50 Stationen Eifeler Kulturgeschichte

Buchvorstellung Volkskundlerin Gabriele Harzheim, die unter anderem seit 2006 für das Besucher- und Dokumentationszentrum Vogelsang IP tätig ist, hat ein neues Buch vorgelegt, das die Leser zu geschichtsträchtigen Stätten der Eifel begleitet

50SchauplaetzeEifel – Für viele Menschen ist die Eifel vor allem wegen ihrer Naturschönheiten bekannt. Die Mittelgebirgslandschaft mit ihren dichten Wäldern, großen Stauseen, Maaren und nicht zuletzt dem Nationalpark Eifel lockt vor allem Wanderer in die Region. Doch fast ebenso aufregend und faszinierend ist die Kulturgeschichte dieses Landstrichs. Die Volkskundlerin Gabriele Harzheim beschäftigt sich seit Jahren mit kulturgeschichtlichen Themen und hat bereits zahlreiche Veröffentlichungen dazu vorgelegt. Jetzt hat sie sich mit einem neuen Buch, das im Eifel-Verlag erschienen ist, an 50 Schauplätze Eifeler Geschichte gewagt, um dem Leser an diesen Orten die wechselhafte Vergangenheit der Eifel zu verdeutlichen. Von der Vor- und Frühgeschichte über die Römerzeit bis hin zur Industriegeschichte der Neuzeit reichen dabei ihre Exkursionen.

Ganz bewusst hat sie dabei die gesamte Eifel im Blick. So führt sie den Leser zu den einstigen Siedlungen der Jäger und Sammler in die Kartsteinhöhle bei Mechernich ebenso wie in die Buchenloch-Höhle bei Gerolstein. Einen größeren Raum nimmt die Römerzeit ein, die in den letzten Jahrzehnten durch wiederentdeckte Bauwerke, Siedlungen und Straßen, wie beispielsweise im Archäologischen Landschaftspark in Nettersheim, erneut an Interesse gewonnen hat.

Ob die Römerstaße im Olbrückwald bei Blankenheim, die Villa Otrang bei Fliessem, die Römische Brunnenstube bei Kallmuth oder die Römischen Thermen in Zülpich, zu jedem Schauplatz weiß Gabriele Harzheim Interessantes zu erzählen. Adressen und GPS-Daten machen es darüber hinaus leicht, die geschichtsträchtigen Plätze selbst zu besuchen.

Vielerorts wartet manche Überraschung auf den Leser: So erfährt man, dass beispielsweise auch die Templer ihre Spuren in der Eifel hinterlassen haben. Die Kirche St. Peter und das Schloss in Roth an der Our erinnern an eine Niederlassung der sagenumwobenen Ritter. Der Leser wird auch in das Verlies von Burg Nideggen geführt, wo der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden 1242 etliche Wochen lang gefangen gehalten wurde.

Wenn heute alljährlich die Narren beim Geisterzug in Blankenheim hüpfend durch das Hirtentor ziehen, dann ahnt wohl kaum einer, dass hier in der Regierungszeit von Graf Johann Arnold von Blankenheim-Manderscheid (1606-1644) Hexenprozesse mit körperlicher Folter der Angeklagten stattgefunden haben sollen. An die 150 Menschen wurden anschließend zum Tode verurteilt.

Weitaus aufgeklärter ging es in den Tuchmacherfamilien in Monschau gut 100 Jahre später zu, deren luxuriöses Leben noch heute, zum Beispiel im Roten Haus, bewundert werden kann. Doch Gabriele Harzheim macht die Leser auch auf die Schattenseiten der Tuchfabrikation aufmerksam: Vielköpfige Weberfamilien, sogenannte Hausweber, mussten sich nicht selten einen winzigen Wohnraum teilen, in dem darüber hinaus auch der Webstuhl seinen Platz forderte. Kinder wurden selbstverständlich in den Arbeitsalltag mit eingebunden. An Schulbildung war kaum zu denken.

Auch die Französische Revolution hat zahlreiche Spuren in der Eifel hinterlassen. Es wurden nicht nur Klöster und Kirchen geplündert und geschleift, bei Arzfeld erhob man sich auch mit Heugabeln, Sensen und Knüppeln gegen die Besatzer. Doch beim Zusammentreffen der rund 500 Bauern mit 110 französischen Soldaten ließen am 30. Oktober 1798 an die 33 Eifeler und sieben Franzosen ihr Leben. 32 Bauern wurden darüber hinaus festgenommen und später hingerichtet.

Die Autorin beschreibt auch viele interessante Schauplätze der Neuzeit. Themen sind unter anderem der Bleibergbau in Mechernich, die Brauereien in Mendig, das Jugendstilkraftwerk in Heimbach, das jüdische Leben in der Synagoge Wittlich vor dem Nationalsozialismus sowie eine der größten baulichen Hinterlassenschaften aus der Hitlerzeit: die ehemalige NS-„Ordensburg“ Vogelsang. Alle Schauplätze werden kurz und prägnant vorgestellt. Dabei steht jedoch immer das einstige Leben der Menschen an diesen Orten im Vordergrund.

Gabriele Harzheim versteht es, den Leser für die Lebenswirklichkeit der Generationen vor ihm zu interessieren. Als Volkskundlerin verliert sie sich dabei nicht im Dickicht der Historie, sondern behält stets den Menschen im Blick. Mit dem Buch gelingt es jedem Leser sehr schnell, sich einen Überblick über die Eifeler Kulturgeschichte und vor allem über die Lebensverhältnisse der Eifeler in unterschiedlichen Zeitepochen zu verschaffen. Das Buch lädt darüber hinaus ein, die Schauplätze, an denen die Geschichte bis heute noch greifbar und anschaulich zu erfahren ist, zu besuchen und das Gelesene vor Ort noch weiter zu vertiefen.

Gabriele Harzheim: 50 Schauplätze Eifeler Geschichte entdecken. Eifel-Verlag: Köln 2015. 179 Seiten mit zahlreichen fotografischen Abbildungen. ISBN 978-3-943123-23-4. 12,80 Euro.

Eifeler Presse Agentur/epa

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