Ursprungszustand Reaktorbehälter Tihange: „Aus der vorliegenden Herstellungsdokumentation nicht mehr nachzuvollziehen“

Antwort der Bundesregierung auf eine Parlamentarische Anfrage wirft weitere Fragen zu den belgischen Atommeilern Tihange und Doel auf, die wegen Sicherheitsbedenken immer wieder in die Medien geraten – Frage nach dem Ursprung von Rissen in Stahlteilen

Der Atommeiler in Tihange hat durch zahlreiche Pannen traurige Berühmtheit erlangt. Foto: Wilfried Gierden
Der Atommeiler in Tihange hat durch zahlreiche Pannen traurige Berühmtheit erlangt. Foto: Wilfried Gierden

Tihange/Eifel – „Die AKWs Tihange und Doel in Belgien müssen sofort stillgelegt werden“, fordert der Landesvorsitzende der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Nordrhein-Westfalen, Benjamin Jäger. Denn in der Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Annalena Baerbock und weiterer Abgeordneter der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN habe die Bundesregierung eingeräumt, dass Unterlagen über den Ursprungszustand der im Reaktordruckbehälter verbauten Stähle verschwunden seien.

Hintergrund sind die tausenden Risse, die in den Stahlbehälter der Atomkraftwerke (AKW) Tihange und Doel festgestellt wurden, so Jäger: „Zur Herkunft dieser Risse gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Es besteht der Verdacht, dass diese bereits im Stahl des Reaktordruckbehälters vorhanden waren, bevor dieser verbaut wurde. Damit hätten beide AKWs erst gar nicht in Betrieb genommen werden dürfen.“

Denn derartige Unterlagen über den Stahl im Ursprungszustand seien Bestandteil des Genehmigungsverfahrens. Benjamin Jäger: „Liegen diese nicht mehr vor, wäre auch die Betriebsgenehmigung der beiden AKWs hinfällig.“ So heißt es in der Antwort der Bundesregierung: „Nach Informationen der zuständigen atomrechtlichen Aufsichtsbehörde FANC ließ sich die Frage, warum die Anzeigen nicht bei der Abnahmeprüfung der Schmiederinge gefunden bzw. dokumentiert wurden, aus der vorliegenden Herstellungsdokumentation nicht mehr nachvollziehen.“

Jäger: „Für die ÖDP NRW ist das Verschwinden dieser Unterlagen mehr als merkwürdig. Genehmigungsunterlagen werden nicht nur an einem Ort aufbewahrt. Es wäre schon ein völlig unwahrscheinlicher Zufall, wenn die gleichen Unterlagen an mehreren Stellen verloren gegangen wäre.“

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Nach Angaben der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde FANC (Föderalagentur für Nuklearkontrolle mit Sitz in Brüssel) wurden und werden die Befunde mit Ultraschallprüfungen kontrolliert. Strittig bleibt in der Politik die Frage, wie die Risse sicherheitstechnisch zu bewerten sind.

(epa)

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