„Machen Sie etwas nur, weil es Ihnen Freude macht!“

Partnerinitiative „viertelvoracht“ der Kreiswirtschaftsförderung und Kreissparkasse Euskirchen lockte rund 100 Unternehmer aus dem Kreis in das Kloster Steinfeld – Investor Wolfgang Scheidtweiler: „Gewinnstreben war nie mein Antrieb“

Die Netzwerktreffen des Unternehmerfrühstücks „viertelvoracht“ sind stets gut besucht, wie auch bei der 12. Auflage im Kloster Steinfeld. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Netzwerktreffen des Unternehmerfrühstücks „viertelvoracht“ sind stets gut besucht, wie auch bei der 12. Auflage im Kloster Steinfeld. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall-Steinfeld – Das Christentum deutet die Zahl Zwölf als heilige Zahl der Begegnung Gottes mit der Welt. Von daher war der Ort für das 12. Unternehmerfrühstück „viertelvoracht“ im Kloster Steinfeld mehr als gut gewählt, gilt Steinfeld mit der Eifelbasilika doch als das spirituelle Zentrum der Nordeifel. Und dass dort nicht nur ein spiritueller, sondern neuerdings auch ein weltlicher, sprich: unternehmerischer Geist waltet,  davon ließen sich am Donnerstagmorgen in der Früh rund 100 Unternehmer aus dem Kreis Euskirchen überzeugen.

Landrat Günter Rosenke berichtete vom touristischen Aufschwung in der Nordeifel und schwärmte von der Klosteranlage in Steinfeld mit neuem Gästehaus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landrat Günter Rosenke berichtete vom touristischen Aufschwung in der Nordeifel und schwärmte von der Klosteranlage in Steinfeld mit neuem Gästehaus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Landrat Günter Rosenke, der die Teilnehmer in der Schülerkapelle des Klosters begrüßte und der als Vorsitzender des Fördervereins mit diesen Räumlichkeiten eng verbunden ist, machte deutlich, dass das Kloster Steinfeld auch ein wichtiger Faktor für den Tourismus ist. Durch die neuen Investitionen in das Kloster sei Steinfeld auf dem Weg, ein Highlight in der touristischen Landschaft der Nordeifel zu werden. „Was soll unser Eifeldom hier auch alleine stehen, wenn Besucher nicht die Möglichkeit erhalten, hierher kommen und auch übernachten zu können“, so der Landrat.

Holger Glück, designiertes Vorstandsmitglied KSK, lobte Hotelmanager Wolfgang Scheidtweiler wegen seines hohen persönlichen Engagements für den Erhalt der Klosteranlage. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Holger Glück, designiertes Vorstandsmitglied KSK, lobte Hotelmanager Wolfgang Scheidtweiler wegen seines hohen persönlichen Engagements für den Erhalt der Klosteranlage. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Holger Glück, designiertes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Euskirchen (KSK), der gemeinsam mit seiner Kollegin Alexandra Bennau sowie der Leiterin der Stabsstelle Struktur- und Wirtschaftsförderung, Iris Poth, und deren Kollegin Claudia Albold das Unternehmerfrühstück bereits im vierten Jahr plant und organisiert, freute sich vor allem, dass der Zulauf stetig ansteigt und immer wieder neue Gesichter auf der Veranstaltung auftauchen. Holger Glück bemerkte zum durchaus herausfordernden Engagement des neuen Investors Wolfgang Scheidtweiler für das Kloster Steinfeld: „Ich habe ihn gefragt, warum machen Sie das? Und seine Antwort lautete, dass er am liebsten Dinge in Angriff nehme, von denen alle anderen sagten, sie seien nicht umsetzbar.“

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„Wir sind heilfroh, dass wir mit Herrn Scheidtweiler einen Menschen gefunden haben, der uns in unserer Mutlosigkeit geholfen und uns aus unseren Schwierigkeiten wieder herausgeführt hat“, berichtete der Geschäftsführer des Klosters Pater Lambertus Schildt (SDS).

Hotelmanager Wolfgang Scheidtweiler gab den Unternehmern auf den Weg, bei Projekten nicht zuerst aufs Geld zu schauen, sondern sich zu begeistern – dann würde das Finanzielle automatisch stimmen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Hotelmanager Wolfgang Scheidtweiler gab den Unternehmern auf den Weg, bei Projekten nicht zuerst aufs Geld zu schauen, sondern sich zu begeistern – dann würde das Finanzielle automatisch stimmen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Scheidtweiler hatte den Salvatorianern in einer Zeit beigestanden, da man mit der Biogasanlage des Klosters in die Insolvenz geschlittert war. „Es ist uns dann gelungen, die Insolvenz in nur drei Monaten wieder zurückzudrehen“, berichtete Scheidtweiler, der sich besonders beim Vorstand der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) bedankte, der dieses finanzielle Wagnis mitgetragen habe. Allein die Biogasanlage lohne sich für das Kloster, denn statt der bislang 300.000 Liter Heizöl pro Jahr, benötige man derzeit nur noch 30.000 Liter.

Doch Scheidtweiler hatte an das Kloster auch klare Bedingungen gestellt: „Mein Einsatz für das Kloster war beispielsweise an die Forderung geknüpft, dass der Orden der Salvatorianer im Kloster verbleibt. Ich wollte kein Disneyland schaffen“, sagte der 69-Jährige und deutete an, dass es diesbezüglich Verhandlungen mit dem Provinzial der Salvatorianer in München gegeben habe.

Die Immobilie, für die Scheidtweiler verantwortlich zeichnet, hat es in sich: Allein die Größe von 42.000 Quadratmetern lässt aufhorchen, mehr jedoch, dass zu diesem Bestand eine Basilika aus dem 12. Jahrhundert, ein Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert, barocke Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie Schulgebäude aus den 1960er Jahren zählen. Doch damit nicht genug hat Scheidtweiler im ehemaligen Internat der Schule ein modernes Gästehaus mit 64 neuen Zimmern im Vier-Sterne-Standard geschaffen, und das alles mit Einrichtungsgegenständen und Handwerkern aus der unmittelbaren Region, nachhaltig und modern. „Wir haben Eichendielenböden und nur echte Natursteine verlegt, unsere Betten sind 2,10 Meter lang, damit auch größerer Menschen bei uns bequem übernachten können, und es gibt harte und weiche Matratzen“, so Scheidtweiler. Insgesamt stehen dem Kloster damit 130 Zimmer mit 200 Betten, Banketträumlichkeiten für 10 bis 200 Personen sowie 14 Tagungsräume zur Verfügung.

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Damit das Gästehaus wirtschaftlich betrieben werden kann, benötige man 10.000 Übernachtungen pro Jahr. Diese habe man 2015 bereits erreicht, hoffe die Zahl aber in 2016 verdoppeln zu können. Das Kloster benötige derzeit einen mittleren sechsstelligen Betrag als jährlichen Zuschuss. Ihm sei klar, dass sein Engagement für das Kloster eine Lebensaufgabe sei, falls etwas schief laufe, hafte er mit seiner Familie für die Folgen. Bislang habe er in die Klosteranlage 3,5 Millionen Euro investiert. In diesem Jahr werde eine weitere halbe Million Euro nötig sein, um beispielsweise die Fassade der Basilika zu erneuern.

„Das Koster ist der ideale Ort für Seminare, Tagungen oder einfach nur zum Auspannen“, schwärmte Scheidtweiler. Zwei Nächte an diesem Kraftort ersetzten eine Woche Urlaub anderswo. Die Akademie Kloster Steinfeld biete darüber hinaus Kurse in Yoga, Bogenschießen, Malerei, Druckerei, Meditation, Heilfasten und auch Bridge an. „Wir wollen das Kloster in Zukunft noch weitaus mehr für die Menschen öffnen. Es wird tägliche Führungen geben, und die Schwestern und Patres sind stets vor Ort präsent, so dass man hier ein gelebtes klösterliches Leben erfahren kann“, so Scheidtweiler.

Derzeit sind 13 Ordensleute in Steinfeld tätig sowie 80 Mitarbeiter. Das Kloster, die Biogasanlage sowie ein Bauernhof firmieren als Kloster Steinfeld GmbH & Co.KG. 25 Prozent der Gewinne fließen in das Kloster. Eventuelle Verluste braucht das Kloster jedoch nicht mitzutragen.

Dass Wolfgang Scheidtweiler kein Unternehmer ist, der einzig und allein auf Gewinnmaximierung aus ist, wurde den Gästen bei seinem Vortrag schnell klar. „Gewinnstreben war nie mein Antrieb“, bekannte er schließlich auch. Wenn das Geld im Vordergrund des Handelns stehe, dann führe dieses Handeln meist zu nichts. Stattdessen sei es wichtig, nachhaltig zu handeln. Den Unternehmern gab er mit auf den Weg: „Machen Sie etwas nur, weil es Ihnen Freude macht!“ Und: „Nachhaltiges Handeln ist das erfolgreichste Handeln.“

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Dass diese ethischen Überzeugungen sowie ein klares Bekenntnis zum kategorischen Imperativ tatsächlich auch erfolgreiches unternehmerisches Handeln nach sich ziehen können und nicht nur Wunschvorstellungen sind, beweist das Lebenswerk von Wolfgang Scheidtweiler, der heute fünf Brauereien, zehn Hotels und einen Mineralbrunnen betreibt. „Ich habe mich noch nie von einem Mitarbeiter getrennt, es sei denn, er hat goldene Löffel gestohlen“, setzte er die Anwesenden weiter in Erstaunen. Sein Ziel sei es vielmehr, für und mit den Menschen zu arbeiten. Sein Motto laute daher: „Schaffe, als müsstest du 100 Jahre alt werden und lebe, als ob du morgen sterben müsstest.“

Das Organisationsteam von „viertelvoracht“ sprach im „Löwenzimmer“ des Klosters über die vielen positiven Auswirkungen des Netzwerkstreffens: Von der Kreissparkasse Euskirchen Rainer Santema (v.l.), Alexandra Bennau und Holger Glück sowie von der Kreiswirtschaftsförderung Iris Poth und Claudia Albold. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Organisationsteam von „viertelvoracht“ sprach im „Löwenzimmer“ des Klosters über die vielen positiven Auswirkungen des Netzwerkstreffens: Von der Kreissparkasse Euskirchen Rainer Santema (v.l.), Alexandra Bennau und Holger Glück sowie von der Kreiswirtschaftsförderung Iris Poth und Claudia Albold. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Anschließend hatten die Gäste Gelegenheit, das neue Gästehaus in Augenschein zu nehmen. Dort konnte dann jeder selbst erleben, dass nachhaltiges Handeln bei Wolfgang Scheidtweiler nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. So sind im Gästehaus alle Fenster aus Holz, verfügen über eine Dreifachverglasung, die Teppiche sind aus Wolle und in jedem Zimmer hängt ein echtes Kunstwerk, so dass jeder Raum damit unverwechselbar und einzigartig ist.

Beim jüngsten Netzwerktreffen begrüßte das Organisationsteam ein weiteres Mitglied: Rainer Santema hat durch seine Tätigkeiten als Firmenkundenbetreuer und Abteilungsleiter Gewerbekunden bei der Kreissparkasse Euskirchen zahlreiche Kontakte zu Unternehmern im Kreis geknüpft und leitet seit Anfang des Jahres das S-FirmenCenter.

Eifeler Presse Agentur/epa

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