchen, in der Textilindustrie oder auf Kaffee- oder Kakaoplantagen für einen Hungerlohn zu schuften, um den Lebensunterhalt für ihre Familien zu sichern.

Unter anderem lasen die Schüler Geschichten von Aidswaisen in Afrika oder die von jungen Menschen, die wegen eines Krieges aus ihrem Land flüchten mussten und für die der Besuch einer Schule das allergrößte Geschenk wäre. Berichte über Kinderrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, überall auf der Welt, erkannten die Schleidener Gymnasiasten. Denn auch 25 Jahre, nachdem die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet hat, leben weiterhin eine Milliarde Mädchen und Jungen in Armut, sind rund 115 Millionen unter gefährlichen Bedingungen als Kinderarbeiter beschäftigt.

Bewegende Schicksale, von denen eines den Schleidener Sechstklässlern ganz besonders zu Herzen ging. Denn als Pfarrer Oliver Joswig ihnen für das bevorstehende Schulfest die Aufgabe stellte, ein Plakat zu entwerfen, das die Ergebnisse ihrer Nachforschungen dokumentieren sollte, stießen Schüler auf Text- und Filmmaterial über Kindersoldaten und waren erschüttert. Zum einen angesichts der Zahlen – mehr als 200.000 Kinder werden weltweit in Kriegen und Konflikten als Soldaten eingesetzt – und andererseits von den Methoden, mit denen diese jungen Menschen gefügig gemacht werden.

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Und aus der umfassenden Recherche, bei der die Gymnasiasten auch immer wieder der „Rote Hände“-Aktion begegneten, wurde großes Engagement. „Wir sammeln nicht nur Informationen, sondern machen daraus eine richtige Aktion“, waren sich die Schüler einig und stellten innerhalb weniger Wochen eine bemerkenswerte Initiative auf die Beine, deren Strahlkraft sich dann auch die Besucher des Sommer-Schulfestes nicht entziehen konnten: Über 350 Handabdrücke als Zeichen gegen den Einsatz von Kindersoldaten kamen zusammen, darunter die des Schleidener Bürgermeisters Udo Meister, von SGS-Schulleiterin Elisabeth Bertram und der evangelischen Pfarrer Erik Schumacher und Pfarrer Joswig. Anschließend luden die Sechstklässler die beiden Politiker Detlef Seif und Gabriele Molitor in ihre Klasse ein und verknüpften die Übergabe der Handabdrücke mit einer spannenden Fragerunde. Nachdem Gabriele Molitor nicht mehr in den Bundestag eingezogen war, übertrug sie die alleinige Aufgabe vertrauensvoll an ihren Kollegen von der CDU. Gerne löste MdB Detlef Seif sein Versprechen ein, das riesige Banner mit nach Berlin zu nehmen.

Am Dienstagabend überreichte das Weilerswister Bundestagsmitglied die bunte Flagge an den Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, der von dem Engagement der Schleidener Schüler und von der Zahl der gesammelten Handabdrücke beeindruckt war. Er will das Schleidener Symbol für Kinderrechte nun an den Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen weiterleiten. Die Freude der beiden Abgeordneten war umso größer, als dass vor wenigen Tagen mit der 17-jährigen Pakistanerin Malala Yousafzai und dem Inder Kailash Satyarthi – erstmals in der Geschichte des Friedensnobelpreises – Personen ausgezeichnet wurden, die sich für Kinderrechte einsetzen.

(epa)

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