Alter KEV-Turm wurde zum First-Class-Hotel für bedrohte Tiere

ene-Unternehmensgruppe stiftete das Gebäude in Glehn und spendete die eingeplanten Abrisskosten in Höhe von 6000 Euro an die Stiftung Pro Artenvielfalt, die nunmehr den 5. Artenschutzturm in der Nordeifel einrichten konnte

Haben gemeinsam ein „Leuchtturmprojekt“ für den Artenschutz geschaffen: Karl-Heinz Seeliger (v.l.), Ortsvorsteher Glehn, Umwelt-Aktivist Udo „Öko-Udo“ Zerfowski, Roland Tischbier und Axel Jakob von der Stiftung „Pro Artenvielfalt“, Eckhard Klinkhammer, Projektleiter ene-Unternehmensgruppe, und Michael Borgmann, Kreisverband Natur- und Umweltschutz Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Haben gemeinsam ein „Leuchtturmprojekt“ für den Artenschutz geschaffen: Karl-Heinz Seeliger (v.l.), Ortsvorsteher Glehn, Udo Zerfowski, Roland Tischbier, Axel Jakob, „Pro Artenvielfalt“, Eckhard Klinkhammer  und Michael Borgmann, Kreisverband Natur- und Umweltschutz Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Mechernich-Glehn – Die Zahlen sind dramatisch: Allein durch Gebäudesanierung verschwinden jedes Jahr in Deutschland an die 50.000 Häuser, die bislang den sogenannten Gebäude bewohnenden Tierarten Zuflucht- und Brutmöglichkeiten gaben. In vielen Regionen lässt darüber hinaus eine intensiv betriebene Landwirtschaft der Arten- und Biotopvielfalt keinen Raum mehr. Experten gehen davon aus, dass in 30 bis 40 Jahren allein die Hälfte der Feld- und Wiesenvogelarten in Deutschland verschwunden sein wird. Aus diesem Grund ist es nötig, schon heute regionale Rettungsinseln für bedrohte Tierarten einzurichten. Die Stiftung Pro Artenvielfalt geht hier seit zehn Jahren beispielgebend voran. So hat sie bereits 24 Artenschutzgebäude in Deutschland eingerichtet, fünf davon allein in der Nordeifel.

Angewiesen sind die Artenschützer dabei vor allem auf Energieversorger wie die Energie Nordeifel, die ihre alten, nicht mehr benötigten Trafoturmstationen zur Verfügung stellen, um diese zu First-Class-Hotels für Turmfalken, Schleiereulen, Haus- und Feldsperlinge, Bachstelzen, Hausrotschwänzchen sowie verschiedene Fledermausarten umfunktionieren zu lassen.

Axel Jakob zeigt einen geöffneten und noch unbewohnten Nistkasten mit Einflugloch. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Axel Jakob zeigt einen geöffneten und noch unbewohnten Nistkasten mit Einflugloch. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Zusammenarbeit der Stiftung Pro Artenvielfalt mit der ene-Unternehmensgruppe geht bereits auf das Jahr 2011 zurück. Damals entschloss man sich, den Trafoturm in Bouderath nicht abzureißen, sondern ihn für einen symbolischen Euro an die Stiftung Pro Artenvielfalt zu verkaufen und der Stiftung anschließend die 6000 Euro zur Verfügung zu stellen, die der Abriss gekostet hätte. Das Projekt war so erfolgreich, dass beide Partner beschlossen, auch in Zukunft gemeinsam etwas für den Artenschutz tun zu wollen.

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„2013 haben wir unseren Trafoturm in Glehn durch eine moderne Kompaktstation ersetzt. Das Gebäude aus dem Jahr 1952 wurde nicht mehr benötigt“, berichtete Eckhard Klinkhammer, Projektleiter bei der „ene“. Die Stiftung habe den Turm dann erneut für einen symbolischen Preis übernommen. „Wir haben schließlich wieder unsere 6000 Euro gespendet, die wir ansonsten für den Abriss ausgegeben hätten, und damit das Artenschutzprojekt unterstützt“, so Klinkhammer weiter.

Für Fledermäuse sind spezielle Holzbetonsteine installiert. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Für Fledermäuse sind spezielle Holzbetonsteine installiert. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Im März 2015 wurde uns dann die Baugenehmigung für den Umbau erteilt“, berichtete Roland Tischbier, Vorstandsvorsitzender Pro Artenvielfalt. Sämtliche Um- und Neubauarbeiten seien daraufhin in gut sechs Wochen von Fachhandwerksbetrieben aus der Region ausgeführt worden. „Dabei hat unsere Stiftung weitere 12.700 Euro in das Projekt investiert“, so Tischbier. Möglich sei dies aufgrund des mittlerweile gut 20.000 Menschen umfassenden Spenderstamms über den die Artenschutz-Stiftung verfüge.

Unterstützt wurde die Stiftung auch von den Akteuren vor Ort, beispielsweise vom Glehner Ortsvorsteher Karl-Heinz Seeliger, dem Umwelt-Aktivisten „Öko-Udo“ (Udo Zerfowski) sowie von Michael Borgmann, Kreisverband Natur- und Umweltschutz Euskirchen.
Im Artenschutzturm, der gerade erst fertig geworden ist, haben sich bereits Haussperling, Bachstelze, Kohl- und Blaumeisen häuslich eingerichtet. „Weitere Vogel- und Fledermausarten werden jetzt nach und nach folgen“, so Tischbier. Auch der Turmfalke werde sicherlich nicht lange auf sich warten lassen. In den anderen vier Artenschutztürmen der Nordeifel treffe man ihn bereits an.

Der Artenschutzturm soll nicht nur bedrohten Tierarten eine Heimat geben, sondern auch auf die Probleme gebäudebewohnender Arten aufmerksam machen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Artenschutzturm soll nicht nur bedrohten Tierarten eine Heimat geben, sondern auch auf die Probleme gebäudebewohnender Arten aufmerksam machen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Den Vögeln gehört übrigens neben den Außenanlagen vor allem der windstille und frostfreie Dachstuhl. Insgesamt 17 Nistkästen wurden angebracht, Schleiereule und Turmfalke haben dabei besondere „Gemächer“. Im Turm selbst ist es übrigens sehr sauber. „Das ist wichtig, da der Artenschutzturm vor allem auch eine pädagogische Funktion hat“, erläuterte Tischbier. So würden Schulklassen das Gebäude besuchen, um sich hier über den Artenschutz zu informieren.

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Roland Tischbier machte allerdings abschließend klar, dass Artenschutztürme in Deutschland allein das Artensterben nicht aufhalten könnten. Zum einen müsste jeder einzelne Hausbesitzer überlegen, wo er an seinem Haus Zufluchtstätten für bedrohte Arten einrichten könne, zum anderen aber müsse auch der Vogelmord in Südeuropa aufhören.

„Wir verlieren im Jahr allein an die 25 bis 30 Millionen Zugvögel, die in Südeuropa auf grausame Weise in illegalen Fanganlagen zu Tode kommen“, so Tischbier. Der Vogelmord sei mittlerweile ein Millionengeschäft, das nachweislich mafiös strukturiert und international organsiert sei. Die Tiere würden als fragwürdige Delikatesse in Restaurants verkauft, die damit viel Geld verdienten. Man spreche hier bereits vom „Kaviar des 21. Jahrhunderts“.

Eifeler Presse Agentur/epa

www.stiftung-pro-artenvielfalt.org

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