Neues und Bewährtes im LVR-Freilichtmuseum Kommern

Jahresüberblick 2016: Neben den Publikumsmagneten „Jahrmarkt anno dazumal“, „Verrücktes Holz“ und „Nach der Ernte“ gibt es auch neue Veranstaltungen und Sonderausstellungen – Ausbau schreitet weiter voran

Wir haben das Freilichtmuseum im vergangenen Jahr mit der Videokamera begleitet. Hier ein paar Veranstaltungs-Höhepunkte, die auch 2016 wieder im Programm sind:

Mechernich-Kommern – Von Niederrhein und Eifel bis zum Hunsrück, vom Bergischen Land bis zum Westerwald: Wie kein anderes Museum ist das LVR-Freilichtmuseum Kommern zuständig für eine große, Bundesländer übergreifende Region. Und es ist lebendig. Das bezeugt sein Programm für 2016: Mit vier Ausstellungen, über 90 Veranstaltungen, einem vielfältigen Angebot an Kursen und Projekten und der Eröffnung weiterer historischer Gebäude bietet das LVR-Freilichtmuseum Kommern auch in diesem Jahr wieder eine Fülle von Attraktionen.

Mit Volldampf zurück ins Jahr 1965: Auch ein solcher "Kabinenroller" gehört zu den 1960er Jahren. Bild: Hans-Theo Gerhards/LVR
Mit Volldampf zurück ins Jahr 1966: Auch ein solcher „Kabinenroller“ gehört zu den 1960er Jahren. Bild: Hans-Theo Gerhards/LVR

„In der Dauerausstellung »WirRheinländer« wird das LVR-Freilichtmuseum Kommern in diesem Jahr seinen zweimillionsten Ausstellungsgast begrüßen können“, ist sich der stellvertretende Museumleiter Dr. Michael H. Faber sicher. Auch zehn Jahre nach ihrer Eröffnung – der runde Geburtstag wird, von Sonderveranstaltungen begleitet, am 12. Juni begangen – ist diese Ausstellung ein Publikumsmagnet. Denn in ihrer Thematik und Darstellungsart ist sie bislang einzigartig. In einer gesonderten Ausstellungshalle ist auf einer Fläche von rund 1.400 Quadratmetern die fiktive Kleinstadt „Rhenania“ aufgebaut. Auf ihrem Rundgang über Gassen und Plätze und beim Blick durch die Fenster der rund fünfzig Kleinstadtbauten entdecken die Besucher Szenen aus der rheinischen Vergangenheit. „»WirRheinländer« ist bislang die einzige Ausstellung, die sich mit dem Wandel der Lebensverhältnisse der rheinischen Bevölkerung unter dem Einfluss politischer, wirtschaftlicher und kultureller Entwicklungen von der Besetzung des linken Rheinufers durch die französischen Revolutionstruppen 1794 bis in die Wirtschaftswunderzeit der jungen Bundesrepublik um 1955 befasst“, so Faber.

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Bei der „Holzhauermeisterschaft“ sollen sich Erwachsene an der Säge beweisen dürfen Bild: Eifeler Presse Agentur
Bei der „Holzhauermeisterschaft“ können sich Erwachsene an der Säge beweisen Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Bis zum 28. August sind in der Sonderausstellung „Kinderträume“ Neuerwerbungen für die Spielzeugsammlung der Abteilung Rheinisches Landesmuseum für Volkskunde zu sehen. Unter den Neuerwerbungen finden sich besonders viele frühe Gameboys und andere interaktive elektronische Spiele. Einige Spiele dürfen sogar ausprobiert werden.

Thematisch wird sich ab dem 13. November eine neue Ausstellung anschließen. Unter dem Titel „Wir Wirtschaftswunderkinder“ zeigt das Museum, was und womit Kinder in den 1950er- und 1960er-Jahren gespielt haben. Auch hierbei werden wieder viele Neuerwerbungen für die Kommerner Spielzeugsammlung vorgestellt – sie gilt als eine der umfangreichsten in Europas Museen.
Neu bei den Veranstaltungen ist die Matinee: „Sing mit!“. In der Atmosphäre des „Salons“, des „Kneipen-Schankraums“ oder auch einer „Bauernstube“ werden am 17. April Kinderlieder der Frühlingszeit, am 25. September alte rheinische Lieder und am 20. November Volkslieder zu Trauer und Tod mit den Gästen einstudiert. Anmeldung ist erforderlich.

Mit welchen Techniken und Materialien Stellmacher Wagenräder bauen, kann man in Kommern miterleben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Mit welchen Techniken und Materialien Stellmacher Wagenräder bauen, kann man ebenfalls wieder in Kommern miterleben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Veränderungen gibt es bei einigen der traditionellen Großveranstaltungen: Der Jahrmarkt anno dazumal, 26. März bis 3. April, wird innerhalb des Museumsgeländes verlegt. Ab diesem Jahr findet er auf zwei großen Plätzen statt: Die „Kirmes der Kaiserzeit“ findet auf dem Museumsplatz zwischen den Ausstellungspavillons statt und der „Jahrmarkt von 1918 bis in die 1970er-Jahre“ auf dem „Marktplatz Rheinland“. Eine Budengasse wird beide Plätze verbinden, auf denen erstmals auch mehr Fahrgeschäfte ihre Runden drehen.

mode im Stil der 60er-Jahre erleben kann man bei der "Zeitblende". Foto: Michael Thalken/epa
Mode im Stil der 60er-Jahre gibt es wieder bei der „Zeitblende“ zusehen. Bild: Michael Thalken/epa

Auch „Verrücktes Holz“ am 23. und 24. April bekommt ein neues Gesicht: Die Nutzung und Verarbeitung von Holz soll bei dieser Veranstaltung noch vielfältiger gezeigt werden. Ein Händlermarkt rund um das Thema Holz begleitet erstmals die Veranstaltung, die das WaldpädagogikZentrum Eifel des Landesbetriebs Wald und Holz NRW im LVR-Freilichtmuseum Kommern seit vielen Jahren mit großem Publikumszuspruch ausrichtet.

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Mit der „ZeitBlende“ am 20. und 21. August blickt das LVR-Freilichtmuseum Kommern wieder zurück auf Lebensverhältnisse, Ereignisse und Lifestyle vor 50 Jahren. Ein buntes Bühnenprogramm mit viel Live-Musik zum Mittanzen, Oldtimern aus dem Jahr 1966, Modenschau und Inszenierungen soll bei vielen Museumsgästen wieder Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend wecken.

Mit alten Ochsengespannen wird die Ernte eingefahren. Bild: LVR
Mit alten Ochsengespannen wird bei „Nach der Ernte“ das Heu eingefahren. Bild: LVR

Auf der Traditionsveranstaltung „Nach der Ernte“ am 17. und 18. September werden nicht nur wieder schwere Kaltblutpferde, Zugochsen, Traktoren und Landmaschinen im Einsatz, sondern auch viele Kunstreitvorführungen mit Rössern zu sehen sein. Hierzu ist eine Arbeitsgemeinschaft mit den Kaltblutfreunden Aachen e.V. vereinbart worden.

Der „Advent für alle Sinne“ wird, der wie immer am ersten Adventwochenende, diesmal am 26. und 27. November, für viele Museumsgäste wieder eine Alternative zum vorweihnachtlichen Rummel in den Städten bieten. Möglichkeiten, zu entschleunigen, in sich zu kehren, bei Kerzenlicht Geschichten zu lauschen, Printen aus dem Museumsbackofen und den Duft von Bratäpfeln zu genießen oder bei den Hausmusikern mitzusingen, werden allerorts im Freilichtgelände geboten. An den Marktständen gibt es nur Handverlesenes, das auf anderen Weihnachtsmärkten kaum zu finden ist.

Das Veranstaltungsprogramm und eine Übersicht über das museums- und waldpädagogische Angebot sind unter www.kommern.lvr.de zu finden. Die Programm-Flyer können aber auch kostenlos angefordert werden.

Die Bilkheimer hatten ein Lied zur kleinen Feier „mitgebracht“. Foto: Dr. Ute Herborg/LVR
Gefeiert wird auch wieder: In diesem Jahr steht die Scheune aus Ellar 50 Jahre im Museum. Bürger aus Ellar sind – wie hier die Bilkheimer vor einigen Jahren – zu einem Geburstagsfest eingeladen. Bild: Dr. Ute Herborg/LVR

Auch in diesem Jahr schreitet der Ausbau des LVR-Freilichtmuseums Kommern voran. Schwerpunkt bildet dabei die 5. Baugruppe „Marktplatz Rheinland“. Sie thematisiert die Verstädterung des ländlichen Ortsbildes in der Zeit ab Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die 1990er-Jahre. Mit einem Bungalow, der Gaststätte „Watteler“ mit Terrasse „Zur schönen Aussicht“, dem Torhaus einer Bauernhofanlage, einem freigelegten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, einem Quelle-Fertighaus einer Container-Notunterkunft für Asylbewerbende ist die Baugruppe bereits ansehnlich gewachsen und erfreut sich bei vielen Museumsgästen als Ort der eigenen Erinnerung an Kindheit und Jugend besonderer Beliebtheit. Topaktuell ist – natürlich und leider – die vor einigen Jahren nach Kommern überführte Asylbewerberunterkunft von 1991: Viele Asylbewerbende haben die Anlage, die heute wahrscheinlich nicht mehr dem Museum überlassen würde, bereits mit ihren Begleitern besichtigt.

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Straßenkreuzer vor der Museumswindmühle (Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR)
Straßenkreuzer vor der Museumswindmühle. Bild: Hans-Theo Gerhards/LVR

In diesem Jahr erhält der Marktplatz Rheinland mit zwei Nissenhütten weitere Beispiele von Notunterkünften. Die 1916 für die rasche Unterbringung britischer Soldaten aus Wellblech in Fertigteilbauweise mit halbrundem Dach entwickelten Hütten von ca. elf Metern Länge und ca. fünf Metern Breite dienten nach dem Zweiten Weltkrieg der Internierung von Gefangenen, aber auch der Unterbringung von Flüchtlingen und ausgebombten Familien. So wie einst am Rande von Ortschaften ganze Nissenhüttenlager entstanden, werden auch im Freilichtmuseum die Nissenhütten im Randbereich des Marktplatzes Rheinland stehen. Mit spärlicher Einrichtung und einer Ausstellung werden sie auf die Wohnungsnot in der Nachkriegszeit aufmerksam machen. Eröffnung der Nissenhütten ist am 8. September vorgesehen.

Wie der Marktplatz Rheinland einmal komplett bebaut aussehen könnte, lässt sein Gelände ab diesem Jahr erahnen. Denn noch rechtzeitig vor dem Winter konnten die Hauptstraße, Zuwegungen und Flächen gestaltet werden, auf denen nach und nach die weiteren Bauten errichtet werden.

Aber auch im übrigen Freilichtgelände werden in diesem Jahr umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Die beiden Windmühlen werden weiter restauriert, die Museumsgäste können zuschauen, wie im Rahmen des Wochenendes „Verrücktes Holz“ am 23. und 24. April neue Flügel an die Kappenwindmühle aus Cantrup montiert werden. Teiche werden saniert, Wege neu gestaltet, um die Wasserableitung bei Starkregen zu verbessern und die Schwellen der historischen Gebäude vor Wasseransammlungen zu schützen. Die Scheune aus Ellar in der Baugruppe Westerwald/Mittelrhein wird restauriert, denn am 23. September jährt sich ihre Eröffnung im Museum zum 50. Mal. Das soll gemeinsam mit den Einwohnern von Ellar gefeiert werden. (epa)

www.kommern.lvr.de

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