Bilder von der Atomkatastrophe

Galerie „Eifel Kunst“ zeigt die Ausstellung des Gemünder Fotografen Bernd Wawer „Tschernobyl – 30 Jahre danach / Tihange – 30 Jahre vorher?“

Der Gemünder Fotograf Bernd Wawer hat in der Sperrzone in Tschernobyl fotografiert. Foto: Marita Rauchberger
Der Gemünder Fotograf Bernd Wawer hat in der Sperrzone in Tschernobyl fotografiert. Foto: Marita Rauchberger

Schleiden-Gemünd – Tschernobyl ist auch in Gemünd – zumindest im Bild. Denn seit vergangenem Sonntag zeigt die Gemünder Galerie „Eifel Kunst“ die Ausstellung des Fotografen Bernd Wawer „Tschernobyl – 30 Jahre danach / Tihange – 30 Jahre vorher?“ Tschernobyl steht für eine Umweltkatastrophe, deren Nachwirkungen zu den längsten und dramatischsten in der Geschichte der Menschheit zählen. Besondere Brisanz hat das Thema auch durch die Nähe der Eifel zum belgischen Atomkraftwerk Tihange, welches durch zahlreiche Zwischenfälle und tausende Risse in der Reaktorhülle in der Kritik steht.

Der Gemünder Fotograf Bernd Wawer war im April 2016 in der Sperrzone in Tschernobyl und hatte zweieinhalb Tage lang Zeit, dort zu fotografieren. Seine fotografischen Eindrücke dokumentieren, dass die Folgen nach dem Super GAU immer noch spürbar und sichtbar sind.

Marita Rauchberger von der Galerie „Eifel Kunst“: „Im Gedenken an Tschernobyl halten diese Fotos dem Betrachter vor Augen, dass Unfälle im Ausmaß von Tschernobyl zum Wesen von Kernkraft gehören und sich überall und jederzeit wiederholen können. Würde es 30 Jahre nach einem Störfall in Kernkraftwerk Tihange bei uns auch so aussehen? Ein solcher Super-GAU würde große Flächen in Deutschland und Europa kontaminieren und auf Dauer unbewohnbar machen.“

Bernd Wawer fotografiert seit seiner frühesten Jugend. Menschen, aber auch Landschaften reizen den Gemünder, der lange Zeit die analoge Fotografie der digitalen vorgezogen hat. Die Vielseitigkeit seiner Motivauswahl, sei es in seinem eigenen Studio oder in der freien Natur, ist ebenso groß sowie gut durchdacht. Seit einiger Zeit hat er den Reiz der sogenannten „Lost Places“ für sich entdeckt und lieben gelernt.

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Zu diesen „Lost Places“ gehört auch das Gelände von Tschernobyl. Bernd Wawers Fotos sind Zeugnisse von den Folgen des verheerenden Unglücks am 16. April 1986 im Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl. Rauchberger: „Jedes einzelne der Bilder, die in der Ausstellung gezeigt werden, hat trotz der erschreckenden Hintergrundgeschichte eine beeindruckende Ästhetik. Sie dokumentieren den unaufhörlichen Zerfall genauso wie die wiederkehrende Natur.“

Die Ausstellungseröffnung, zu der über 80 Interessierte kamen, wurde vom stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Schleiden, Klaus Ranglack, eröffnet. Die Galeristin Marita Rauchberger begrüßte unter den Gästen auch Oliver Krischer (MdB), der in seinem Statement noch einmal deutlich darauf hinwies, wie groß die Gefahren für Mensch und Umwelt bei einem möglichen Reaktorunfall sind.

Marita Rauchberger: „Heute, 30 Jahre danach, wissen wir, was auf uns zukommen wird, wenn es noch einmal zu einem Reaktorunfall kommen würde. Tihange, zu recht Schrottmeiler genannt , und Doel im benachbarten Belgien erzeugen Angst und gehören abgeschaltet. Tschernobyl, aber auch Fukushima haben gezeigt, welche Folgen daraus entstehen können.“

Zwischen den Redebeiträgen ermöglichte der Kalterherberger Musiker Georg Kaiser mit seiner selbstgeschriebenen Musik ein Innehalten und Nachdenken.

Die Ausstellung von Bernd Wawer ist noch bis Sonntag, 28. August, in der Galerie Eifel Kunst, Schleidener Straße 1, 53937 Gemünd, jeweils freitags und sonntags sowie nach telefonischer Vereinbarung unter der Mobilnummer 01 70-7 14 85 85) zu sehen. Der Eintritt ist frei, Spenden willkommen. (epa)

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