100 Landwirte ließen sich informieren

Fachvorträge beim ersten Landwirtschafts-Tag von Kreissparkasse Euskirchen und Kreisbauernschaft Euskirchen gaben handfeste Tipps zu Hofnachfolge, Notfallbetrieb und neuen Anforderungen durch die Agrarpolitik

Für viele Informationen zu wichtigen Themen sorgten Holger Glück (v.l.), Leiter Firmen- und Gewerbekunden KSK, Markus Karpinski, Fachanwalt für Sozial- und Medizinrecht, Udo Becker, Vorstands-Vorsitzender KSK, Hans-Josef Schorn, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Euskirchen, Dr. Bernd Lüttgens, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), und Paul-Heinz Müller, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Für viel Information zu wichtigen Themen sorgten Holger Glück (v.l.), Leiter Firmen- und Gewerbekunden KSK, Markus Karpinski, Fachanwalt für Sozial- und Medizinrecht, Udo Becker, Vorstands-Vorsitzender KSK, Hans-Josef Schorn, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Euskirchen, Dr. Bernd Lüttgens, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), und Paul-Heinz Müller, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Mechernich – „In unseren Betrieben geht es immer auf und ab, damit müssen wir leben“, betonte Hans-Josef Schorn, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Euskirchen, am Dienstagnachmittag im Ratssaal des Mechernicher Rathauses. Dorthin hatten die Kreissparkasse Euskirchen (KSK) und die Kreisbauernschaft Landwirte eingeladen, um handfeste Informationen zu den Themen Notbetrieb auf Höfen, Hofübernahme und die neuen Anforderungen in Sachen „Greening“ zu geben.

Wie drängend diese Themen sind, konnte man an der großen Resonanz sehen: 100 Landwirte kamen zu der Veranstaltung – und wenn der Brandschutz mehr Teilnehmer zugelassen hätte, wären es 150 geworden. Udo Becker, Vorstandsvorsitzender der KSK, versprach, dass dieser erste Landwirtschaftstag nicht die letzte gemeinsame Veranstaltung mit der Kreisbauernschaft sein soll: „Wir wollen unsere Zusammenarbeit ausweiten.“ Denn es gebe viele Parallelen zwischen Kreissparkasse und landwirtschaftlichen Betrieben. Becker: „Ihre Langfristigkeit im Handeln und Ausgerichtet-Sein auf Generationen verbindet uns. Unsere Geschäftstätigkeit ist, wie Ihre auch, nicht an Quartalszahlen ausgerichtet.“

Landwirte müssen sich heutzutage nicht nur in Agrartechnik, sondern auch in Marktwirtschaft auskennen, betonte Udo Becker, Vorstandsvorsitzender KSK Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landwirte müssen sich heutzutage nicht nur in Agrartechnik, sondern auch in Marktwirtschaft auskennen, betonte Udo Becker, Vorstandsvorsitzender KSK Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Wie der Finanzmarkt sei auch die Landwirtschaft extremem Wandel im Markt ausgesetzt. Auch sei die internationale Verflechtung hoch. „Als Putin am Anfang der Ukraine-Krise den Import von Agrarprodukten stoppte, hatte das auch Auswirkungen auf den Kreis Euskirchen. Sogar das Wetter in Neuseeland – das Land sorgt für ein Drittel der Weltmilchproduktion – hat Auswirkungen auf die Milchpreise“, so der Vorstandsvorsitzende. Deshalb sei bei den Landwirten heutzutage nicht nur agrartechnisches Know-How, sondern auch marktwirtschaftliches Fachwissen nötig, um einen Betrieb sicher führen zu können.

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Rechtsanwalt Markus Karpinski berichtete humorvoll und kompetent über das ernste Thema Notfallbetrieb in der Landwirtschaft. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Rechtsanwalt Markus Karpinski berichtete humorvoll und kompetent über das ernste Thema Notfallbetrieb in der Landwirtschaft. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Holger Glück, Leiter Firmen- und Gewerbekunden der Kreissparkasse Euskirchen, machte auch auf die existenzielle Bedeutung eines guten Notfallkonzepts in landwirtschaftlichen Betrieben aufmerksam. „Wir haben dazu einen Ordner mit vielen wertvollen Informationen zusammengestellt“, sagte Glück. Über den konkreten Notfall, wenn der „wichtigste Mann auf dem Hof, der Bauer“, ausfällt, referierte dann Markus Karpinski, Fachanwalt für Sozial- und Medizinrecht. Auf unterhaltsame Weise berichtete er über rechtliche Fallstricke, wenn etwa ein Landwirt ins Wachkoma falle.

„Viele glauben, dass sie durch ihr Testament gut vorgesorgt haben, aber das nützt in einem solchen Falle überhaupt nichts. Im Extremfall kann dann ein völlig Fremder über den Hof entscheiden, und nicht etwa die Ehefrau oder die Kinder“, so der Fachanwalt. Er gab zahlreiche Tipps zu Patientenverfügung und Vorsorge-Vollmacht, wies auf Vor- und Nachteile hin und gab Musterlösungen.

Paul-Heinz Müller, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Euskirchen, informierte danach über Hofrecht, Hofübergabe und Erbrecht, während Dr. Bernd Lüttgens, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), über die neuen Anforderungen durch die Agrarpolitik zum Stichwort „Greening“ sprach.

100 Landwirte konnten am Landwirtschaftstag teilnehmen – hätte es der Brandschutz zugelassen, wären es rund 150 Teilnehmer gewesen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
100 Landwirte konnten am Landwirtschaftstag teilnehmen – hätte es der Brandschutz zugelassen, wären es rund 150 Teilnehmer gewesen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Im Publikum saß auch der promovierte Landwirt und Hausherr Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, der den Ratssaal gerne für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte. Auf den Gesichtern der Landwirte konnte man manche „Aha-Effekte“ erkennen. Nach und auch während der Vorträge stellten die Teilnehmer weitere Fragen, die deutlich machten: Den Bauern brennen diese Themen auf den Nägeln, manch einer berichtete auch bereits von konkreten Problemen mit Hofnachfolge und Notbetrieb.

Kreisbauernschaft-Vorsitzender Schorn zeigte sich sehr zufrieden mit der gemeinsamen Veranstaltung und sagte in Anspielung an das Kreissparkassen-Motto: „Gut für die Region ist auch gut für uns. Wir werden uns in Zukunft mit neuen Problemen auseinandersetzen müssen, gerade der Umweltbereich wird uns noch sehr beschäftigen.“

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Eifeler Presse Agentur/epa

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