Feldhamster ist Wildtier des Jahres 2016

Anzahl der überwinternden Feldhamster bei Zülpich hat sich seit 2010 von 191 auf nur noch 22 Tiere im vergangenen Jahr verringert

Der Feldhamster wurde zum Wildtier des Jahres 2016 ernannt. Bild: A. Schulte/BUND Kreisgruppe Düren
Der Feldhamster wurde zum Wildtier des Jahres 2016 ernannt. Bild: A. Schulte/BUND Kreisgruppe Düren

Zülpich – Die Mitglieder der „Schutzgemeinschaft Deutsches Wild“ haben den Feldhamster zum Wildtier des Jahres 2016 gewählt. Der Feldhamster wurde damit nach 1996 bereits zum zweiten Mal zum Wildtier des Jahres gekürt. In Deutschland existieren heute lediglich vier Verbreitungsschwerpunkte dieser nach europäischem und nationalem Recht streng geschützten und in der Roten Liste der gefährdeten Arten als vom Aussterben bedroht eingestuften Säugetierart. Einer dieser verbliebenen Rückzugsräume befindet sich in der Zülpicher Börde.

Der Feldhamster hat einen gelb-braunen Rücken, einen schwarzen Bauch, weiße Pfoten und weiße Flecken an Kopf und Seite. „Das Wildtier des Jahres 2016 ist ein ebenso ungeselliger wie verschlafener Bursche, der von Oktober bis März Winterschlaf hält“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises Euskirchen. Seine Heimat ist die offene Bördelandschaft mit tiefgründigen, grabbaren Lößböden. Hier legen die überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere ihre bis zu zwei Meter tiefen unterirdischen Baue an.

„Bis in die 1960er Jahre wurde der Lebensraum des Hamsters durchdie landwirtschaftliche Tätigkeit erweitert und gesichert. Heute wird sie dem Kulturfolger zum Verhängnis“, heißt es weiter. Moderne landwirtschaftliche Produktionsmethoden mit verlustfreier Erntetechnik und dem direkt nach der Ernte erfolgenden Umbruch der Getreidefelder hätten zur Folge, dass dem Hamster keine Deckung vor Feinden, keine ausreichende Nahrung zur Verfügung stehe und er als Folge auch nicht genügend Vorräte für den Winter sammeln könne. Auch der Einsatz von Bioziden, der Anbau von Feldfrüchten mit später Deckung, die Zerschneidung des Lebensraumes und der zurückgehende Wintergetreideanbau, zugunsten der Energiepflanzen Raps und Mais, würden zum Rückgang beitragen.

Der Feldhamster gilt als wichtiger „Bio-Indikator“ für den Zustand der Umwelt. Das heißt, er zeigt an, wie es um die Natur bestellt ist. Wo er zuhause ist, gibt es auch Existenzmöglichkeit für zahlreiche andere Tierarten.

„Der Feldhamster ist ein besonders deutliches Beispiel dafür wie, verursacht durch den Menschen, eine Tierart die noch vor 50 Jahren in sehr großen Beständen vorkam und sogar als Schädling bekämpft wurde heute vom Aussterben bedroht ist“, so der Kreis weiter.

Ehemals sei der Feldhamster in der offenen, weiträumigen Bördelandschaft westlich des Rheins stark verbreitet gewesen. Aktuell gebe es in Nordrhein-Westfalen nur noch am südlichen Stadtrand von Zülpich eine kleine, extrem gefährdete Feldhamsterpopulation. Die Anzahl der überwinternden Feldhamster bei Zülpich habe sich seit 2010 mit 191 Tieren auf nur noch 22 Tiere im letzten Jahr verringert. „Unbemerkt von der Öffentlichkeit verschwindet damit in Nordrhein-Westfalen gerade eine Leitart der Agrarlandschaft“, so der Kreis abschließend. (epa)

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