Letzte „autonome Republik“ geht ans Netz

Haus Walbig zwischen Hergarten und Heimbach wird an das Versorgungsnetz der ene-Unternehmensgruppe angeschlossen

„ene“-Projektleiter Marko Mertens (links) schaut fast täglich bei Heinz Bildstein an der Baustelle vorbei. Nur wenige hundert Meter muss der Vlattener noch zurücklegen, dann ist der 1,4 Kilometer lange Graben vollendet. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
„ene“-Projektleiter Marko Mertens (links) schaut fast täglich bei Heinz Bildstein an der Baustelle vorbei. Nur wenige hundert Meter muss der Vlattener noch zurücklegen, dann ist der 1,4 Kilometer lange Graben vollendet. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Heimbach-Hergarten – Wenn man von Hergarten nach Heimbach fährt, dann fällt oben auf der Höhe eine etwas in die Jahre gekommene Scheune und das Gehöft dazu auf: Der ehemalige Gutshof Walbig, in dem einst Landwirte lebten, die dem Rursee weichen mussten. Heute gehört das Gehöft Heinz Bildstein aus Vlatten, der den Hof vermietet hat. „Unsere Mieter wohnen quasi in einer autonomen Republik“, scherzt Bildstein. Denn die Stromversorgung findet bislang einzig und allein über eine Solaranlage sowie über ein Notstromaggregat statt. Das Wasser kommt aus einem Brunnen, und für das Abwasser gibt es vor Ort eine biologische Kläranlage.

„Eigentlich hatte man den Hof schon vor 60 Jahren an die Stromversorgung anschließen wollen“, berichtet Bildstein. Doch das Projekt sei immer wieder aufgeschoben worden. Auch Bildstein selbst hat den Anschluss zehn Jahre vor sich her geschoben. Die Investitionskosten waren einfach zu hoch. Denn der nächste Netzknotenpunkt ist 1,4 Kilometer entfernt, und die Kosten für eine Tiefbaufirma wären erheblich gewesen.

Diesen Anblick kennt fast jeder in der Region: Die alte Scheune auf der Höhe zwischen Hergarten und Heimbach, die mit zu Haus Walbig gehört. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Diesen Anblick kennt fast jeder in der Region: Die alte Scheune auf der Höhe zwischen Hergarten und Heimbach, die mit zu Haus Walbig gehört. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Da half also nur Eigenleistung. Dass Landwirt Bildstein als ein Mann der Tat gilt und sich vor größeren Kraftanstrengungen nicht bange macht, ist bekannt. Aus diesem Grund legt er das Stromkabel jetzt auch einfach selber. Behilflich ist ihm dabei ein Freund, der als Baggerfahrer engagiert wurde. Die beiden Männer sind derzeit von morgens bis abends damit beschäftigt, einen Graben von Haus Walbig bis hinunter nach Heimbach zu ziehen. Größere Felsbrocken, die dem Bagger dabei in die Quere kommen, rückt Bildstein mit der „Hilti“ zu Leibe. Eine wahre Knochenarbeit.

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Dass das Anschlussprojekt nach all den Jahren endlich realisiert werden kann, ist ein Stück weit auch der „ene“ zu verdanken. Projektleiter Marko Mertens, der fast täglich auf der Baustelle nach dem Rechten sieht, kümmert sich nicht nur um die zeitnahe Anlieferung der Kabeltrommeln. Er hat auch einen Kabelabroller besorgt, mit dem das Verlegen der starren und schweren 400-Volt-Leitung wesentlich einfacher vonstattengeht.

„Wir haben dem Landwirt darüber hinaus bei den bürokratischen Hürden geholfen, die Antragsstellung für das Projekt übernommen und werden die Muffen montieren, einen Netzregler installieren und das Kabel letztlich auch in unser Stromnetz einbinden“, berichtete Mertens bei seiner letzten Stippvisite in Haus Walbig.

Einen Teil des 400-Volt-Kabels hat Landwirt Heinz Bildstein bereits verlegt und den Graben wieder zugeworfen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Einen Teil des 400-Volt-Kabels hat Landwirt Heinz Bildstein bereits verlegt und den Graben wieder zugeworfen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

An diesem Vormittag waren Bildstein und sein Kompagnon gerade dabei, einen neuralgischen Punkt zu überwinden. Denn dort, wo der Graben verläuft, kreuzt an einer Stelle auch die europäische Ferngasleitung. Hier durfte der Graben nur unter ständiger Beobachtung eines Gasleitungsfachmanns ausgehoben werden.
Insgesamt, so schätzte Mertens, werde das Projekt den Landwirt gut zweieinhalb Wochen in Beschlag nehmen. Auf die Frage, warum Bildstein sich die Arbeit antue, sagte er: „Wenn man in meiner Generation einen Wald anpflanzt, dann macht man das nicht mehr für sich, sondern für die nachfolgenden Generationen. Genau so ist es hier. Ich mache das nicht für mich, sondern für meine Enkel.“

Und damit man in Haus Walbig auch schon bald kein Grundwasser mehr zu pumpen braucht, legt der ehemalige UWV-Fraktionschef im Rat der Stadt Heimbach auch noch gleich eine Wasserleitung mit in den Graben. „Sicher ist sicher“, sagt er. „Denn wer weiß, wie lange man das Brunnenwasser noch unbesorgt trinken kann.“

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