Verbeugung vor der geheimnisvollen Musik Brasiliens

Von Elisabeth Geschwind Künstler Naoto überzeugte mit seiner Yoyo-Show – Im Ameron Parkhotel begeisterte das Ulla Haesen Quartett und das Trio „Lush Life“ das Publikum

Das Ulla Haesen Quartett (rechts) und das Trio Lush Life gastierten während der Kulturnacht im Ameron Parkhotel. Bild: Elisabeth Geschwind/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Ulla Haesen Quartett (rechts) und das Trio Lush Life gastierten während der Kulturnacht im Ameron Parkhotel. Bild: Nicole Dembour-Schillo

Euskirchen – Die 9. Euskirchener Kulturnacht lockte erneut mit Musik, Theater, Kabarett und Artistik in die Kreisstadt. Geboten wurden 27 Darbietungen an 16 verschiedenen Orten. Im Saal des City-Forums beispielsweise fand die Yoyo–Show des Künstlers Naoto statt, der seinen Auftritt mit einem Kinderspielzeug bestritt.

Es war nicht nur die äußerst professionelle Art, mit der Naoto in zahlreichen Varianten mit dem Yoyo umzugehen wusste, sondern bei ihm paarte sich gewissermaßen höchst artifizielle körperliche Bewegungskunst, die manchmal an Michael Jackson erinnerte, mit buddhistischer Achtsamkeit. Selbst die Pippi-Langstrumpf-Intermezzi ordneten sich seiner hochmusikalischen, hochkonzentrierten Leichtfüßigkeit in jedem Sinne unter. Der tobende Schlussapplaus entlockte Naoto ein langes, fröhliches und ganz „unprofessionelles“ Lächeln.

Im Ameron Parkhotel Euskirchen spielten gleich zwei Bands abwechselnd auf je einer Seite des großen Tagungsraums, nämlich das Ulla Haesen Quartett und das Trio Lush Life.

Im Saal des City-Forums fand die Yoyo–Show des Künstlers Naoto statt, der seinen Auftritt mit einem Kinderspielzeug bestritt. Bild: Elisabeth Geschwind/Eifeler Presse Agentur/epa
Im Saal des City-Forums fand die Yoyo–Show des Künstlers Naoto statt, der seinen Auftritt mit einem Kinderspielzeug bestritt. Bild: Elisabeth Geschwind/Eifeler Presse Agentur/epa

Lush-Life-Sängerin Julia Zipprick und die Pianistin Laia Genc kennen sich seit den gemeinsamen Studienzeiten an der Kölner Hochschule für Musik. Auf Nachfrage erzählten sie, dass es eine Anfrage an Julia Zipprick vor knapp zwei Jahren war, die das Trio zusammengeführt habe. Markus Braun am Kontrabass breitete den Klangteppich mit Groove und musikalischem Witz unter die pianistische Brillanz von Genc und der Sangeskunst von Zipprick. Das Trio hatte für den Abend einige eigene Lieblingslieder zusammengestellt, von denen man wünschte, dass sich auch die Zuhörer daran erfreuten. „Es ist eine lustige Mischung“, so Julia Zipprick. Die „Mischung“ bestand denn auch aus ihren eigenen Liedern sowie unter anderem verfremdeten Coverversionen von Holly Cole- und Hildegard Knef-Stücken, denen das Trio sein sehr eigenes kluges Augenzwinkern gab. Mal glaubte man ein „Salonorchester“ zu hören, mal hatte man den ewigen Sehnsuchtsschmelz eines Liebeslieds im Ohr, dann wieder galoppierte „Lady Madonna“ scheppernd lachend über die Bühne.

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Die drei Künstler und die Eigen-Art ihrer Kunst fügten sich zusammen wie Puzzlestücke unterschiedlicher Farbe und Textur, die die pure Lust am prallen, saftigen Dasein atmete, dem „Lush Life“ eben.

Im selben Saal gegenüber spielte das Ulla Haesen Quartett. Die vier Musiker ließen sich nur schwer eingrenzen, bei jedem Stück bezog sich ihr Spiel anders auf einen der Partner. Um das „Kernduo“, Ulla Haesen und ihren Bassisten Wilhelm Geschwind, gingen Jorge Brasil an seinen Perkussionsinstrumenten und Gabriel Perez an Querflöte, Klarinette, Alt- und Sopransaxophon verhaltend schwebend den Kompositionen von Ivan Lins bis Baden Powell und Carlos Jobim nach. In ihrem Spiel bewegten sie sich tastend aufeinander zu. Die Dramaturgie des ersten und dritten Sets des Quartetts war dafür kennzeichnend: Mit einer „Anrufung“ setzte Jorge Brasil ein, völlig ungewohnt für normale Hörgewohnheiten, laut, fordernd, fast polternd und ganz langsam und fast unhörbar zuerst wurde sie aufgefangen und als Samba weiter geleitet.

Wie bei einem kunstvollen Aquarell vermischte sich das Spiel der einzelnen Musiker an den Rändern, eine „Farbe“ wies auf die andere hin, eine lehnte sich an die andere; jeder der Musiker ließ dem anderen Raum, sich klanglich zu entfalten, auf seine ganz eigene Weise. Deutlich im Vordergrund des Quartettes stand dabei stets die Verbeugung vor der feinst verwobenen geheimnisvollen Musik Brasiliens.

Die Zuhörer waren von beiden Bands so angetan, dass sie nach jedem Set einfach nur die Stühle zur anderen Bühne drehten. Auch die Musiker selbst hörten interessiert ihren Kollegen und deren Darbietungen aufmerksam zu.

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