5.700 Ratsuchende der Verbraucherzentrale in 2016

Euskirchener Beratungsstelle veröffentlicht Jahresbericht

Zum 10. Mal präsentierten Landrat Günter Rosenke (v.l.) und Monika Schiffer den Jahresbericht der Verbraucherzentrale Euskirchen. Foto: W. Andres / Kreispressestelle
Zum 10. Mal präsentierten Landrat Günter Rosenke (v.l.) und Monika Schiffer den Jahresbericht der Verbraucherzentrale Euskirchen. Foto: W. Andres / Kreispressestelle

Euskirchen – Online shoppen, via Smartphone bezahlen, per Mausklick einen Kredit aufnehmen: Verbraucherprobleme im digitalen Konsumalltag bestimmten die Arbeit der Verbraucherzentrale in Euskirchen im vergangenen Jahr, wie das Team jetzt im Jahresbericht 2016 mitteilte. Doch neben den Fallstricken rund um moderne Medien sind weiterhin „Dauerbrenner“ wie Drücker an der Haustür oder einschüchternde Inkassoforderungen ein Thema. Rund 5700 Ratsuchende wendeten sich im Jahr 2016 an die Verbraucherzentrale in der Wilhelmstraße in Euskirchen.

Landrat Günter Rosenke: „Die Verbraucherzentrale ist ein wichtiges »Add-On« der Daseinsvorsorge in unserem Kreis. Beratungsstellenleiterin Monika Schiffer und ihr Team sind für alle Bürger da. Die Zuschüsse aus dem Kreishaushalt sind hier genau an der richtigen Stelle.“

Dazu beweise die Verbraucherzentrale Jahr für Jahr, dass man sich auch neuen Herausforderungen zügig stellen kann. Aktuelles Beispiel: Immer wieder benötigen auch die hier lebenden Flüchtlinge professionelle Hilfe. Ihnen sei unser Wirtschaftsleben oft völlig fremd und sie verstehen die Sprache häufig nicht gut genug. „Das wird leider immer wieder ausgenutzt“, so Monika Schiffer, „oft werden den Flüchtlingen viel zu teure Telefonverträge untergejubelt, mit denen sie in eine Kosten- und Schuldenfalle geraten.“ Aber auch die Zahlungsmodalitäten bei der Energieversorgung mit Abschlägen für Strom und Gas und der Jahresabrechnung für den Gesamtverbrauch sind ihnen vielfach unbekannt.

Die Verbraucherzentrale bietet aber nicht nur im Nachhinein Hilfestellung, sondern arbeitet auch vorsorglich. In vielen Vorträgen wurden die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer auf die Fallstricke aufmerksam gemacht, um im Vorfeld mögliche Probleme zu verhindern. Für Landrat Rosenke ist dies ein konkreter und sehr hilfreicher Beitrag zur Integration.

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Ein weiteres Schwerpunktthema aus dem vergangenen Jahr sind diverse Betrugsmaschen über die Internetschiene. Mal winkt eine Fitnessuhr als Gratisgeschenk, mal lockt ein Gewinnspiel zu Routenplanern im Internet. Andernorts preist eine Onlineplattform unschlagbare Schnäppchen an oder sind vermeintliche Gratis-Kochrezepte nur einen Mausklick entfernt. Fast immer sei gemeinsame Zutat: Geschickte Täuschung, damit arglose Nutzer kostenpflichtige Bestellungen vornehmen oder in ungewollte Abos tappen. Tipp der Verbraucherschützer: Mit einer Drittanbietersperre beim jeweiligen Provider lassen sich vielfach Kostenfallen vermeiden.

„Und gemeinsam ist den von Abzockern im Internet Geleimten, dass sie sich hilfesuchend an die Rechtsberatung der Verbraucherzentrale wenden“, bilanziert Beratungsstellenleiterin Monika Schiffer eine um 10 Prozent gestiegene Nachfrage bei den Rechtsberatungen.

„Unverlangtes Werben am Telefon, Unterschieben von Verträgen oder eigenmächtige Vertragskündigungen ohne Vollmacht des Kunden – dieses Trio haben wir in 2016 als Türöffner ausgemacht, um an Haustür und Telefon zum Abschluss neuer Energielieferverträge zu kommen.“

Akribisch hat die Verbraucherzentrale Buch geführt, durch welche Überrumpelungsmaschen Verbraucher in ungewollten Energielieferverträgen landen. So hatten Ratsuchende geschildert, dass sich Unternehmen bei ihnen unaufgefordert am Telefon gemeldet und dann mit der Nachricht überrascht hatten, dass angesichts der anstehenden Gas- oder Strompreiserhöhung ein Anbieterwechsel schnell und sorgenfrei echte Ersparnis bringe.

Selbst wenn sich Verbraucher bei einem solchen Telefonanruf lediglich mit der Zusendung von Informationsmaterial einverstanden erklärt hatten, wurden ihnen Vertragsbestätigungen nebst allgemeinen Geschäftsbedingungen und Widerrufsbelehrung zugeschickt.

„Damit wurde der Eindruck erweckt, dass bereits ein Vertrag zustande gekommen war. Eine nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW unzumutbare Belästigung, weil Betroffene aktiv werden mussten, um sich gegen den angeblichen Vertragsabschluss zu wehren“, erläutert Schiffer. Das erforderliche Einverständnis für die telefonische Kontaktaufnahme sollten

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betroffene Verbraucher, so die Behauptung der Anbieter, oft bei deren Teilnahme an Gewinnspielen erklärt haben. Woran sich Betroffene allerdings entweder nicht erinnerten oder dies bestritten.

Einmal mehr mündeten falsche Kreditversprechen in Kostenfallen. Da wurde auf Internetseiten mit verheißungsvollen Adressen der unproblematische Zugang zum bargeldlosen Bezahlen angepriesen, selbst wenn der Finanzrahmen in Schieflage geraten war. „Kredit und Kreditkarte ohne Schufa! Die hochgeprägte Goldkarte winkt auch bei schlechter Bonität!“ – wer das glaubte und bestellte, habe ungewisse Erfolgsaussichten geordert. Denn entweder habe es nur teure Prepaid-Kreditkarten oder gar bloß ein paar

Antragsformulare für ein Auslandskonto mit Sicherheitsleistung gegeben. Im Kleingedruckten der Anbieter war nämlich erwähnt, dass die Anfrage nur an ein Kreditinstitut zur Prüfung weitergegeben werde.

„Dessen ungeachtet war nach Bestellung der Kreditkarte eine kostenpflichtige Postsendung per Nachnahme ins Haus geflattert. Diese enthielt aber nicht die erhoffte Kreditkarte, sondern die Aufforderung, eine Ausgabegebühr von 49,90 Euro zu entrichten“, rechnet Schiffer vor. Zudem sei eine Jahresgebühr in ähnlicher Höhe angefallen. „Dies alles wurde für eine Prepaid-Kreditkarte verlangt, auf die man vor der Benutzung erst Geld laden muss – und die es anderswo kostengünstiger gibt“, entlarvt sie die Tricks beim Versprechen vom schnellen Kredit. Mit der Kampagne zum Thermostat-Check habe die Verbraucherzentrale den Dreh für die richtige Einstellung zum Energiesparen nahe gebracht. Zudem habe sie aufgezeigt, dass ein Wechsel des Strom- und Gastarifs viele Haushaltskassen entlasten könne.

Die Finanzierung der Verbraucherzentrale in Euskirchen wird zu 50 Prozent vom Land und vom Kreis Euskirchen gesichert. Beide zahlen jeweils 103.600 Euro jährlich. „So lange das Land seinen Anteil leistet, sind wir auch dabei“, sagt Landrat Günter Rosenke, „die Arbeit der Verbraucherzentrale kommt schließlich allen Menschen im Kreis Euskirchen zugute.“ Weitere Informationen im Internet: www.verbraucherzentrale.nrw/euskirchen

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(epa)

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