Krischer nennt Wiederanfahren belgischer Reaktoren „Russisch-Roulette“

Zur Stromversorgung seien die „Schrottreaktoren“ nicht erforderlich, europaweit gebe es erhebliche Überkapazitäten bei der Stromerzeugung, so der Bundestagsabgeordnete aus Düren

Sieht so ein modernes Atomkraftwerk aus? Nicht nur Bürger haben da so jhre Zweifel. Bild: Robert Schallehn
Sieht so ein modernes und sicheres Atomkraftwerk aus? Grünen-Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer äußert massive Zweifel. Bild: Robert Schallehn

Düren/Eifel – Die Belgische Atomaufsicht FANC hat jetzt angekündigt, dass der Betreiber Electrabel die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 wieder in Betrieb nehmen darf. Der Betrieb für Tihange 2 bis zum 1. Februar 2023 und für Doel 3 bis zum 1. Oktober 2022 wurde damit erneut bestätigt. Die Druckbehälter beider Blöcke sollen tausende Risse aufweisen, deren Ursache bis heute nicht geklärt ist. Wegen dieser Rissse waren die beiden Blöcke vor anderthalb Jahren still gelegt worden. AKW-Betreiber Electrabel habe aber jetzt laut FANC überzeugend nachgewiesen, dass von den Reaktoren keine unmittelbare Gefahr ausgehe.

Dazu der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer: „In Tihange und Doel zwei Reaktoren mit tausenden Rissen im Reaktordruckbehälter wieder in Betrieb zu nehmen, ist Russisch-Roulette. Selbst Atomkraftfreunde haben das in Vergangenheit als unverantwortlich bezeichnet. Niemand würde ein neues Atomkraftwerk mit tausenden Rissen im wichtigsten Bauteil in Betrieb nehmen.“

Wie die belgische Atomaufsicht FANC dies bei Jahrzehnte alten Reaktoren begründe, bleibe ihr Geheimnis. Ganz offensichtlich sei der FANC der Profit des Betreibers Elektrabel wichtiger als der Schutz der Menschen in der Region. „Das stellt die Unabhängigkeit der Behörde noch mehr infrage. Zur Stromversorgung sind die Schrottreaktoren nicht erforderlich, denn europaweit gibt es erhebliche Überkapazitäten bei der Stromerzeugung“, so Krischer weiter.

Leider versäume es auch die Bundesregierung immer wieder, gegenüber Belgien Klartext in Sachen Tihange und Doel zu reden. So könne die belgische Regierung sich leicht hinter dem Schweigen aus Berlin verstecken. In den Atomkraftwerken Tihange und Doel reihe sich seit Jahren ein Skandal an den nächsten: „Tausende Risse im Reaktordruckbehälter, der Fund einer scharfen Bombe aus dem Ersten Weltkrieg neben dem Reaktor, literweise Wasserverlust aus dem Reaktorbecken, dutzende Pannen und Notabschaltungen, fehlender Schutz gegen das Hochwasser der Maas und gegen Flugzeugabstürze, das hohe Alter der Reaktoren und auch noch eine nicht vorhandene Sicherheitskultur der Mitarbeiter sind Argumente genug, in Doel und Tihange endlich Schluss zu machen“, fordert Krischer.

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Atomkraftwerke seien auch potenzielle Ziele für Terroristen. Und nicht erst seit dem Wochenende sollte auch das, so Krischer, ein starkes Argument fürs dauerhafte Abschalten sein.
Das belgische AKW Tihange befinde sich nur 60 Kilometer westlich von Aachen. Passiere dort ein Unfall, bestehe für das gesamte Rheinland und darüber hinaus große Gefahr, so Krischer abschließend. (epa)

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