Eifeler Stammzellen reisten bereits in 34 Länder der Erde

Von Reiner Züll (mit Bildergallerie) Hilfsgruppe feierte ihren 25. Geburtstag – Familienfest mit zahlreichen Überraschungen – Bereits vor 25 Jahren für Tschernobyl-Kinder eingesetzt – Über 100 Helfer bereiteten Festtag vor

Ein bewegender Augenblick auf der Bühne: Spender aus der Gemeinde Kall und Empfänger von Stammzellen aus Brandenburg und dem Schwarzwald trafen sich beim Familienfest in Urft. Foto: Reiner Züll
Ein bewegender Augenblick auf der Bühne: Spender aus der Gemeinde Kall und Empfänger von Stammzellen aus Brandenburg und dem Schwarzwald trafen sich beim Familienfest in Urft. Foto: Reiner Züll

Kall-Urft – Für die Organisatoren stand schon vor dem Ende der gelungenen Premiere fest, dass man dieses tolle Fest im nächsten Jahr wiederholen wolle. Obwohl heftige Regengüsse am letzten Sonntag im Mai das erste gemeinsame Familienfest des Wuppertaler Schullandvereines „Haus Dalbenden“ und der Hilfsgruppe Eifel vorzeitig beendeten, wollen sich die Veranstalter dadurch nicht entmutigen lassen. „Es war trotzdem ein gelungenes Fest, bei dem Familien und Kinder im Mittelpunkt standen“, resümierte Hilfsgruppen-Vorsitzender Willi Greuel.

Iris Theisen von der DKMS überreichte Willi Greuel eine gläserne 25 zum Geburtstag der Hilfsgruppe. Foto: Reiner Züll
Iris Theisen von der DKMS überreichte Willi Greuel eine gläserne 25 zum Geburtstag der Hilfsgruppe. Foto: Reiner Züll

Das Fest auf dem großen Freigeländer am Urfter Schullandheim stand ganz im Zeichen des 50-jährigen Bestehens des Schullandvereines und dem 25-jährigen Bestehen der Hilfsgruppe Eifel, die die Feier zum Doppeljubiläum auch gemeinsam organisiert hatten. Wochenlang hatte ein Orga-Team des Schullandvereines unter dem Vorsitz von Gabriela Rittinghaus-Koppers und die Hilfsgruppe Eifel mit Willi Greuel an der Spitze das große Familienfest vorbereitet und für den Festtag über 100 Helfer mobilisiert.

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Dass der Schullandverein und die Hilfsgruppe ihre Geburtstage gemeinsam feierten, weist auf eine jahrelange Zusammenarbeit und Freundschaft hin. Als die Hilfsgruppe schon vor ihrer offiziellen Gründung im Jahr 1992 viele durch die Tschernobyl-Katastrophe geschädigten Kinder zur Erholung in die Eifel holte, lebten diese in den Sommerferien 1997 und 1998 im Urfter Schullandheim. Zwei Jahre lang sorgte das Ehepaar Christine und Jürgen Augsten, die das Schullandheim noch heute mit großem Engagement leiten, dafür, dass die Kinder aus Weißrussland liebevoll betreut wurden und unbeschwerte Ferienwochen genießen konnten.

Beim Familienfest würdigte das auch der stellvertretende Bürgermeister Uwe Schubinski, der im Namen der Gemeinde Kall Glückwünsche zum Doppeljubiläum überbrachte. „Die Einrichtung ist weithin bekannt; hier kommt man zusammen und verbringt eine schöne, gesellige und erlebnisreiche Zeit“, so Schubinski. Die Tschernobyl-Kinder seien damals in Urft für eine kurze Zeit von ihren Sorgen und ihren Krankheiten abgelenkt worden.

Schubinski dankte auch der Hilfsgruppe Eifel, die sich seit nunmehr 25 Jahren beispiellos und unermüdlich für krebskranke Kinder einsetzte und die durch zehn Typisierungsaktionen zum Aufspüren von potenziellen Knochenmarkspendern so manches Schicksal von Leukämie-Patenten positiv beeinflusst habe. Der Vize-Bürgermeister bedankte sich bei beiden Institutionen mit zwei Finanzspritzen für „so viel Herzlichkeit und Engagement“. Dankbar war Schubinski auch dafür, dass der Schullandverein und die Hilfsgruppe Flüchtlingsfamilien mit Kindern aus der Gemeinde Kall zum Fest eingeladen, mit dem Bus nach Urft gefahren und dort bewirtet hatten.

Ein Nonstop-Programm auf der großen Showbühne, zahlreiche Stände mit Unterhaltungsangeboten, Folklore und Präsentationen füllten das umfangreiche Tagesprogramm, das von dem Sötenicher Entertainer Julian Heldt moderiert wurde. Der Ehrenmusikzug der Feuerwehr Wuppertal Ronsdorf, in dem der ehemalige Geschäftsführer des Schullandvereins, Frank Gusinde, die Querflöte spielt, eröffnete den musikalischen Reigen. Es folgten die Westerntänzer der Formation „Silverados Dancers“ aus Mechernich und der Kinderliedersänger Uwe Reetz, der prominente Unterstützung von der WDR-Maus und dem Schaf „Shaun“ bekam.

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Der Musikverein Urft, die Showband „The Wild Bobbin Baboons“  und die „Copper Town Dixie Cooperation“ wechselten sich auf der Bühne ab, während  Falkner der Greifvogelstation Hellenthal abgerichtete Falken und Adler über die Köpfe der Festbesucher gleiten ließen. Irakische Folklore bot eine Formation von kurdischen Tänzern und Tänzerinnen aus dem Ram Euskirchen, die die Festbesucher zum Mittanzen animierten.

„Kinder werden bevorzugt bedient“, lautete die Devise, die Gabriela Rittinghaus-Koppers und Willi Greuel für die vielen Stände auf der Festwiese ausgegeben hatte. Für die kleinen Gäste waren deshalb eine separate Getränketheke sowie ein Obststand installiert worden. Für die Kids standen unter anderem ein Karussell, eine Eisenbahn, zwei Hüpfburgen und das Spiel „Karlo Klötzchen“ parat, beim Pfeil- und beim Pömpelwerfen konnten sie ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen.

Infostände hatten der Tierschutzverein Kall, die DKMS und die Kreissparkasse Euskirchen, die die Hilfsgruppe seit deren Gründung unterstützt, aufgebaut. Am Glücksrad gab es Preise zu gewinnen. Auch der Haie-Fanclub aus Kall war mit einer Eishockey-Bahn vertreten. Am Stand der Hilfsgruppe konnten Besucher schätzen, wie viel Geld sich in einer Dreiliter-Flasche befand. Eine große Tombola rundete das schier endlose Angebot ab. Die Besucher hatten die Chance mehrtägige Reisen nach Paris und Prag zu gewinnen.

Auf der Bühne kam es am Nachmittag zu einem recht emotionalen Treffen von Stammzellenspendern und Empfängern: Christoph Vollmer aus Achern im Schwarzwald traf auf seine Lebensretterin Simone Krämer aus Steinfelderheistert. Die einst an Leukämie erkrankte Nicole Kreißig aus Brandenburg bedankte sich in Urft bei ihrem genetischen Zwilling Thomas Engels aus Golbach, der ihr 2014 durch eine Stammzellenspende das Leben gerettet hat. Mit auf der Bühne auch die 39-jährige Astrid Phillips aus Bergbuir, die 2008 einem fünfjährigen Jungen aus Martinszell im Allgäu lebensrettende Stammzellen gespendet hatte.

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Iris Theisen, bei der DKMS in Köln für die Spender-Neugewinnung zuständig, nutzte die Gelegenheit, Willi Greuel zum 25-jährigen Bestehen der Hilfsgruppe eine gläserne 25 mit einer eingravierten Dankbotschaft zu überreichen. Seit 1992 habe die Hilfsgruppe mit der DKMS zehn Typisierungsaktionen durchgeführt und dabei 22.400 potenzelle Spender in die Internationale Knochenmark-Spender-Datei gebracht. 337 genetische Zwillinge aus der Eifel hätten inzwischen mit ihren Stammzellen Leben gerettet. Iris Theisen: „Eifeler Stammzellen sind in 34 Ländern der Erde transplantiert worden“.

Anlässlich des Familienfestes hatten Hilfsgruppe und DKMS sich zur Durchführung einer weiteren Typisierungsaktion entschieden. Erstmals nutzte die Hilfsgruppe dabei die Möglichkeit der Entnahme von Speichelproben. Bei den bisherigen zehn Aktionen wurde die Methode der Blutentnahme angewendet. Doch in Urft waren die  Besucher offensichtlich mehr zum Feiern aufgelegt, denn gerade mal 50 Gäste ließen sich typisieren. „Das sein kein Beinbruch, resümierte Willi Greuel: „Wenn von den 50 nur einer als Stammzellenspender für einen Leukämiekranken in Frage kommt, dann hat sich die Aktion gelohnt“.

Leider fand das Fest infolge eines Unwetters am späten Nachmittag ein vorzeitiges Ende, nachdem gegen 16 Uhr heftige Regengüsse die Besucher in die Flucht geschlagen hatten. Dennoch ließen sich die Dreiborner „Drums & Pipes“ nicht beirren. Die Schotten aus dem Schleidener Höhengebiet spielten am Eingang zum Festgelände trotzdem auf und bekamen dafür den verdienten Applaus der verbliebenen Gäste.

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