Verbraucherzentrale kümmerte sich um 5500 Ratsuchende

Onlineshopping als Kostenfalle, gefälschte Mails von Banken und sogar Flüchtlinge über den Tisch gezogen

 Landrat Günter Rosenke und Monika Schiffer stellten jetzt den Jahresbericht 2015 der Verbraucherzentrale Euskirchen vor. Bild: Wolfgang Andres / Kreis Euskirchen

Landrat Günter Rosenke und Monika Schiffer stellten jetzt den Jahresbericht 2015 der Verbraucherzentrale Euskirchen vor. Bild: Wolfgang Andres / Kreis Euskirchen

Euskirchen – Kostenfallen bei Freemail-Diensten und Abzocke mit mobilen Zahlungsmitteln, Fallstricke beim Onlineshopping und dubiose Mahnbriefe von Inkassobüros. Für fast 5500 Ratsuchende war die Verbraucherzentrale in Euskirchen 2015 Wegweiser zu Rat und Recht. „Die Verbraucherzentrale war auch vergangenes Jahr jeden Cent wert“, sagte Landrat Günter Rosenke jetzt bei der Vorstellung des Jahresberichts im Kreishaus. Das Land NRW und der Kreis Euskirchen finanzieren die Beratungsstelle zu jeweils 50 Prozent.

Ab in den Warenkorb, Adressdaten eingeben, Zahlungsart auswählen und Bestellung aufgeben: Monika Schiffer, die Leiterin der Verbraucherzentrale, berichtet, dass immer mehr Konsumenten die Vorteile des Onlineshoppings zu schätzen wissen: „Doch bereits beim Bestellvorgang können kostenträchtige Gefahren lauern. Dass wesentliche Produktmerkmale oder Endpreise nicht angegeben werden, Kunden bei unbemerkten Extras oder wegen kostenpflichtiger Zahlungsarten draufzahlen, hat 2015 für viele Nachfragen gesorgt“, so die Beratungsstellenleiterin.

Überhaupt: Verbraucherprobleme in der digitalen Welt bestimmten zunehmend den Beratungsalltag. Ob Wettervorhersagen, Rezepte oder Spiele – tausendfach würden Nutzer bei diesen Anwendungen nicht nur mit Infos oder Unterhaltung versorgt, sondern durch argloses Tippen auf mitgelieferte Werbebanner unbeabsichtigt in ein kostenpflichtiges Abo gelotst: „Von dem angeblichen Vertragsabschluss haben die Betroffenen jedoch erst erfahren, als das Abo-Entgelt einfach über die monatliche Mobilfunkrechnung abgebucht worden war. Die Rufnummer des Nutzers war automatisch übermittelt worden, was den Abzockern den Weg zum Mobilfunkanbieter weist und die Zahlung ausgelöst hatte“, zeigt Schiffer die Fallstricke beim WAPBilling auf, dem unkomplizierten Bezahlen per Smartphone. In der Beratungsstelle gab es nicht nur Hinweise zum Sperren solcher Abofallen, sondern auch rechtliche Hilfestellungen, um unrechtmäßig einbehaltene Beträge zurückzuholen.

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Wieder fanden Internetbetrüger dreiste Methoden, um Nutzer über den Tisch zu ziehen: Da hatten Banken vermeintlich ein neues Sicherheitssystem an den Start gebracht, bei dem nun persönliche Daten einzugeben waren. In Wirklichkeit wollten Betrüger aber über eine gefälschte Webseite zur Eingabe von Kreditkarten- oder Log-in-Daten verleiten und mit diesen dann später Konten leerräumen. In den Spamordner gehörten Mails, die millionenschwere Erbschaften oder lukrative Arbeitsangebote versprachen, aber für die Versprechen erst einige Hundert Euro Vorschuss für Transfer- und Anwaltskosten oder als Beitrag zur Aufnahme in eine Datenbank verlangten.

„Umso erfreulicher, dass die Euskirchener Verbraucherzentrale eine von elf Beratungsstellen im Land ist, die am Pilotprojekt »Datenschutz in der Digitalen Welt« teilnimmt“, so Landrat Rosenke. Was es in Bezug auf Passwörter, Online-Banking, Online-Shopping und E-Mail-Diensten zu beachten gilt, erfahren Interessenten unter:

www.verbraucherzentrale.nrw/datenschutz

„Bei vielen außergerichtlichen Rechtsberatungen und -vertretungen standen einmal mehr Probleme mit Telekommunikationsanbietern im Mittelpunkt: Zumeist ging es um nicht nachvollziehbare Posten in der Rechnung oder um Schwierigkeiten bei der Kündigung von Verträgen“, berichtet Kreispressesprecher Wolfgang Andres. Oftmals gebe es mit den Unternehmen gleich mehrere Probleme. Eine bleibende Belästigung: Ungebetene Werbeanrufer, die zur Teilnahme an Gewinnspielen drängten oder Energielieferverträge oder Dienstleistungen rund um Telefonie und Internet unterjubeln wollten.

Auch erste Verbraucherprobleme von Flüchtlingen seien bei der Verbraucherzentrale angekommen: „So hatten umtriebige Mitarbeiter in Telefonshops Flüchtlingen ein kostenloses Smartphone oder Tablet versprochen, sie damit dann in zwei oder gar drei Verträge mit 24-monatiger Laufzeit gelockt“, zeigt Schiffer auf, dass die Unerfahrenheit dieser Menschen zum Beispiel bei Vertragsabschlüssen ausgenutzt wird. Aber auch die Zahlungsmodalitäten bei der Energieversorgung mit Abschlägen für Strom und Gas und der Jahresabrechnung für den Gesamtverbrauch sind vielfach unbekannt.

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Die Beratungsstelle bringe sich im Kreis Euskirchen in die lokalen Netzwerke ein, damit Integration auch im Verbraucheralltag gelinge. Insbesondere Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe gebe sie etwa in Vorträgen gezielt Hilfestellungen.

 

2015 hat die Verbraucherzentrale auch wieder Schule gemacht: Mit 116 Veranstaltungen rund um die Themen Geld und Smartphonenutzung hat sie vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kreis Euskirchen das kleine Einmaleins des Verbraucheralltags nahe gebracht. (eB/epa)

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