„Manche gehen lieber zum Zahnarzt als zum Anlageberater“

Volkswirtschaftsexperte Dr. Holger Bahr war aus der Finanzmetropole Frankfurt nach Euskirchen gekommen, um im Verwaltungszentrum der Kreissparkasse über die Zusammenhänge von Weltpolitik und Weltwirtschaft zu referieren – Größere Erträge seien auch in zinsarmen Zeiten möglich, aber nur mit der richtigen Strategie und einem höheren Risiko

Petra Meyer (v.l.), Anlageberaterin der KSK, KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück und Volkswirtschaftsexperte Dr. Holger Bahr informierten in Euskirchen über Investment-Möglichkeiten in zinsarmen Zeiten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Petra Meyer (v.l.), Anlageberaterin der KSK, KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück und Volkswirtschaftsexperte Dr. Holger Bahr informierten in Euskirchen über Investment-Möglichkeiten in zinsarmen Zeiten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Keine Erträge in zinsarmen Zeiten? Doch, geht – aber nur mit der passenden Strategie. So könnte man den Fachvortrag von Dr. Holger Bahr zusammenfassen, den etwa 150 Gäste am vergangenen Dienstagabend im Sparkassen-Zentrum Euskirchen (SZE) der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) verfolgten. Bahr ist Experte für die Zusammenhänge von Politik und Finanzen und leitet bei der Deka die Abteilung für Volkswirtschaft.

Wichtig für erfolgreiche Finanzgeschäfte sei eine gute Beratung, so KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Wichtig für erfolgreiche Finanzgeschäfte sei eine gute Beratung, so KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Holger Glück, Vorstandsmitglied der KSK, freute sich, den Fachmann aus der Finanzmetropole Frankfurt für die Veranstaltung in Euskirchen gewonnen zu haben: „Denn Dr. Bahr kann komplizierte Zusammenhänge ebenso verständlich wie unterhaltsam erklären.“ Glück hatte nicht zu viel versprochen. Der Volkswirtschaftsexperte klärte über Zusammenhänge von Arbeitslosenquote und Inflation auf, zeigte verschiedene Szenarien als Auswirkungen etwa einer Protektionismus-Politik in den USA auf und informierte über Risiken und Nebenwirkungen von Niedrigzinspolitik und Staatsanleihenankäufe der Notenbanken.

Unterhaltsam erläuterte Finanzexperte Dr. Holger Bahr die Zusammenhänge von Politik und Konjunktur. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Unterhaltsam erläuterte Finanzexperte Dr. Holger Bahr die Zusammenhänge von Politik und Konjunktur. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Das Verhalten der Europäischen Zentralbank (EZB) und deren Präsidenten Mario Draghi könne man durchaus kritisch sehen, so Bahr: „Aber ich glaube, dass ohne die Maßnahmen der EZB die Kollateralschäden wesentlich größer ausgefallen wären.“ Fakt sei, dass man die Stimmung der Unternehmer hierzulande aktuell als hervorragend bezeichnen könne. Auch die niedrige Arbeitslosenquote spräche diesbezüglich eine deutliche Sprache, so der Volkswirtschaftsfachmann: „Denn neue Arbeitskräfte anzustellen, ist ein deutliches Bekenntnis für zukünftige Produktion und Standortsicherung.“

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Auch hätten zahlreiche Top-Nachrichten aus der Weltpolitik wenig Einfluss auf die Weltwirtschaft gehabt, so Bahr: „Unsicherheiten perlen an der Weltkonjunktur ab.“ Und so besorgniserregend manche Nachrichten und Twitter-Meldungen wie aus Nordkorea oder den USA auch seien: „Kriege und Terror sind leider keine neuen Erfindungen, wie sie auch an den Titelblättern des Nachrichtenmagazins »Spiegel« aus den vergangenen Jahrzehnten sehen können.“

Das Zinsniveau werde sich voraussichtlich nur sehr langsam wieder ändern, etwa in der Mitte des nächsten Jahrzehnts könne man mit einer Normalisierung rechnen. 2019 sei auch Draghi als EZB-Chef Geschichte: „Der Präsident kann nur sieben Jahre im Amt bleiben – der nächste kommt vielleicht sogar von der Bundesbank.“

Was solle man also tun, um freie Liquidität – und von der gebe es nachweislich Millionen, die ohne nennenswerten Ertrag ungenutzt ihr Dasein fristeten – ertragreich anzulegen? Dafür gebe es keine Patentlösung, so Bahr, „dennoch gehen manche Menschen lieber zum Zahnarzt als zum Anlageberater“. Aktien etwa seien zurzeit zwar hochpreisig, aber immer noch lukrativ, sagte der Leiter der Deka-Volkswirtschaft: „Aber das kann auch mal schiefgehen, ohne eine gewisse Risikobereitschaft sind allerdings auch keine höheren Erträge möglich.“

Bei Investitionen im Finanzdschungel sei es sinnvoll, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, mahnte KSK-Beraterin Petra Meyer. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Bei Investitionen im Finanzdschungel sei es sinnvoll, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, mahnte KSK-Beraterin Petra Meyer. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Dass man sich im Finanzdschungel der Anlagemöglichkeiten besser professionelle Führung sucht, betonte auch Petra Meyer, Beraterin im S-Vermögens-Center der KSK. In ihrem abschließenden Vortrag zeigte sie anhand Statistiken auf, dass die eine Anlagemöglichkeit in einem Jahr top sei, im nächsten nur noch Mittelmaß und im aktuellen sogar ein Flop, es hingegen bei einer anderen genau umgekehrt laufen könne. „Packen Sie nicht alle Eier in einen Korb“, so die Beraterin, „die Mischung macht es.“

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Bei jeder Anlage müsse man aber erst einmal die individuellen Verhältnisse des Kunden betrachten, damit es keine unangenehmen Überraschungen geben könne. Dann gelte es, aus einem wahren Flickenteppich verschiedenster Möglichkeiten eine Kernmischung von Anlagen zusammenzustellen, die noch durch Randbereiche erweitert werden können und sowohl mittel- wie langfristige Investitionen berücksichtigen.

Holger Glück machte augenzwinkernd darauf aufmerksam, dass es durchaus ebenso seriöse wie kompetente Berater gebe: „Die »Welt« hat unsere Kundenberatung gerade erst wieder ausgezeichnet.“ Seinen Abschluss fand der Abend dann am rheinischen Büffet, das ein Team der Nordeifelwerkstätten (NEW) vorbereitet hatte. Holger Glück scherzte: „Da können wir Ihnen auch Höherprozentiges als die aktuellen Zinsen bieten!“

Eifeler Presse Agentur/epa

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