Psychisch erkrankte Menschen codieren jetzt Fahrräder

Finanzielle Unterstützung der Caritas-„Fahrradbude“ durch die KSK Euskirchen trägt erste Früchte – Sozialverband kooperiert fortan mit der Kreispolizeibehörde

Pfarrer Max Offermann (v.l.), Franz Josef Funken, Geschäftsführender Vorstand Caritas Euskirchen, Horst Lennartz, Ehrenamtlicher Vorstand der Caritas, sowie Karl-Heinz Daniel vom Vorstandssekretariat der Kreissparkasse Euskirchen bei der Einweihung der neuen Halle mit dem Namen „RADgeflüster“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Pfarrer Max Offermann (v.l.), Franz Josef Funken, Geschäftsführender Vorstand Caritas Euskirchen, Horst Lennartz, Ehrenamtlicher Vorstand der Caritas, sowie Karl-Heinz Daniel vom Vorstandssekretariat der Kreissparkasse Euskirchen bei der Einweihung der neuen Halle mit dem Namen „RADgeflüster“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – „Die Unterstützung von Personen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustands auf die Hilfe anderer angewiesen sind, gehört mit zum Stiftungszweck unserer Bürgerstiftung“, berichtete Karl-Heinz Daniel vom Vorstandssekretariat der Kreissparkasse am Donnerstagmorgen in der Fahrradwerkstatt des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) der Caritas Euskirchen. Aus diesem Grunde hatte die Bürgerstiftung auch im vergangenen Sommer die Errichtung der „Fahrradbude“, die jetzt umgetauft wurde in „RADgeflüster“, großzügig mit 5000 Euro unterstützt. So konnte eine Fahrradwerkstatt eingerichtet und Fahrräder und E-Bikes angeschafft werden, mit denen das SPZ seinen Klienten ein aktives Freizeitprogramm auf dem Rad ermöglicht.

Mittlerweile hat das Projekt jedoch an Fahrt aufgenommen. Besonders durch die Einrichtung der Fahrradwerkstatt konnte das SPZ eine offene und niederschwellige Beschäftigung für psychisch erkrankte Menschen anbieten. Derzeit führen drei bis vier Leuten, die durch den ehrenamtlichen Mitarbeiter Volker Olms angeleitet wurden, kleinere Reparatur- und Wartungsarbeiten durch.

„Die Mitarbeiter können quasi kommen und gehen wie sie wollen“, berichtete der Fachbereichsleiter der Eingliederungs- und Behindertenhilfe der Caritas, Paul Blum. Diese große Freiheit sei unbedingt notwendig, da die meisten der Klienten nicht mit Druck oder Anforderungen umgehen könnten.

Viele Interessierte nahmen an der Eröffnung der neuen Fahrrad-Werkstatt in Euskirchen teil. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Viele Interessierte nahmen an der Eröffnung der neuen Fahrrad-Werkstatt in Euskirchen teil. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

In den vergangenen Monaten hat die Einrichtung auch verstärkt Spendenräder aus der Bevölkerung erhalten. Diese werden aufgearbeitet und sozial benachteiligten Menschen weitgehend kostenfrei zur Verfügung gestellt. Da dies alles in den ursprünglichen Werkstatträumen nicht mehr möglich war, hat man einen bereits vorhandenen Schuppen renoviert und für das „RADgeflüster“ zur Verfügung gestellt. Durch diese Erweiterung wird es zukünftig weitere offene Beschäftigungsangebote geben.

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Unter Anleitung der Ergotherapeutin Andrea Hellendahl können psychisch Erkrankte Spendenräder abholen, diese lagern, sie „ausschlachten“, Ersatzteile katalogisieren, lagern und säubern sowie anschließend eventuell übriggebliebenen Schrott entsorgen.
Am Donnerstag wurde darüber hinaus ein weiteres neues Kooperationsprojekt mit der Kreispolizeibehörde vorgestellt.

Landrat Günter Rosenke als Leiter der Kreispolizeibehörde sowie Polizeidirektor Christian Außem und Kriminaloberrat Karl Lenzke hatten im Vorfeld der Werkstatt-Eröffnung der Presse erklärt, worum es dabei geht. Mitarbeiter der Fahrradwerkstatt sollen im Auftrag der Polizei zukünftig Fahrräder codieren und so zur Diebstahlprävention beitragen. Dazu hat die Kreispolizeibehörde der Caritas eine Codiermaschine gespendet und gemeinsam mit den Fachkräften des SPZ interessierte Besucher der Kontaktstelle in der Handhabung der Codiermaschine geschult. Sechs bis acht Besucher des „Café WorkShop“ stehen künftig für die kostenlose Codierung von Fahrrädern zur Verfügung.

„Die Caritas möchte durch dieses offene Angebot psychisch erkrankten Menschen die Möglichkeit bieten, durch die Übernahme einer verantwortungsvollen Tätigkeit eigene Fähigkeiten zu stärken oder zu entdecken und somit ihr Selbstbewusstsein zu stärken“, so Franz Josef Funken, Geschäftsführender Vorstand der Caritas Euskirchen.

Zukünftig sei zusätzlich geplant, Flüchtlingen durch ein offenes Beschäftigungsangebot in der Fahrradwerkstatt Möglichkeiten zu einer sinnvollen Beschäftigung zu bieten. „Getreu der Devise »Mobil im Asyl« können sich die Flüchtlinge dann hier vor Ort selbst ein Rad wieder fit machen und es anschließend als Entlohnung behalten“, so Funken.

Für 2015 gibt es neben den Codierungsterminen bei der Polizei bereits drei feste Codierungstermine bei der Caritas, nämlich die Freitage, 29. Mai, 10. Juli und 28. August. Um Wartezeiten zu vermeiden, können Interessenten unter 0 22 51/7 93 99 92 eine Terminvereinbarung treffen. Für die technische Anleitung in der sozialen Fahrradwerkstatt sucht die Caritas noch versierte Ehrenamtliche, die sich ebenfalls unter dieser Nummer melden können.

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„Für uns ist es ganz besonders wertvoll, wenn wir Hilfe zur Selbsthilfe leisten können“, so Karl-Heinz Daniel, der sich vor Ort über die neuen Projekte ausführlich informieren ließ und sich freute, dass die Fahrradwerkstatt so erfolgreich ist.

Eifeler Presse Agentur/epa

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