„Ich war selbst ein Flüchtling“

Der gebürtige Iraner Morteza Bayat fühlt sich im Herzen als Deutscher und will seine Blausalzgrotte beim „Festival der Kulturen“ auf Burg Satzvey kostenlos für Flüchtlinge und interessierte Bürger öffnen – Erlös verkaufter Gutscheine geht zu 100 Prozent in die Flüchtlingshilfe – Als iranischer Nationalspieler bei Wettkampf in Berlin geflohen

Inmitten von 40 Tonnen Salz aus der iranischen Wüste: Morteza Bayat, der sich im Herzen als Deutscher fühlt, will seine Salzgrotte nutzen, um Flüchtlingen konkrete Hilfen und etwas Entspannung zu bieten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Inmitten von 40 Tonnen Salz aus der iranischen Wüste: Morteza Bayat, der sich im Herzen als Deutscher fühlt, will seine Salzgrotte nutzen, um Flüchtlingen konkrete Hilfen und etwas Entspannung zu bieten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Mechernich-Satzvey – „Ich war selbst ein Flüchtling“, berichtet Morteza Bayat, Diplom-Sportwissenschaftler und Inhaber der Blausalzgrotte in der Burg Satzvey. Vor rund 20 Jahren ist das damalige Mitglied der iranischen Nationalmannschaft im Wasserballsport bei der Olympia-Qualifikation in Berlin geflohen. Mit nichts als Sportkleidung am Leib ist er direkt vom Hotel zur Polizei, ohne auch nur ein einziges deutsches Wort zu können. Heute ist Bayat Inhaber mehrerer Firmen und so erfolgreich, dass er anderen Menschen helfen kann und will.

„Deshalb beteiligen wir uns am Festival der Kulturen. Nur durch den Dialog können sich Menschen aus verschiedenen Kulturen näherkommen“, so Bayat. Das internationale Begegnungsfest soll am kommenden Wochenende, 26. und 27. September, jeweils ab 10 Uhr auf der Burg Satzvey stattfinden Mit einem bunten Mix aus Musik, Tanz, Kunst, Kinderunterhaltung und Marktgeschehen sollen sich Flüchtlinge und Bürger bei der Fete, die unter anderem durch die Unterstützung der Bürgerstiftung der Kreissparkasse Euskirchen ermöglicht wurde, an diesen Tagen näher kennen lernen.

Zwei Tage der Offenen Tür bietet Morteza Bayat, Inhaber der Blausalzgrotte auf Burg Satzvey, zum „Festival der Kulturen“ an. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Zwei Tage der Offenen Tür bietet Morteza Bayat, Inhaber der Blausalzgrotte auf Burg Satzvey, zum „Festival der Kulturen“ an. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Morteza Bayat: „Ich kann mich noch gut an die Angst nach meiner Flucht erinnern. Die Ungewissheit, ob ich in Deutschland würde bleiben dürfen, war schrecklich.“ Deshalb möchte er den Flüchtlingen beim Festival der Kulturen ein wenig Entspannung bieten: „Wir haben an beiden Tagen geöffnet, bieten kostenlos einen Besuch unserer Räumlichkeiten an und begrüßen die Gäste mit einem Glas persischem Tee und Süßigkeiten“, so der Sportökonom. Dabei können die Besucher auch gleich den ältesten Teil der Burg erleben, denn die Salzgrotte ist mit über 40 Tonnen seltenem Blausalz, das aus der persischen Wüste stammt, im historischen Kern der Burg aus dem 13. Jahrhundert entstanden.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Ritterfestspiele auf Burg Satzvey präsentieren "König der Schwerter"

Den Erlös sämtlicher Gutscheine, die er an diesem Wochenende verkauft, will Bayat der Flüchtlingshilfe vor Ort zukommen lassen. Außerdem soll künftig ein Anteil von fünf Euro von jeder Mitgliedschaft, die für den regelmäßigen Besuch in der Blausalzgrotte abgeschlossen wird, ebenfalls an die Flüchtlingshilfe gehen.

Darüber hinaus baut Bayat kostenlose Sprachkurse für Anfänger auf. Diese sollen ebenfalls in seinem „Saltan“, wie er die stilvoll hergerichteten Räume im historischem Burgkern getauft hat, stattfinden. Bayat: „Ich habe nach zwei Jahren Sprachkursus mein Studium an der Sporthochschule in Köln begonnen, ich weiß, wie wichtig Sprachkenntnisse sind.“

Er will einfach helfen: „Wir reparieren auch gespendete Fahrräder und stellen sie Flüchtlingen zur Verfügung. Dadurch bewegen sie sich, lernen die Gegend kennen und können ein wenig ihrem Alltag entfliehen.“ Morteza Bayat ist Vorsitzender des Vereins „Orient & Okzident“, der sich für Verständigung zwischen den Kulturen einsetzt, und sucht noch die Möglichkeit, Schwimmkurse für Flüchtlinge zu geben: „Sport ist eine wunderbare Sache, um sich unabhängig von Religion oder Politik näherzukommen.“ Da Bayat nicht nur ausgebildeter Schwimmlehrer ist, sondern auch noch sieben Sprachen spricht, darunter Arabisch, Kurdisch und Persisch, fehlt ihm nur noch ein Schwimmbad, das bereit ist, ihm ein paar Stunden einzuräumen.

Auf die Frage, was ihm durch den Kopf geht, wenn er die Bilder aus Syrien sieht, ist er sichtlich tief betroffen. „Man kann das nicht in Worte fassen“, sagt er schließlich und berichtet, dass er auch nach 20 Jahren immer wieder einmal aus einem Alptraum hochfährt, voller Angst, wieder in solche Zustände zurückkehren zu müssen. „Diktatoren sind gnadenlos, wenn man nicht nach deren Musik tanzt, hat man keine Chance und muss Todesängste erleiden“, so der Familienvater mit zwei Kindern.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Narrenauflauf im Sparkassen-Hauptquartier

Deshalb hat er auch stets etwas gemischte Gefühle, was die Ritterspiele auf Burg Satzvey angeht: „Mich erinnert das Spektakel zu sehr an kriegerische Auseinandersetzungen. Wer so etwas einmal in der Realität erlebt hat, für den verändert sich die Wahrnehmung.“ Deshalb setzt er in der Burg Satzvey nicht auf eine solche Art der Unterhaltung, sondern bietet nach dem Motto „Leben lassen, um zu überleben“ im „Saltan“ Seminare zu Atem- und Entspannungstechniken, gesundem Schlaf sowie sportwissenschaftlichen Themen an und veranstaltet auch Klangschalenkonzerte.

„Die Flüchtlinge müssen erst einmal hier ankommen, diese Kultur kennenlernen und ihre Ängste verlieren. Deshalb hoffe ich, dass viele Menschen das Festival der Kulturen besuchen und sich näherkommen“, betont Morteza Bayat. Bis er auch kulturell in Deutschland angekommen war, seien mehrere Jahre vergangen, mittlerweile sei er im Herzen aber Deutscher. Bayat: „Diese Möglichkeit haben Flüchtlinge aber nur, wenn wir ihnen die Chance dazu geben und sie unterstützen.“

Eifeler Presse Agentur/epa

Kommentar verfassen