Geräuschemissionen der Windräder werden überprüft

Bei einer Bürgerversammlung in Ettelscheid stand die Schallemission des Bürgerwindparks Schleiden in der Kritik – Betreiberfirma „KEVER“ hat unabhängigen Schallgutachter beauftragt und bestätigt nochmals: „Wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden, wird selbstverständlich alles unternommen bis hin zur Leistungsreduzierung der Anlagen“

Ein unabhängiger Schallgutachter wird den Windpark Schleiden überprüfen.  Bild: epa
Ein unabhängiger Schallgutachter wird den Windpark Schleiden überprüfen. Bild: epa

Schleiden-Ettelscheid – Hauptsächlich um das Thema Schallemission durch den Bürgerwindpark Schleiden ging es in einer Bürgerversammlung, die am vergangenen Mittwochabend im Bürgerhaus Ettelscheid stattfand. Seit einem Monat ist der Park mit sechs Windenergieanlagen der neusten Generation im Betrieb. Hausbewohner in bestimmten Ortslagen fühlen sich durch Geräusche der Windräder gestört.

„Es gibt ein dauerhaftes, pulsierendes Brummen“, berichtete etwa die nach Ettelscheid gezogene Kathrin Funk, die zusammen mit Oliver Zöll die Bürgerversammlung moderierte. Dieses Geräusch sei zwar nicht laut, aber durch die Konstanz sehr störend und würde für Schlafstörungen sorgen. Ein Mann aus Herhahn berichtete, dass die drei alten Windräder, die bis vor kurzem in großer Nähe zur Ortslage in Betrieb waren, zwar lauter gewesen seien, eines habe sogar gequietscht. Die neuen Windenergieanlagen seien leiser: „Jedes Flugzeug, jeder LKW ist lauter, aber das konstante Brummen der neuen Anlagen ist schon störend.“

Neben der akustischen Störung fürchten auch manche Bürger gesundheitliche Folgen durch Schallbelastung, gerade der Infraschall, also akustische Wellen unterhalb der menschlichen Hörgrenze, steht in der Kritik. Auch eine starke Wertminderung der Häuser und Grundstücke durch den Park wird befürchtet, oder gar ein Aussterben des Dorfes, weil keiner mehr in Windparknähe wohnen wolle.

Kathrin Funk (v.l.) und Oliver Zöll moderierten die Bürgerversammlung in Ettelscheid. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Kathrin Funk (v.l.) und Oliver Zöll moderierten die Bürgerversammlung in Ettelscheid. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zudem vermutete der ein oder andere einen Interessenkonflikt bei der Planung, denn die Firma PE Becker sei nicht nur bei der Erstellung des Flächennutzungsplanes (FNP) involviert gewesen, sondern auch Anteilseigner der Betreiberfirma „KEVER“. Auf Nachfrage erklärte Bernd Becker, Geschäftsführer von PE Becker: „Die Aufstellung des Flächennutzungsplanes ist ein städtisches Verfahren. In der Tat ziehen manche Kommunen einen Planer wie uns hinzu, wenn sie diese Kompetenz nicht im eigenen Hause haben.“ In Schleiden sei das aber nicht der Fall: Dort gibt es einen Fachbereich, der Bauleitplanungen bearbeitet und der auch den FNP für Patersweiher aufgestellt habe. Außerdem folge ein solches Verfahren vorgeschriebenen, überprüfbaren Kriterien.

Auf der Bürgerversammlung wurde vereinbart, dass als konkrete Maßnahme nach Sammeln von Fragen Kontakt mit dem Betreiber „KEVER“ aufgenommen werden soll. Dessen Geschäftsführer Markus Mertgens informierte auf Nachfrage: „Bisher ist der Windpark noch nicht abgenommen, Gutachter untersuchen, ob die Anlagen den festgeschriebenen Anforderungen genügen.“ Sollten irgendwelche Mängel auftauchen, wie etwa ein Rotorblatt, das nicht ordnungsgemäß hergestellt sei und dadurch unnötige Geräusche verursache, so müsse das die Herstellerfirma selbstverständlich in Ordnung bringen.

Zum Thema Schallemissionen erklärte der Geschäftsführer das weitere Vorgehen: „Es wird nach der Anlagenabnahme ein unabhängiges Gutachten erstellt, das gesetzlich geregelten Anforderungen genügen muss.“ So müssten zur Messung bestimmte Witterungsverhältnisse vorherrschen. Klar sei ja, dass Windmessungen in windschwachen Zeiten nicht die Realität wiederspiegelten und somit keinen Sinn machen. Diese bestimmten Verhältnisse gebe es allerdings nicht jeden Tag und diese speziellen Gutachter seien sehr gefragt. „Deshalb kann es noch einige Zeit dauern, bis das Gutachten erstellt werden kann und die entsprechenden Ergebnisse vorliegen“, so Mertgens.

Danach sei es recht einfach: „Wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden, werden wir mit dem Anlagenhersteller nach den Ursachen forschen und die Ursachen beheben. Sollte dies nicht ausreichen, wovon derzeit nicht auszugehen ist, könnten z.B. die Anlagen in den entsprechenden Zeiten in ihrer Leistung reduziert werden.“

Mertgens weiter: „Mir ist nicht nur unseres Unternehmens wegen, sondern auch persönlich daran gelegen, dass alle Grenzwerte eingehalten werden.“ Denn er wohne selbst nur zwei Kilometer vom Windpark entfernt. Bei der Planung des Bürgerwindparks sei ein Schallgutachter aus Kamen beauftragt worden, um die für die Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutz-Gesetz erforderlichen Nachweise zu erbringen.

Die Sorgen der Ettelscheider nehme er aber sehr ernst: „Bei »KEVER« arbeiten Menschen aus der Region für Menschen in der Region. Wir haben von Anfang an die Bürger mit in das Projekt einbezogen und wollen das auch weiterhin tun.“ So sei das Team von »KEVER« gerne bereit, mit Vertretern aus Ettelscheid ein Treffen zu einem Austausch zu vereinbaren.

Die Sorge um einen dauerhaften Wertverlust von Immobilien bei Errichtung eines Windparks, wie sie in der Bürgerversammlung geäußert wurde, hält die Energieagentur NRW für unbegründet. Experten verwiesen darauf, dass Bürgerinitiativen mit ihrer Warnung vor Wertverlusten einen solchen Wertverlust kurzfristig selbst auslösen könnten, da man potenzielle Käufer abschrecke. Ein solcher temporärer Preisrückgang stabilisiere sich aber wieder, sobald die Anlagen in Betrieb seien und zur Normalität gehörten.
In Ostfriesland, der Region mit der höchsten Anlagendichte, habe sich der Ausbau der Windenergie langfristig nicht negativ auf die Preisentwicklung ausgewirkt.

Eifeler Presse Agentur/epa

5 Gedanken zu „Geräuschemissionen der Windräder werden überprüft“

  1. Zum Thema Wertverlust: Sie hätten erwähnen sollen, dass es bereits einen beglaubigten Wertverlust eines Hauses aufgrund des Windparks gibt.
    Kein Wertverlust? So naiv dürften Sie doch nicht wirklich sein.
    6 Anlagen a 200 Meter Höhe? Alle in Sicht- und Hörweite.

    1. Hallo anonymer Kommentator,
      wir sind mitnichten naiv, sondern recherchieren Fakten. Konkret zu dem genannten Fall haben wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass nicht der Windpark für die Wertminderung verantwortlich ist. Somit gab es keine Veranlassung, dies zu erwähnen.

  2. Die Ausssage von Bernd Becker, Geschäftsführer de Firma PE Becker GmbH, stellt eine dreiste Lüge sondergleichen dar. Die Fiema Becker hat nachweislich das Gutachten mit dem Titel „Stadt Schleiden
    4. Änderung des Flächennutzungsplanes
    Gemarkungen: Dreiborn und Schleiden
    Stadt: Schleiden
    Kreis : Kreis Euskirchen
    Regierungsbezirk: Köln
    Land : Nordrhein-Westfalen
     Umweltbericht
    (als gesonderter Teil der Begründung)
    Stand: 01.03.2013“ erstellt. Dieses Gefälligkeitsgutachten hat letztendlich die Erstellung der Windkraftanlagen ermöglicht. Das Dokument ist aufzufinden auf den Internetseiten der Stadt Schleiden unter „https://www.schleiden.de/index.php?id=403“

    1. Hallo Herr Bernhard,
      es ist richtig, dass PE Becker den Umweltbericht als eines der für den FNP nötigen Gutachten erstellt hat. Dies hat Bernd Becker im Interview uns gegenüber auch geäußert. Das Statement von Bernd Becker im Presseartikel ist aber richtig: Den FNP hat die Stadt aufgestellt. Der Umweltbericht folgt gesetzlich geregelten Richtlinien mit nur wenig Spielraum. Diesen Spielraum hat PE Becker sogar anscheinend eher zu Ungunsten der KEVER genützt, denn die im Umweltbericht genannten Ausgleichsflächen sollen deutlich größer sein, als die Mindestanforderungen vorschreiben. Übrigens ist es nicht unüblich, dass Kommunen bei Großprojekten dem Investor sogar die komplette FNP-Planung übertragen, um der Öffentlichen Hand Kosten zu sparen.

      1. Lieber epaadmin,
        Sie scheinen sich bemüßigt zu fühlen die Interessen der KEVER, PE Becker und sonstiger Beteiligten an diesem fragwürdigen Projekt zu vertreten. Wie schon in Ihrer Anmerkung zum ersten Kommentar haben Sie auch hier wieder eindeutig Position für die Betreiber bezogen.
        Das Herr Becker in seinem Statement die Unwahrheit gesagt hat bleibt wohl unbestritten. Ebenso unbestritten ist wohl die Tatsache das die Firma Becker sowohl an dem Gutachten, als auch an der 41 % – Beteiligung an dem Projekt verdient. Ich würde Ihnen empfehlen, vor der Erwiderung auf Kommentare den Artikel und die Hintergründe genauer zu recherchieren.
        Beste Grüße !!

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