FSJ in einem Pilotprojekt der NEW

Florian Niebes hat sein Freiwilliges Soziales Jahr im „Nimm Ess Mit“-Markt der Nordeifelwerkstätten in Bad Münstereifel absolviert – Sehr gute Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung gesammelt: „Das sind ganz normale Menschen“

Marktleiterin Rebecca Marotta (v.l.) ist hochzufrieden mit dem FSJler Florian Niebes. Zusammen präsentieren sie die selbstgemachten Eifeler Fruchtaufstriche. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Marktleiterin Rebecca Marotta (v.l.) ist hochzufrieden mit dem FSJler Florian Niebes. Zusammen präsentieren sie die selbstgemachten Eifeler Fruchtaufstriche. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Bad Münstereifel – Die weite Welt will Florian Niebes (20) erleben, und kann dies auch bald in seiner Ausbildungsstätte als Anlagenelektriker. Zuvor wollte er aber die Innenwelt der Menschen besser kennenlernen – und konnte dies im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) bei den Nordeifelwerkstätten (NEW). Ein Jahr lang arbeitete er in einem Pilotprojekt, dem „Nimm Ess Mit“-Markt in der Bad Münstereifeler Innenstadt, und hatte dabei unter seinen Kollegen hauptsächlich Menschen mit Behinderung. „Ich habe sehr gute Erfahrungen hier gemacht“, berichtete Niebes am vergangenen Donnerstag vor Ort in dem kleinen Supermarkt mit angeschlossener Gastronomie-Ecke.

„Die Arbeitsatmosphäre ist sehr nett und offen. Wenn es mal Probleme gibt, meldet man sich einfach und die Probleme werden gelöst – das ist ein gutes soziales Miteinander hier“, so Florian Niebes. Der Schleidener bedient im Markt die Kunden, steht an der Kasse oder in der Küche, denn neben Supermarktartikeln von der Batterie und Handykarte über Brotaufstriche und Nudeln bis zu Eifelspezialitäten gibt es auch frisch gefertigte Speisen, Smoothies oder fertig zusammengestellte Einkaufstüten für bestimmte Gerichte zu erstehen.

Auch an der Kaffeebar steht der 20-Jährige regelmäßig und mag den Kundenkontakt. Besonders beeindruckt haben ihn aber seine Kollegen und Kolleginnen mit Behinderung: „Die arbeiten mit so viel Lebensfreude hier und sind sehr freundlich und zeigen viel von sich.“ So werde das Thema Inklusion praktisch und für alle Beteiligten ebenso wertvoll wie wertschätzend in die Gesellschaft getragen. Rebecca Marotta leitet zusammen mit einer Kollegin den Markt und ergänzt: „Manche Menschen denken leider, dass jemand mit einer Behinderung weniger wert sei. Aber die Menschen hier sind so engagiert und motiviert, dass sie im Grunde mehr leisten als mancher Mensch ohne Behinderung.“ Das fange allein schon bei dem Arbeitsweg an, den viele mit Öffentlichen Verkehrsmitteln – in der strukturschwachen Eifel oft mit enormen Aufwand verbunden – bewältigen müssten.

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Das Team des „Nimm Ess Mit“-Marktes in Bad Münstereifel bietet Lebensmittel ebenso wie fertige Speisen und Getränke an und setzt dabei auf Herzlichkeit. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Team des „Nimm Ess Mit“-Marktes in Bad Münstereifel bietet Lebensmittel ebenso wie fertige Speisen und Getränke an und setzt dabei auf Herzlichkeit. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Man muss manchmal geduldiger sein, etwas mehrfach und vielleicht auch noch am folgenden Tag wiederholen, aber die Beschäftigten können den Laden auch allein führen, ob an der Verkaufstheke oder an der Kasse“, so Marotta. Mit Florian Niebes hätten sie einen Glücksgriff getan: „Das ist der beste FSJler bislang, er ist sehr herzlich und nimmt jeden Tag zwei Stunden Anfahrt und wieder zwei Stunden Heimweg in Kauf“, berichtet die Marktleiterin. Dafür habe er aber nicht nur praktische Erfahrungen in Einzelhandel und Gastronomie sammeln können, sondern auch etwas über das soziale Miteinander und über Personalführung. Florian Niebes lächelt daraufhin und sagt: „Ja, Koordination, Koordination, Koordination kann man hier lernen.“ Er freue sich auch über die Entwicklung seiner Kollegen, habe Freundschaften im Team geschlossen. Florian Niebes: „Man vergisst schnell die Behinderung und stellt fest: Das sind ganz normale Menschen.“

Manche der Beschäftigten blühen so weit auf, dass sie den „Nimm Ess Mit“-Markt als Sprungbrett auf den ersten Arbeitsmarkt nutzen können, wie Marotta sagt: „Es ist zwar für unser Team schade, dass uns erst kürzlich deshalb ein Kollege verlassen hat, aber wir freuen uns natürlich sehr für ihn, dass er jetzt als normaler Arbeitnehmer tätig sein kann.“ Auch Florian Niebes werde das Team vermissen. Rebecca Marotta hofft aber, dass der nächste junge Mann oder die nächste junge Frau im FSJ in ihrem Markt ebenso nett ist.

Der FSJler sei auch eine Schnittstelle zwischen den Beschäftigten und Vorgesetzen, so Rebecca Marotta: „Allein schon durch die altersmäßige Nähe fällt es dem einen oder der anderen Beschäftigten manchmal leichter, mit dem FSJler zu sprechen, als gleich zum Chef zu gehen, gerade bei privaten Dingen.“ Florian Niebes: „Das sollte man auf jeden Fall mitbringen, wenn man hier ein FSJ machen möchten: Herzlichkeit und Offenheit. Ich habe mich hier auf jeden Fall sehr wohl gefühlt und kann es nur weiterempfehlen.“ Weitere Informationen und Bewerbungsmöglichkeiten im Internet: www.nordeifelwerkstaetten.de

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