Riesenparty für den Postboten

Von Reiner Züll  (mit Bildergallerie) Seit 1990 trägt Peter Evertz tagtäglich, bei Wind und Wetter, Briefe und Pakete aus. jetzt wurde er dafür von der Wahlener Dorfgemeinschaft geehrt

Nachdem er aus dem Lieferwagen ausgesteiegen war, fand Peter Evertz angesichts des Menschenauflaufs zunächst keine Worte. Foto: Reiner Züll
Nachdem er aus dem Lieferwagen ausgestiegen war, fand Peter Evertz angesichts des Menschenauflaufs zunächst keine Worte. Foto: Reiner Züll

Kall-Wahlen – Im hessischen Worfelden gab es im Juli einen riesigen Aufstand der Einwohner, als ihr Postzusteller nach fast 30-jähriger Tätigkeit als Briefträger im Ort in einen anderen Bezirk versetzte werden sollte. Eine Demonstration sowie 2000 Unterschriften und selbst der Einsatz des Bürgermeisters und des Pfarrers konnten nicht verhindern, dass der Postbote künftig in einem anderen Bezirk Briefe und Pakete zustellen muss.

Peter Evertz genoss neben seiner Tochter die Fahrt in der Kutsche. Foto: Reiner Züll
Peter Evertz genoss neben seiner Tochter die Fahrt in der Kutsche. Foto: Reiner Züll

Eine ähnliche Demonstration mit einem besseren Ausgang für ihren beliebten Postzusteller fand am Samstagmittag in Wahlen statt – mit Musik, einem Umzug und einer Kundgebung im Bürgerhaus.
Allerdings ging es dabei nicht um die Versetzung ihres Briefträgers Peter Evertz. Vielmehr wollte sich die Dorfgemeinschaft damit auf eine recht spektakuläre Weise bei ihrem treuen Zusteller, den man in Wahlen liebevoll „Peterspost“ nennt, bedanken.

Seit dem 1. September 1990 trägt Peter Evertz tagtäglich, bei Wind und Wetter, in Wahlen Briefe und Pakete aus. Und das so pünktlich, dass man fast die Uhr nach ihm stellen könnte. Deshalb hatten sich die Wahlener jetzt zum 25-Jährigen etwas ganz Besonderes ausgedacht. Es wurde ein Fest organisiert, das hinter verschlossenen Türen als geheime Kommandosache behandelt wurde.

Vieler Wahlener folgten den Stehtischmusikanten zum Bürgerhaus. Foto: Reiner Züll
Vieler Wahlener folgten den Stehtischmusikanten zum Bürgerhaus. Foto: Reiner Züll

Peter Evertz war am Samstag denn auch völlig überrascht, als er gegen 12.30 Uhr die Post im Getränkeshop Rosenbaum zustellen wollte und dort mit einem „Hoch soll er leben“ von der Wahlener Musikkapelle „Stehtischmusikanten“ und dem Beifall einer 70-köpfigen Gratulanten-Schar empfangen wurde.

Mittendrin auch Evertz‘ Ehefrau Brunhilde und Tochter Nina, die zwar in die Aktion eingeweiht worden waren, aber die, wie auch alle anderen Wahlener, bis zur letzten Sekunde „dicht“ gehalten hatten.
Getränkeshop-Inhaberin Marianne Rosenbaum, die die Aktion mit einigen Mistreiterinnen und Helfern organisiert hatte, verkündete dem völlig irritierten Postboten, dass sein Arbeitstag als „Peterspost“ ab sofort zu Ende sei, und stattdessen sein Wahlen-Jubiläum im Bürgerhaus groß gefeiert werde. Auf die Frage „un wat es met de Poss?“, konnten die Wahlener eine ganz klare Antwort geben, denn sie hatten dafür gesorgt, dass keiner in Wahlen an diesem Sonntag ohne Post blieb.

"Danke! Deutsche Peterspost - 25 Jahre" steht auf dem großen Poster, das die Dorfgemeinschaft für ihren Postboten angefertigt hatten. Anja und Ralf Schumacher standen in Postuniform parat, um die weitere Postzustellung im Ort für ihren Kollegen zu übernehmen. Foto: Reiner Züll
„Danke! Deutsche Peterspost – 25 Jahre“ steht auf dem großen Poster, das die Dorfgemeinschaft für ihren Postboten angefertigt hatte. Anja und Ralf Schumacher standen in Postuniform parat, um die weitere Postzustellung im Ort für ihren Kollegen zu übernehmen. Foto: Reiner Züll

Mit dem Ehepaar Anja und Ralf Schumacher, die beide als Zusteller bei der Deutschen Post DHL beschäftigt und Kollegen von Peter Evertz sind, hatten Rosenbaum & Co für professionellen Zusteller-Ersatz gesorgt. Zur Dienstübernahme standen beide in ihrem Post-Outfit parat. Noch immer fassungslos von dem Geschehen übergab Evertz den Autoschlüssel an Ralf Schumacher und zeigte ihm die vielen Briefe und Pakete die noch zugestellt werden mussten.
„Jetzt weiß ich auch weshalb Du das Foto von mir gemacht hast“ meinte Evertz zu Mitorganisator Ralf Klöckner, der den Postmann vor einigen Wochen vor seinem gelben Dienstfahrzeug abgelichtet hatte. Von diesem Foto hatten die Wahlener ein großes Poster anfertigen lassen mit der Aufschrift „Deutsche Peterspost – 25 Jahre“ und einer Fußzeile mit einem großen Schriftzug „Danke“.

Nachdem die Kapelle „Stehtischmusikanten“ noch einige Ständchen gebracht hatten, setzte sich der Umzug mit der Musikkapelle und den Wahlenern vom Getränkeshop in Richtung Bürgerhaus in Bewegung. Peter Evertz und seine Tochter brauchten nicht zu Fuß zu gehen. Sie wurden in einer kleinen mit Posthörnern verzierten Kutsche gefahren, die von zwei Eseln gezogen wurde, die auf das Kommando ihres Besitzers Werner Scherer gehorchten. Zuschauer am Straßenrand klatschten ihrem beliebten Postboten Beifall.
Weitere Wahlener warteten am Bürgerhaus auf die Ankunft des Jubilares und der Gratulantenschar. Im Bürgerhaus selbst waren die Tische festlich gedeckt und eine Thekenmannschaft stand zur Bewirtung der Gäste mit Freibier parat. Zum Mittagessen war ein opulentes warmes Buffet aufgebaut, das Wahlener Frauen zubereitet hatten. Nachmittags gab es zur Musik der Stehtischmusikanten Kaffee und Kuchen.

„Ich bin total überwältigt“, bedankte sich Peter Evertz bei den Wahlenern, die er schließlich alle bestens kennt. Er habe absolut nichts von dieser Überraschung gewusst. „Die haben alle ganz schön dicht gehalten“, so Evertz. Er sei nunmehr seit 42 Jahren bei der Post, davon 25 Jahre lang für die Zustellung in Urft, Steinfeld und Wahlen zuständig.

Im letzten Jahr habe er zwar einmal beiläufig verlauten lassen, dass er in diesem September auf eine 25-jährige Postzustellung in Wahlen zurückblicken könne. Evertz: „Ich hatte gedacht, das hätten die Wahlener längst vergessen“. Am Samstag wurde der treue Postbote jedoch eines Besseren belehrt.

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