Unabhängiges Kommunikationsnetz für den Katastrophenfall

Gemünder Ortsgruppe des Vereins „Deutscher-Amateur-Radio-Club“ errichteten am KEV-Mast in Krekel, Sistiger Heide einen Hamnet- Kommunikationsknoten

Klaus Bär (v.l.), Bernd Griebel und Christian Schlich vor der Montage der beiden Richtfunkantennen am KEV-Mast in der Krekeler/Sistiger Heide. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Klaus Bär (v.l.), Bernd Griebel und Christian Schlich vor der Montage der beiden Richtfunkantennen am KEV-Mast in der Krekeler/Sistiger Heide. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall-Krekel – Längst den Ruhestand genießende Mitarbeiter der Kreis-Energie-Versorgung Schleiden (KEV) erinnern sich noch gut daran, dass noch bis Anfang der 1960er Jahre Arbeiten am Mittelspannungsnetz nur vermittels Uhrenabgleich durchgeführt werden konnten. Für die Techniker wurde das Netz dann für eine bestimmte Zeit spannungsfrei geschaltet, nach dem Motto: „Um 11 Uhr schalte ich ab, um 12 Uhr musst du wieder vom Mast runter sein.“

„Ab dem Jahr 1963 wurde die KEV mit Betriebsfunk ausgestattet“, berichtet Bernd Griebel, der bei der ene-Unternehmensgruppe für Kommunikationstechnik zuständig ist. Techniker und Netzwarte konnten seither Arbeiten im direkten Dialog sicher abstimmen.

„Erst 1999 kamen dann die Handys hinzu“, so Griebel weiter. Doch moderne Mobilfunknetze haben einen entscheidenden Nachteil:
Bei Stromausfällen können auch Mobilfunkmasten betroffen sein, die nur eine Notversorgung für zwei Stunden vorhalten. Eine Kommunikation ist dann nicht mehr möglich. Erfahrungsgemäß brechen diese Netze bei Großereignissen auch an Überlastung zusammen.

Funkamateur Christian Schlich erklärte die digitale Funktechnik. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Funkamateur Christian Schlich erklärte die digitale Funktechnik. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Wir arbeiten in der Regel zwar mit Handys, aber verlassen können wir uns auf diese Kommunikation nicht“, so Griebel. Deshalb betreibt der regionale Energiedienstleister auch nach wie vor einen eigenen Betriebsfunk mit einem Antennenstützpunkt in der Sistiger Heide, in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Polizeifunkmast. Per Notstromaggregat ist von dort noch Betriebsfunk möglich, wenn die Handynetze zusammenbrechen sollten.

Ein von Internet und Mobilfunk unabhängiges Kommunikationsnetz zu schaffen, das ist auch das Ziel einer Gruppe von Funkamateuren des gemeinnützigen Vereins „Deutscher-Amateur-Radio-Club“ (DARC). Mitglieder des Ortsverbands Gemünd/Eifel baten die „ene“ daher kürzlich, am KEV-Mast einen Hamnet-Knoten einrichten zu dürfen.

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Die Richtfunkantennen wurden in den Steigerwagen verladen, bevor es 25 Meter hoch in luftige Höhen ging. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Richtfunkantennen wurden in den Steigerwagen verladen, bevor es 25 Meter hoch in luftige Höhen ging. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Beim Hamnet handelt es sich um ein rein aus privaten Mitteln aufgebautes und organisiertes, bundesweit funkbasiertes Netzwerk (Highspeed Amateurradio Multimedia NETwork) auf der technischen Basis der Internetprotokolle“, berichtete Christian Schlich vom Ortsverband. Zusammen mit seinen Kollegen Klaus Bär und Walter Gengel war er am Samstagmorgen in die Sistiger Heide gekommen, um zwei neue Richtfunk-Antennen an den KEV-Mast anzubringen.
Hilfe erhielten die Funker dabei von Markus Krumpen, der mit einem Steigerwagen vorfuhr, um Schlich und Bär samt Antenne und Webcam in luftige Höhe zu befördern sowie von Bernd Griebel, der die Arbeiten vor Ort koordinierte.

Im Groben sei das Hamnet mit dem Internet vergleichbar, berichteten die passionierten Funker. Allerdings sei ihr Netz vom Internet völlig unabhängig und selbständig.

„Bei uns erfolgen die Netzverbindungen grundsätzlich drahtlos mit Hilfe der bekannten WLAN-Technik (2,4 GHz/5,7 GHz), die von Funkamateuren im Rahmen rechtlich-technischer Grenzen für größere Reichweiten modifiziert werden“, erklärte Experimentalfunker Walter Gengel, der auch „DARC“-Funkausbilder ist.

Das Hamnet-Angebot sei nicht kommerziell und beinhalte ausschließlich nur die zugelassenen Inhalte des weltweit anerkannten Amateurfunkdienstes. Mit Ausnahme von Not- und Katastrophenverbindungen stehe dieses Netz einzig und allein behördlich geprüften Funkamateuren zur Verfügung.
Im Notfall verfüge man also über ein von Netzdienstleistern unabhängiges digitales Funknetz. Im Endausbau würden damit bundesweite und auch über die Grenzen hinaus mögliche Verbindungen sichergestellt. Das Netz unterliegt der betrieblich-technischen Kontrolle der Bundesnetzagentur. Koordiniert wird das regionale Hamnet im Köln-Aachener Raum von einer Amateurfunkgruppe am Institut für Hochfrequenztechnik der Universität Aachen (RWTH).

Im Katastrophenfall stellen die Funkamateure ihr Netz Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben (BOS) zur Verfügung. „Eine solche Zusammenarbeit mit uns ist nicht nur zulässig, sondern ausdrücklich erwünscht“, so Gengel. Eine Großübung der Rettungsdienste im Rauhebergtunnel bei Göttingen habe vor einem Jahr gezeigt, dass die Hamnet-Infrastruktur durchaus als Rückfallebene in Not- und Katastrophenfällen in Betracht gezogen werden könne.  „Funkamateure waren es auch, die beim Erdbeben in Nepal ein funktionierendes Kommunikationsnetz aufgestellt haben“, so Gengel weiter.

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Die beiden montierten Richtfunkantennen kosten pro Stück knapp 140 Euro, die Hardware schlägt nochmal mit 200 Euro zu Buche. „Wenn wir schon mal da oben sind, werden wir auch gleich eine Webcam anbringen“, berichtete Christian Schlich.

„Für den weiträumigen ländlichen Bereich der Nordeifel stellt die Einrichtung des neuen Knotenpunkts eine Anbindung an die Zentren Köln-Aachen dar“, so Gengel. Zugleich sei der Krekeler Knotenpunkt ein funktechnisches Bindeglied zur Südeifel.

„Wir haben dem Ortsverein Gemünd unseren Mast gern zur Verfügung gestellt“, berichtete Pressesprecherin Kerstin Zimmermann von der „ene“ am Samstagmorgen. „Mit verhältnismäßig kleinen Investitionen kann man damit viel für die Sicherheit in unserer Region leisten. Das ist uns als regionaler Energiedienstleister eine Herzensangelegenheit.“ Und damit niemand „zu Fuß“ den hohen Mast erklimmen musste, habe die „ene“ auch noch einen komfortablen Steigerwagen für die Funkamateure zur Verfügung gestellt und damit die Montage der Antennen erst ermöglicht.

Eifeler Presse Agentur/epa

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