Die Hüterin des historischen Erbes

Gastbeitrag von Wolfgang Andres Ein Job für Allrounder: Heike Pütz leitet Kreisarchiv und Kreisbibliothek

Heike Pütz ist Leiterin des Kreisarchivs und der Kreis-Bibliothek und damit sozusagen die Hüterin des historischen Erbes im Kreis Euskirchen. Bild: Wolfgang Andres/Kreis Euskirchen
Heike Pütz ist Leiterin des Kreisarchivs und der Kreis-Bibliothek und damit sozusagen die Hüterin des historischen Erbes im Kreis Euskirchen. Bild: Wolfgang Andres/Kreis Euskirchen

Kreis Euskirchen – Wenn es um die Zukunft der Vergangenheit geht, dann ist man bei Heike Pütz an der richtigen Adresse. Sie ist Leiterin des Kreisarchivs und der Kreis-Bibliothek und damit sozusagen die Hüterin des historischen Erbes im Kreis Euskirchen. Die ältesten Akten sind mittlerweile 200 Jahre alt, sie stammen aus der Zeit, als das Rheinland preußisch wurde und die Landkreise gegründet wurden. 4.100 Regalmeter umfasst der Bestand mittlerweile, der im Untergeschoss des Kreishauses bei einer konstanten Temperatur von 18 Grad Celsius und einer Luftfeuchte von 60 Prozent feuersicher gelagert wird.

Von Verwaltungsakten aus den ehemaligen Landratsämtern Euskirchen und Schleiden über Sammlungen von öffentlichen Personen oder Vereinen bis zu Zeitungsbeständen wie dem „Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden“ reicht die Palette – eine wahre Fundgrube für alle Heimatforscher.

Wer das Archiv in der Bürgermagistrale des Kreishauses zum ersten Mal besucht, ist angenehm von der hellen und freundlichen Atmosphäre überrascht. „Archive stehen in demselben Rufe der Unheimlichkeit, wie Burgverließe und Verbrecherkerker, in welchen Unken, Ottern, Schlangen, Molche, Kobolde und böse Geister ihr Unwesen treiben“, zitiert Heike Pütz aus einem alten Lehrbuch über das Berufsbild des Archivars. Sie schmunzelt: „Ganz so düster und unheimlich ist es hier nicht…“

Im Gegenteil. Das Kreisarchiv ist im modernen Anbau der Kreisverwaltung untergebracht, die Räume sind lichtdurchflutet, es gibt zahlreiche Arbeitsplätze und viele Bücher, die zum Schmökern einladen. Die gehören zur Kreisbibliothek, einer Spezialbibliothek zu Geschichte, Kultur, Brauchtum und Naturkunde des Kreises Euskirchen und der Eifel. Hier findet sich fast alles, was einen Bezug zum Kreis hat – vom Eifelkrimi bis zum Wanderbuch, vom Burgenführer bis zu Biografien. Und das Schönste: Die Bücher kann man nicht nur hier lesen, sondern auch gegen eine geringe Gebühr ausleihen.

Aber wie wird man eigentliche Archivarin? Und was ist so spannend an dem Beruf? Heike Pütz hat nach dem Abitur eine Ausbildung im Bundesarchiv in Koblenz begonnen, wo die Unterlagen der Bundesregierung aufbewahrt wurden. Die Ausbildung dauerte drei Jahre und umfasste neben dem praktischen Teil im Archiv auch viel Theorie, die an der FH des Bundes in Köln und an der Archivschule in Marburg vermittelt wurde. Am Ende war Heike Pütz „Diplom-Archivarin FH“ und durfte gleich von Koblenz nach Bonn wechseln, und zwar ins Archiv des Auswärtigen Amtes. „Es ist schon etwas Besonders, wenn man das Original des Hitler-Stalin-Paktes vor sich hat oder zuletzt den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der die deutsche Einheit ermöglicht hat“, so die 47-Jährige, die sich gerne an die Zeit in Bonn erinnert.

Die Wiedervereinigung war dann „schuld“, dass sie in Euskirchen gelandet ist. „Als der Umzug des Auswärtigen Amtes nach Berlin anstand, habe ich mich aus familiären Gründen dagegen entschieden“, sagt sie rückblickend. Da passte es perfekt in die persönliche Lebensplanung, dass im Kreis-Archiv in Euskirchen eine Stelle frei wurde. Hier ist sie seit dem Jahr 2000 sowohl Leiterin des Archivs wie auch der Bibliothek.

„Ich mag die Arbeit als Allrounderin“, betont sie. „In unserem Kommunalarchiv bin ich von der Haushaltsplanung über die Annahme von Aktenbeständen bis hin zur großen Zukunftsausgabe der Digitalisierung für alles verantwortlich.“ Und da sie wortwörtlich an der Quelle sitzt, kann sie auch eigenen Forschungsaufgaben nachgehen. Jüngstes Ergebnis ist das Postkartenbuch „Das müsstest Du sehen, es ist großartig: Der Kreis Euskirchen in alten Ansichten“.

Großartig ist auch das Archiv – und freundlich ist nicht nur das Ambiente, sondern auch die Team um Heike Pütz. Denn hier findet man nicht nur „alte Akten und verstaubte Bücher“, sondern man berät auch gerne in allen Fragen rund um Familien- und Regionalforschung.

Winnetou und Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar: Im Kreis Euskirchen ist Heike Pütz eine große Kennerin, wenn es um Karl May und dessen Helden geht. Die Dürschevenerin ist ehrenamtliches Mitglied der Karl May-Gesellschaft, mit 1800 Mitgliedern die größte literarische Gesellschaft in Deutschland.

Regelmäßig steht Heike Pütz auch Schülern zur Seite, die für Facharbeiten im Archiv recherchieren. „Es ist für die Jugendlichen mal was ganz anderes, wenn sie regionale Quellen statt Google und Wikipedia nutzen.“ Das Kreisarchiv steht übrigens auch für Schulen als Bildungspartner zur Verfügung und gibt Kurse an der Volkshochschule zum Lesen und Übersetzen von alten Handschriften.

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