KEV setzt in Wollenberg auf neuste digitale Steuertechnik

Alte analoge Schaltanlage wird abgebaut – Investition in die weitere Versorgungssicherheit – RWE tauschte 75 Tonnen schweren Transformator aus

Von seinem Podest aus, auf dem er über 35 Jahre seinen Dienst versehen hat, muss der 75 Tonnen schwere Transformator per Muskelkraft auf den Schwerlasttransporter gezogen werden. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Von seinem Podest aus, auf dem er über 35 Jahre seinen Dienst versehen hat, muss der 75 Tonnen schwere Transformator per Muskelkraft auf den Schwerlasttransporter gezogen werden. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Hellenthal-Wollenberg – Die Sanierungsarbeiten an und in der Umspannanlage Wollenberg gehen in die nächste Runde: Bereits 2011 wurde das markante Gebäude an der L 203 trockengelegt und anschließend neu isoliert. Neben einer Betonsanierung am Dachkranz wurden auch die Türen erneuert. Darüber hinaus bekam die Umspannanlage einen frischen Anstrich.

Jetzt wird die alte 20.000-Volt-Schaltanlage im Inneren des Gebäudes erneuert. „Wir bauen derzeit die analogen Schaltschränke aus und installieren neueste digitale IP-Steuertechnik“, berichtet Rainer Karls, Projektleiter der Kreis-Energie-Versorgung Schleiden (KEV). Insgesamt würden 19 dieser Schränke eingebaut, jeder einzelne wiege gut 1,8 Tonnen. Damit die neue Technik überhaupt in die erste Etage des Gebäudes eingebracht werden kann, musste zuvor ein neuer Eingang gebrochen und ein Stahlpodest errichtet werden, auf dem die Schränke mit einem Kran abgestellt und anschließend ins Gebäudeinnere gefahren werden können.

„Die Bürger und auch die Industriebetriebe im Schleidener Tal werden von der Umstellung nichts bemerken“, versprach Karls. Man werde dafür Sorge tragen, dass die Stromversorgung unterbrechungsfrei gewährleistet werden könne. Bis Anfang nächsten Jahres sollen die Arbeiten dann abgeschlossen sein.

Einige Schaltschränke stehen bereits, sind aber noch nicht angeschlossen: Helmut Klaßen (vorne) und Rainer Karls von der KEV werfen einen ersten Blick auf die moderne Digitaltechnik. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Einige Schaltschränke stehen bereits, sind aber noch nicht angeschlossen: Helmut Klaßen (vorne) und Rainer Karls von der KEV werfen einen ersten Blick auf die moderne Digitaltechnik. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Die Investition in die Digitalisierung der Schaltanlage ist notwendig, um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können“, so KEV-Geschäftsführer Helmut Klaßen. Denn für die Verteilung von Energie im Schleidener Tal sei die Umspannanlage in Wollenberg von zentraler Bedeutung. „Von dort aus werden nicht nur Schleiden, Hellenthal, Teile von Kall, Nettersheim und Dahlem aus dem Hochspannungsnetz mit heruntertransformiertem Strom versorgt, sondern dort wird auch regenerativ erzeugte Energie eingespeist und produzierte Überschüsse wieder ins übergeordnete Netz abgegeben.“ Mit der Erneuerung der Anlage sei darüber hinaus auch eine Leistungserweiterung verbunden. „So sind wir auch für die Zukunft gut aufgestellt“, sagte Klaßen.

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Zeitgleich zu den Umbaumaßnamen in der Umspannanlage hatte am Dienstagmorgen RWE begonnen, einen der beiden Großtransformatoren auf dem Außengelände gegen ein noch größeres Modell auszutauschen, das bis zu 33 Prozent mehr Leistung als sein Vorgänger bringt.

Selbst für den erfahrenen RWE-Bauleiter Heinz-Joachim Bettendorf war das kein Alltag. „Wenn alles glattgeht, dann sind wir in zwölf Stunden mit dem Austausch durch“, sagte er am frühen Morgen. Die hohe Kunst war es dabei, den auf Schienen gelagerten alten Transformator mit per Muskelkraft betriebenen Flaschenzügen auf den Schwerlasttransporter zu ziehen und anschließend den neuen Transformator an die Stelle des alten zu setzen.

„Das Transportgewicht des Trafos liegt bei knapp 75 Tonnen“, berichtete Bettendorf. Allein das Öl im Trafo, das sowohl zur Isolation als auch zur Kühlung diene, wiege über 17 Tonnen. Damit kein Öl austrete gebe es eine ganze Reihe von strengsten Sicherheitsvorkehrungen, die einzuhalten seien, nicht nur bei der Verladung des Transformators, sondern auch beim Transport. Der Trafo darf beispielsweise nur über vorher festgelegte Strecken transportiert werden und muss stets von Kontrollfahrzeugen begleitet werden.

Gegen Abend war der Austausch beendet und ein tiefes Brummen signalisierte KEV-Geschäftsführer Helmut Klaßen, dass der neue Transformator bereits am Netz angeschlossen war. „Seit 35 Jahren wurde hier kein Transformator mehr ausgetauscht, und ich hoffe, dass es auch genau so lange dauert, bis dies wieder einmal notwendig wird“, sagte er erleichtert.

Die KEV betreibt neben Wollenberg noch weitere vier Umspannanlagen, nämlich in Dahlem, Kall, Heimbach und Wallenthal. In diesen wichtigen Knotenpunkten wird der Strom von 110 Kilovolt auf 20 Kilovolt heruntertransformiert und sodann in die Mittelspannungsnetze eingespeist, die in die jeweiligen Ortschaften führen.

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