40 Jahre Einsatz für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung

Nordeifel-Werkstätten feiern Jubiläum im City-Forum Euskirchen – „Maßgeblich zum Prozess der Einbindung von Menschen mit Behinderung beigetragen“ – 2500 Euro „Geburtstagsgeschenk“ von der Kreissparkasse Euskirchen – Waren und Dienstleistungen müssen Vergleich mit der freien Wirtschaft nicht scheuen

Ein großes Fest für und mit den rund 1000 Mitarbeitern feierten die Nordeifel-Werkstätten im City Forum. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Ein großes Fest für und mit den rund 1000 Mitarbeitern feierten die Nordeifel-Werkstätten im City Forum. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Kleine Staus durch Busse verschiedenster Größen und lange Schlangen am vergangenen Donnerstagmorgen ließen ahnen, dass etwas Besonderes im City-Forum Euskirchen stattfand: Über 1000 Gäste waren gekommen, um vier Jahrzehnte Nordeifel-Werkstätten (NEW) zu feiern.

Die wichtigsten Gäste dabei waren die Menschen mit Behinderung, die in den vier Standorten der NEW Zülpich, Euskirchen, Kall und Nettersheim ihren Dienst versehen, wie Josef C. Rhiem, Verwaltungsratsvorsitzender der NEW, betonte: „Sie sind Herz und Hand der Nordeifelwerkstätten, und wenn ich die Werkstätten besuche, treffe ich dort Menschen, die voller Freude dort ihren Dienst versehen!“

NEW- Verwaltungsratsvorsitzender Josef C. Rhiem bedankte sich bei Miele und Sponsoren wie der Kreissparkasse Euskirchen für die Unterstützung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
NEW- Verwaltungsratsvorsitzender Josef C. Rhiem bedankte sich bei Miele und Sponsoren wie der Kreissparkasse Euskirchen für die Unterstützung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Rund 1100 Menschen mit körperlicher, psychischer oder seelischer Beeinträchtigung arbeiten bei der NEW. Erklärtes Ziel ist nicht nur die berufliche Integration, sondern auch die soziale. Die Qualität der Dienstleitungen und produzierten Waren ist dabei so hoch, dass sie sich mit der aus der freien Wirtschaft messen kann. Rhiem: „Ich möchte mich bei allen Kunden bedanken, stellvertretend bei Miele, die seit Beginn mit dabei sind.“

Auch bei den Förderern und Sponsoren bedankte sich der Verwaltungsratvorsitzende und Ehrenbürgermeister Zülpichs: „So habe ich gerade Rita Witt von der Kreissparkasse Euskirchen gesehen, ihre fortwährende Unterstützung ist sehr wertvoll.“ Die Direktorin des Vorstandsekretariats der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) war auch diesmal nicht mit leeren Händen gekommen und hatte NEW-Geschäftsführer Wilhelm Stein einen Scheck über 2500 Euro zukommen lassen.

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Die NEW hätten einen großen Anteil am gesellschaftlichen Wandel in Bezug auf die Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen, so die stellvertretende Landrätin Dr. Sabine Dürhold. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die NEW hätten einen großen Anteil am gesellschaftlichen Wandel in Bezug auf die Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen, so die stellvertretende Landrätin Dr. Sabine Dürhold. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Am 1. Oktober 1975 öffnete die erste Werkstatt für Menschen mit Behinderung im Kreis Euskirchen in einem ehemaligen Schulgebäude in Zülpich-Dürscheven ihre Pforten. Dr. Sabine Dirhold, stellvertretende Landrätin des Kreises Euskirchen, sagte in ihrem Grußwort: „Derzeit wurden Menschen mit Behinderung noch oft von der Öffentlichkeit ferngehalten. Dass sich die Einstellung zu Menschen mit Behinderung in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat, ist einem Prozess zu verdanken, an dem die Nordeifel-Werkstätten maßgeblich beteiligt waren.“

Die NEW bieten verschiedenste Arbeitsstellen je nach Fähigkeiten und Vorlieben der jeweiligen Mitarbeiter. So ist am Standort Nettersheim-Zingsheim Holzbearbeitung und Saunabau Programm, in Euskirchen-Kuchenheim nimmt Logistik einen weiten Raum ein. Wer lieber draußen arbeitet, findet im Garten- und Landschaftsbau dazu Möglichkeiten. Metallverarbeitung, Verpackung, Druck von Flyer bis Kugelschreiberbeschriftung, eine Großkantine, die über 1000 Essen täglich für NEW-Angehörige, aber auch Schulen und Kindergärten erstellt, zwei Lebensmittelmärkte und der Betrieb der Kantinen der Kreissparkasse Euskirchen, des Finanzamts Euskirchen und der Cafeteria des Thomas-Eßer-Berufskollegs und neuerdings sogar eine Bonbon-Manufaktur sowie die Lager- und Logistik-Tochterfirma „Eu-Log“ bieten ein breites Spektrum an Tätigkeiten.

Birgit König (v.l.) und Renate Honert wurden von Josef Rhiem für 40 Jahre Mitarbeit bei den NEW ebenso geehrt wie Marlies und Doris Falkenstein. Bruno Grobelny (v.r.) ist sogar Gründungsmitglied gewesen, wie NEW-Geschäftsführer Wilhelm Stein berichtete. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Birgit König (v.l.) und Renate Honert wurden von Josef Rhiem für 40 Jahre Mitarbeit bei den NEW ebenso geehrt wie Marlies und Doris Falkenstein. Bruno Grobelny (v.r.) ist sogar Gründungsmitglied gewesen, wie NEW-Geschäftsführer Wilhelm Stein berichtete. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Dabei ermöglicht die NEW im besten Fall den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt, wie beispielsweise bei der ehemaligen NEW-Angehörigen Daniela Fehse, die bei der Gemeinde Kall am Empfang arbeitet und von den Gemeindemitarbeitern für ihren freundlichen Umgang mit den Kunden hoch gelobt wird.

Wilhelm Stein: „Wenn man diesen Menschen etwas zutraut und ihnen eine Chance gibt, werden sie die Chance ergreifen und Leistungen erbringen, die man von ihnen vorher vielleicht gar nicht erwartet hätte.“ Stein kann auf ein florierendes Unternehmen blicken. 1975 begannen die NEW mit 22 Menschen mit Behinderung. Bereits fünf Jahre später wird in Zülpich-Ülpenich eine Werkstatt für 150 beschützte Arbeitsplätze errichtet, die 1981 bezogen wurde. Die Werkstatt wurde 1990 und 1999 in zwei Bauabschnitten auf 330 Plätze erweitert.

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Die Nordeifel-Werkstätten Tanzgruppe „NEW-Dancers“ sorgten für eine peppige Showeinlage. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
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1984 erwarben die Nordeifel-Werkstätten ein leer stehendes Industriegebäude in Nettersheim-Zingsheim, das nach zweijähriger Bauzeit eine weitere Werkstatt mit 80 Arbeitsplätzen bot. Diese wurde1992 um weitere 80 Arbeitsplätze erweitert. Im Schreinereibereich wurden erste Saunakabinen als Eigenprodukt der Nordeifelwerkstätten hergestellt, die zunächst an Baumärkte und später über Fachhändler vertrieben wurden.

2002 wurde dort eine neue Holzfertigungswerkstatt errichtet, 2009 um eine neue Werkhalle erweitert. Am Standort Zingsheim stehen damit 250 Werkstattplätze zur Verfügung.

1997 wurde im ehemaligen belgischen Kasino in Euskirchen eine Werkstatt für Menschen mit seelischen Erkrankungen und Behinderungen mit zunächst 60 Werkstattplätzen eröffnet. Der Zuspruch ist so groß, dass eine Erweiterung notwendig wurde, die man in Euskirchen-Kuchenheim umsetzte: Nach 18-monatiger Bauzeit konnte die Werkstatt in Kuchenheim mit 85 Plätzen fertiggestellt und eingeweiht werden. Die Werkstatt wurde durch den Neubau weiterer Hallen und die Anmietung von Nachbargebäuden bis heute auf 300 Plätze erweitert.

1995 mieteten die NEW einen leerstehenden Betrieb im Kaller Gewerbegebiet an und eröffneten eine weitere Zweigwerkstatt (45 Plätze) für seelisch Behinderte. Die Werkstatt wurde durch Anbauten in 2000 und den Bau einer Werkhalle in 2014/2015 stetig erweitert.

2009 wurde das Integrationsunternehmens „EuLog Service gemeinnützige GmbH“ in Kuchenheim gegründet. Als weitere Tätigkeitsfelder wurden in 2013 handwerkwerkliche Dienstleistungen und in 2014 ein CAP-Lebensmittelmarkt in Kuchenheim aufgebaut. Es arbeiten aktuell 50 Personen im Integrationsunternehmen.

Einen Rückschlag gab es am 2. Juni 2011, als ein Großbrand 3.000 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche mit Sanitär- und Sozialräumen am NEW Standort Ülpenich zerstört. Der Wiederaufbau dauerte zwei Jahre.

2012 startete der Fachdienst „NEW-JOB“, der Außenarbeitsplätze der NEW in Fremdunternehmen begleitet und betreut. Aktuell werden 30 Einzelarbeitsplätze und eine gleiche Anzahl von Praktika von vier JOB-Coaches betreut. 2014 öffnete der Nahversorgungsmarktes „NimmEssMit“ im Zentrum von Bad Münstereifel seine Pforten.

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Von Anbeginn mit dabei war Bruno Grobelny, eines der Gründungsmitglieder. Dieser wurde von NEW-Geschäftsführer Stein und Josef Rhiem ebenso geehrt wie die Mitarbeiterinnen Doris und Marlies Falkenstein, Birgit König und Renate Honert, die den NEW seit vier Jahrzehnten die Treue halten.

Die Reden wurden von Gebärdendolmetschern live übersetzt, da einige der NEW-Mitarbeiter Gehöreinschränkungen haben. Als besonderer Showact trat die Nordeifel-Werkstätten Tanzgruppe „NEW-Dancers“ auf, die sich den kräftigen Applaus des Publikums mit drei schwungvollen Choreografien verdiente.

Eifeler Presse Agentur/epa

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