Kunst von Menschen mit Behinderungen

Beim bunten Kulturmarkt der Nordeifelwerkstätten konnten die Besucher Trommelkonzerte erleben, eine Bilderausstellung sehen, selbst verfasste Texte hören oder handgemachte Bonbons probieren

Ihre kreativen Talente zeigen wie hier in der Trommelgruppe „NEW-Cajon-Combo“ konnten Beschäftigte der Nordeifelwerkstätten beim Kunst- und Kulturmarkt in Kuchenheim. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Ihre kreativen Talente zeigen wie hier in der Trommelgruppe „NEW-Cajon-Combo“ konnten Beschäftigte der Nordeifelwerkstätten beim Kunst- und Kulturmarkt in Kuchenheim. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen-Kuchenheim – Bunt, rhythmisch und poetisch ging es beim dritten Kunst- und Kulturmarkt der Nordeifelwerkstätten (NEW) am vergangenen Samstag zu: Am Standort Kuchenheim der betreuten Werkstätten für Menschen mit Behinderungen konnten Besucher erleben, dass die Beschäftigten bei den NEW nicht nur Dienstleistungen von Verpacken über Drucksachen, Logistik und Gartenbau bis Näharbeiten bieten, sondern auch ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Ob Bilderausstellung, handgemachte Bonbons und selbstgekochte Fruchtaufstriche oder Textiles von dekorativ bis alltaugstauglich aus dem Nähstudio – die vielfältigen Begabungen der Menschen bei den NEW wurden in den Räumlichkeiten der NEW sichtbar.

So las Autor und Fachkraft im Druckzentrum Jürgen Schmidt zusammen mit den NEW-Angehörigen Maria Mager und Franz-Willi Brock selbst verfasste Texte, die viele Zuhörer sichtlich berührten. Etwa die Geschichte der Grünländer, die Maria Mager vortrug: Die hatten ihr gesamtes Land in Grün gehalten, aßen nur Grünes, färbten sich sogar die Haare grün, strichen so ihre Häuser und fuhren nur grüne Autos – bis eine Familie kam, die es bunt liebte, ihr Haus mehrfarbig strich, im Garten bunte Blumen pflanzte. Die Grünländer waren so erbost darüber, dass sie die „Anderen“ vorluden – die freuten sich aber über die vermeintliche Kennenlern-Einladung und brachten bunte Speisen mit. Nach anfänglicher Skepsis ließen sich die Grünländern auf die bunte Vielfalt ein und entdeckten selbst an sich farbigere Seiten. Die Lesungen übersetze Gebärdendolmetscher Albert Engels simultan in Gesten.

Kreatives aus der Lehrküche gab es am Fruchtaufstrich-Stand. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Kreatives aus der Lehrküche gab es am Fruchtaufstrich-Stand. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Auch Alexander Schikora betreut alltäglich NEW-Beschäftigte im Druckzentrum, in der Freizeit spielt der Hobby-Musiker aber mehrere Instrumente in verschiedenen Bands oder komponiert im Heimstudio neue Songs. Zusammen mit Beschäftigten  gründete er kurzerhand eine Trommelgruppe. Die sorgte auf den als Cajons bekannten Trommelkisten mit der Band „NEW-Cajon-Combo“ für mitswingende Zuhörer.

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Peter Stollenwerk ist einer der Trommelmusiker und sagte nach seinem ersten Auftritt: „Das war toll. Wir haben seit einem halben Jahr geprobt und konnten auch eigene Ideen einbringen.“ Musikerkollege Daniel Scheffler freute sich über den Zusammenhalt in der Gruppe: „Wir haben uns als Team erlebt. Es ist etwas ganz anderes, Musik nur aus der Stereo-Anlage zu hören oder selbst zu machen.“ Das Ganze sei ausbaufähig, Samba-Rasseln und Gitarre seien als Instrumente ja schon bei den Konzerten dazu gekommen – über weitere Auftritte würde sich die Band sehr freuen.

Gebärdendolmetscher Albert Engels (v.l.) übersetzte die Lesungen von Franz-Willi Brock, Jürgen Schmidt und Maria Mager simultan in Gesten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Gebärdendolmetscher Albert Engels (v.l.) übersetzte die Lesungen von Franz-Willi Brock, Jürgen Schmidt und Maria Mager simultan in Gesten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Markus Wilden, Leiter der Werkstattstandorte Kuchenheim und Kall: „Ich finde es sehr gut, dass die Beschäftigten hier ihre kreativen Talente zeigen können. Großes Lob geht aber auch an die Mitarbeiter, die mit viel persönlichen Einsatz ihre außerberuflichen Fähigkeiten einbringen, ob im Nähstudio, der Lehrküche oder bei den Lesungen.“ Aus den Texten der Mitarbeiter etwa hatte der Bad Münstereifeler Autor Jürgen Schmidt, aus dessen Feder auch der Eifel-Krimi „Lesereise in den Tod“ stammt, vor zwei Jahren ein kleines Buch mit dem Titel „Eine Portion Leben süß-sauer“ zusammengestellt.

Außerdem gab es beim Kunst- und Kulturmarkt Mitmachaktionen wie Malen für Kinder, aber auch Hinter-Glas-Kunst zum Selbermachen für die Erwachsenen. Wilden: „Das ist ein wichtiger Tag für Mitarbeiter und Beschäftigte, denn dabei können sie sich der Öffentlichkeit präsentieren.“ Er dankte auch dem „Erfinder“ des Marktes, dem ehemaligen Leiter Soziale Dienste Rodger Ody, der den Markt auch für ein steigendes Selbstwertgefühl der Beschäftigten konzipiert habe. „Er hat hier 17 Jahre lang viele wichtige Impulse gegeben“, so Wilden.

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Neben der Beschäftigung an mehreren Standorten im Kreis Euskirchen in verschiedensten Sparten wie etwa Saunabau oder Landschaftspflege bieten die NEW auch Ausbildung und Beschäftigung in Lebensmittelmärkten oder Kantinen und unterhalten sogar eine eigene Jobagentur, um auch Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt anzubahnen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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