Sumpfspitzmaus im Nationalpark Eifel entdeckt

Das letzte Exemplar dieser Art wurde 1978 bei Freilingen gesichtet – Fund wird als Beleg dafür gesehen, dass man mit Naturschutzbemühungen auf dem richtigen Weg ist

Die Sumpfspitzmaus ist ein Nordrhein-Westfalen eine absolute Rarität. Im Nationalpark Eifel wurde sie gefunden. Bild: /S. Twietmeyer/Nationalparkverwaltung Eifel
Die Sumpfspitzmaus ist ein Nordrhein-Westfalen eine absolute Rarität. Im Nationalpark Eifel wurde sie gefunden. Bild: /S. Twietmeyer/Nationalparkverwaltung Eifel

Schleiden-Gemünd – Sie liebt es nass und gut geschützt. Auf ihrem Speiseplan stehen Wassertiere allerlei Art. Mit ihrem Drüsengift betäubt sie ihre Beute bevor sie in den Magen wandert. Die Rede ist von der Sumpfspitzmaus (Neomys anomalus). Im Westen Europas ist sie kaum zuhause. Auf der Suche nach tierischen Verkehrsopfern im Nationalpark Eifel stieß eine Praktikantin für die Umwelt im vergangenen Jahr auf dem Urftseerandweg im Nationalpark auf eine Spitzmaus. Diese ließ sich zunächst nicht genau bestimmen.

Im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn wurde das Tier schließlich als Sumpfspitzmaus identifiziert – eine Rarität in Nordrhein-Westfalen. Nun wollen es die Forscher des Nationalparkforstamts Eifel, Wald und Holz NRW, in Kooperation mit dem Museum genauer wissen:  Sie starteten in diesem Sommer detaillierte Untersuchungen in dem Großschutzgebiet.

„Wir hoffen, durch die Untersuchungen mehr Informationen zu Verbreitung, Verhalten und Ökologie der hier seltenen Sumpfspitzmaus zu erfahren“, so Zoologe Sönke Twietmeyer vom Nationalparkforstamt Eifel. Kleinsäugerexpertin Janine Schmidt vom Forschungsmuseum Alexander Koenig untersuchte in den vergangenen drei Wochen im Auftrag des Nationalparkforstamts die für Sumpfspitzmäuse attraktiven Lebensräume im Nationalpark. Dazu gehören vor allem die Ufer naturnaher Gewässer mit Hochstaudenfluren wie an der Urft.  Die im Rahmen dieser Studie gewonnen genetischen Daten (www.bolgermany.de) fließen zudem in die internationale Datenbank GBOL (German Barcode of Life)mit ein. Die Untersuchungen konnten mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins Nationalpark Eifel realisiert werden.

Die Kleinsäugerforscherinnen des Museums Koenig in Bonn, Janine Schmidt (Mitte) und Assistentin Thalia Jentke (links) sowie Sophia Austrupp, Praktikantin der Nationalparkverwaltung, beim Überprüfen der Mausfallen. Bild: Annette Simantke/Nationaplarkverwaltung Eifel
Die Kleinsäugerforscherinnen des Museums Koenig in Bonn, Janine Schmidt (Mitte) und Assistentin Thalia Jentke (links) sowie Sophia Austrupp, Praktikantin der Nationalparkverwaltung, beim Überprüfen der Mausfallen. Bild: Annette Simantke/Nationaplarkverwaltung Eifel

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: „Die Entdeckung der Sumpfspitzmaus im Nationalpark wird in der Öffentlichkeit sicher nicht so hohe Wellen schlagen wie die großen, auf den ersten Blick attraktiveren Arten wie Wildkatze oder Schwarzstorch.  Für uns ist sie aber genauso wichtig, denn die Sumpfspitzmaus ist ein weiterer Beleg, dass wir mit unseren Naturschutzbemühungen im Wald und unseren waldnahen Biotopen auf einem guten und erfolgreichen Weg sind.“

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Mit Bus und Bahn unterwegs im und um den Nationalpark Eifel

Janine Schmidt ist Mausexpertin und hat im Nationalpark Eifel bereits 2014 fünf für den Nationalpark repräsentative Lebensräume auf kleine Säugetiere hin unter die Lupe genommen und dabei eine eigene standardisierte Untersuchungsmethodik mit unterschiedlichen Lebendfallen entwickelt.

Gemeinsam mit Assistentin Thalia Jentke und Sophia Austrupp, Praktikantin im Nationalpark, ist sie von den frühen Morgenstunden bis spät in die Nacht an den Fallen unterwegs, um die an insgesamt 50 Punkten aufgestellten drei Fallen zu prüfen und bei Funden die Maus sowie das Habitat, sprich, den Lebensraum rundherum zu vermessen und zu beschreiben. „Die Tiere sollen möglichst kurz gefangen sein, nicht zu großen Stress haben und schnell ihrer Nahrungssuche und ihrem natürlichen Mäuseleben wieder nachgehen können“, so Schmidt.  Das heißt, Fallenkontrolle alle fünf bis sechs Stunden.

Rötelmaus, Wald- und Gelbhalsmaus oder die Schabrackenspitzmaus. Das sind die weitaus häufigsten Besucher, die vermessen und markiert, wieder in die Freiheit entlassen werden. Befindet sich eine Spitzmaus in der Falle, dann schlagen nicht nur die Mäuseherzen höher. „Könnte es sich vielleicht um eine der sehr seltenen Sumpfspitzmäuse handeln?“ Um hundertprozentige Sicherheit zu erlangen, werden der Maus vorsichtig ein paar Fellproben entzupft, deren DNA im Labor definitiv Aufschluss geben kann.

„Wir haben alleine in den Bachbereichen in der vergangenen Woche 160 Mäuse gefangen, das ist verdammt viel“, freut sich die begeisterte Mausforscherin Schmidt. Bisher waren eine Sumpfspitzmaus und zwei eventuelle Sumpfspitzmäuse darunter, deren Identität noch im Labor bestätigt werden muss.

Hintergrund

Die Hauptverbreitung der Sumpfspitzmaus liegt im Mittelmeergebiet. In Nordrhein-Westfalen kommt sie nur als Relikt am Nordrand der Eifel und des Westerwaldes vor. Sie wurde letztmalig 1978 bei Freilingen im Kreis Euskirchen festgestellt.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Im Kaltblut-Tempo durch den Nationalpark

Die Sumpfspitzmaus ist die kleine Schwester der häufigeren Wasserspitzmaus. Sie lebt an naturnahen Gewässern und in den angrenzenden Sumpfwiesen oder Bruchwäldern in dichter Vegetation. Sie zählt mit der Wasserspitzmaus zu den wenigen giftigen Säugetieren weltweit. Unter der Zunge gelegene Drüsen produzieren ein Gift, das kleine Wirbeltiere innerhalb weniger Minuten tötet. (eB/epa)

Kommentar verfassen

AMP Version der Seite