Klimaschutz durch Wasserstoff

Landrat Günter Rosenke ließ bei seinem traditionellen Neujahrsempfang regionale Wege aus dem globalen Klimawandel aufzeigen – Boris Jermer vom Technologienetzwerk HyCologne aus Hürth referierte über Wasserstoff

Landrat Günter Rosenke nutzt seit einigen Jahrens seinen Neujahrsempfang, um drängende Themen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken – dieses Mal war es der Klimaschutz. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landrat Günter Rosenke nutzt seit einigen Jahrens seinen Neujahrsempfang, um drängende Themen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken – dieses Mal war es der Klimaschutz. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Presse trafen sich am Freitagabend im Kreishaus Euskirchen beim nunmehr 22. Neujahrsempfang von Landrat Günter Rosenke und seiner Frau Karin. Traditionellerweise kümmerten sich die Eifeler Landfrauen um das Wohl der Gäste und eine Band – in diesem Jahr war es die A-cappella-Gruppe „Häzzblood“ – sorgt für den musikalischen Rahmen. Mehr Tradition gibt es aber nicht, der Rest ist stets neu und überraschend. Nach dem Thema „Organspende“ im vergangenen Jahr konfrontierte der Landrat seine Gäste in diesem Jahr mit dem Thema Klimaschutz.

Rosenke zitierte zunächst ein paar Zeilen aus Michael Jacksons „Earth Song“ und folgerte, „dass wir auf unsere Umwelt, unseren Planeten achten müssen.“ Es gelte, ein gutes Klima zu schaffen. Denn keine Herausforderung stelle eine größere Bedrohung für die Zukunft und künftige Generationen dar als der Klimawandel.

Boris Jermer, Experte für Wasserstoff-Fahrzeuge, erklärte, wie der Öffentliche Personennahverkehr noch umwelt- und klimafreundlicher werden kann. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Boris Jermer, Experte für Wasserstoff-Fahrzeuge, erklärte, wie der Öffentliche Personennahverkehr noch umwelt- und klimafreundlicher werden kann. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Auch wenn das Problem der Erderwärmung nur global zu lösen sei, suche die Kreisverwaltung Euskirchen dennoch nach Möglichkeiten, „durch vorbildliches Handeln der Verantwortung für Mensch und Natur in unserer Heimat gerecht zu werden.“

Hier konnte der Landrat bereits mit einigen Erfolgen aufweisen: Seit 2012 gibt es das Integrierte Kommunale Klimaschutzkonzept des Kreises Euskirchen mit allein 50 Maßnahmen, von denen zahlreiche schon realisiert sind. Seit April 2014 hat der Kreis Euskirchen darüber hinaus einen eigenen Klimaschutzmanager in Vollzeit sowie einen Energieberater in Teilzeit.

Rund 400 Gäste aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Presse kamen zum 22. Neujahrsempfang des Landrats Günter Rosenke. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Rund 400 Gäste aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Presse kamen zum 22. Neujahrsempfang des Landrats Günter Rosenke. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Seit 2001 haben wir die Arbeitsgruppe »Energiecontrolling 21«, bestehend aus Politik und Verwaltung, die Liegenschaften des Kreises laufend technisch optimiert und die Effizienz im Sinne des Klimaschutzes ständig verbessert“, so der Landrat. Besonders stolz sei er auch auf die Auszeichnung „Fahrradfreundlicher Kreis Euskirchen“.

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Doch auch im Öffentlichen Personennahverkehr will der Landrat in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Regional-Verkehr-Köln (RVK) sich in Zukunft mehr für den Klimaschutz einsetzen und Stickoxide und Rußpartikel-Emissionen deutlich senken lassen sowie den CO2-Ausstoß reduzieren. Wie dies aussehen kann, erklärte Boris Jermer vom Technologienetzwerk HyCologne aus Hürth. Jermer beschäftigt sich seit fast 15 Jahren mit dem Thema Wasserstoff und Elektromobilität in der Region. Das Netzwerk HyCologne besteht mittlerweile aus 26 öffentlichen und privaten Partnern aus der Region Köln.

Wie man Schadstoffe in der Luft reduzieren kann, zeigte Boris Jermer von „HyCologne“ in seinem Vortrag. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Wie man Schadstoffe in der Luft reduzieren kann, zeigte Boris Jermer von „HyCologne“ in seinem Vortrag. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Jermer gab zunächst einen dramatischen Zustandsbericht. Der Verbrauch an fossiler Energie steige von Jahr zu Jahr. Die Menschheit lebte schon jetzt deutlich über ihre Verhältnisse. Die Abhängigkeit von fossiler Energie schaffe auch Abhängigkeiten von politischen Systemen, die zu unterstützen gefährlich sei. So wisse man beispielsweise, dass der selbsternannte Islamische Staat mit dem Verkauf von Öl seinen Terror finanziere. Feinstaub und Lärm sorgten darüber hinaus vor Ort für Probleme und trieben die Gesundheitskosten in die Höhe.

Eine Lösung, zukünftig den CO2-Ausstoß zu reduzieren, sei die Umrüstung von Fahrzeugen auf Wasserstoffantrieb. Hierbei falle keinerlei Kohlendioxid mehr an. Dazu ist als Grundlage zunächst einmal Biogas notwendig. Davon würden im Kreis Euskirchen jährlich sieben Millionen Tonnen produziert. Allein in Zülpich-Geich entstünden 24 Millionen Tonnen Biogas, die ausreichten, um 50 Busse mit Wasserstoff zu versorgen.

In Zukunft könne man aber auch durch das Elektrolyseverfahren, Wasserstoff aus Strom gewinnen. Bei diesem „Power2Gas“-Verfahren wird Wasser etwa durch Strom aus Windenergie über die Elektrolyse in Wasser- und Sauerstoff aufgespalten. Derzeit würden Windräder noch aus dem Wind gedreht, wenn eine Überproduktion von Strom anstehe. Zukünftig könne man den nicht benötigten Strom nutzen, um Wasserstoff zu produzieren. Dieser könne dann in Druckgasbehältern oder Salzkavernen gespeichert und anschließend auch rückverstromt werden. Die Brennstoffzelle verwandle Wasserstoff wieder in Strom und Wärme. „Dies ist ein rein elektrochemischer Vorgang ähnlich wie in einer Batterie“, so Jermer.

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Derzeit falle Wasserstoff als Nebenprodukt in großen Mengen in der Chemie-Region Rheinland an. Allein in Hürth sind es pro Tag 20 Tonnen. Dies reiche aus, um 1000 Busse in der Großregion Köln zu versorgen. Die RVK habe sich auf die Fahnen geschrieben, ab 2030 nur noch Null-Emissions-Busse auf die Straße zu schicken.

„Mit Wasserstoff und Biogas stärken wir die Region, sorgen für eine CO2-Reduzierung, vermindern die Luftschadstoffe und den Lärm, schaffen neue Arbeitsplätze, punkten bei der regionalen Standortvermarktung und besetzen ein innovatives Thema“, so Jermer abschließend.

Eifeler Presse Agentur/epa

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