Vokale Perlen von Palestrina bis Sting

Mit dem Vokalsextett „Singer Pur“ war bei den Wallgrabenkonzerten in Bad Münstereifel eine der international führenden A-cappella-Formationen zu Gast – KSK Euskirchen machte das Ausnahmekonzert möglich

Das Vokalensemble „Singer Pur“ überzeugte in der Konviktkapelle mit erstklassigem Gesang und einem umfassenden Repertoire. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Vokalensemble „Singer Pur“ überzeugte in der Konviktkapelle mit erstklassigem Gesang und einem umfassenden Repertoire. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Bad Münstereifel – A-cappella-Gesänge auf Weltniveau wurden am Sonntagabend in der Konviktkapelle in Bad Münstereifel geboten. Zu Gast bei den Wallgrabenkonzerten war die international renommierte Formation „Singer Pur“, die sich bereits in über 50 Ländern in die Herzen ihrer Zuhörer gesungen hat. Da man von den Ausnahmetalenten einiges erwarten durfte, hatte sich auch das Radio angemeldet und übertrug das Konzert live auf WDR 3.

Auf dem Programm stand eine vokale Zeitreise, und damit waren nicht nur die 25 Jahre gemeint, die das Ensemble in wandelnder Besetzung seit seiner Gründung Anfang der 1990er Jahre zurückgelegt hat, sondern vor allem die präsentierte Vokalmusik selber, die von Palestrina bis Sting reichte und in ihren ungewöhnlichen Arrangements wahrhaft aufhorchen ließ.

Die Bad Münstereifeler Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian freute sich, eine so erstklassige A-cappella-Formation in der Kurstadt begrüßen zu dürfen und bedankte sich besonders bei der Kreissparkasse Euskirchen, die dieses Konzert ermöglicht hatte.

Passend zum Aufführungsort machte das Sextett den Auftakt mit der Sakralkomposition „Pulchra es o Maria“ von Palestrina. Danach war es so mucksmäuschenstill in der fast ausverkauften Konviktkapelle, dass einer der Sänger anmerkte: „Auch wir wissen nach einem schönen Stück eine schöne Stille zu würdigen, aber genauso gern haben wir den Applaus.“

Das Publikum war von den Darbietungen der sechsköpfigen A-Cappella-Formation begeistert. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Publikum war von den Darbietungen der sechsköpfigen A-Cappella-Formation begeistert. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Nach diesen befreienden Worten, machte das Publikum, was es instinktiv gleich nach dem ersten Stück hatte machen wollen, es quittierte jedes Lied mit kräftigem Beifall. Bereits im zweiten Lied war es mit der sakralen Stimmung ohnehin wieder vorbei, als kuriose Begebenheiten auf der Regensburger Kirchturmspitze besungen wurden, wo in höchsten Höhen neunmal neunundneunzig Schneider sich an einem gebratenen Floh gütig taten und aus Fingerhüten tranken. Mit viel „Juchheirassa“ und „meck, meck, meck“ zauberte das Arrangement dieses komischen Volkslieds in die Gesichter des Publikums ein entspanntes Lächeln.

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Geschickt kombinierten die Musiker in ihrem Programm altes und neues sowie traditionelles und modernes Liedgut und unternahmen auch kleine Reisen durch die Weltmusik. In „Visa till Farö“, ein Lied der 1927 geborenen Elisabet Hermodsson, entrollten die Sänger zunächst nur mit ihren Stimmen einen gedämpften Klangteppich wie eine weite leere Ebene über dem sich die Stimmen der Solisten dann umso strahlender emporhoben.

Da Tenor Markus Zapp leider krankheitsbedingt nicht am Konzert teilnehmen konnte, war kurzfristig sein Kollege Gerhard Hölzle eingesprungen. Aus diesem Grund musste der angekündigte Konzertablauf an einigen Stellen geringfügig geändert werden, was aber dem Musikgenuss keinen Abbruch tat. Statt Ligetis „Cuckoo in the pear-tree“ vernahm das Publikum ein Arrangement zu Clemens Brentanos Lied „Es sang vor langen Jahren“, das von dem erst 1975 geborenen Komponisten Raitis Grigalis arrangiert worden und von „Singer Pur“ 2002 uraufgeführt worden war.

Mit „Once upon the time“ aus John Cage „Living Room Music“ zeigte das Sextett, das es auch keine Angst vor modernen Klassikern hat, die das traditionelle Musizieren bewusst als unerwünscht erachteten. Ostinate Sprachmuster durchsetzt mit Zisch- und Pfeiflauten sind vielleicht nicht jedermanns Sache, doch die Formation vermittelte auch hier vor allem ein hohes Maß an Spielfreude. Mit einer Mischung aus Hans Leo Hasslers „Feinslieb, du hast mich gfangen“, „Tanzen und Springen“ sowie Carroll Coates „London by night“ und Irving Berlins „Cheek to cheek“ ging es „Back to the roots“ und sodann in die Pause.

Felix Mendelssohn-Bartholdys Lieder „Im Freien zu singen“ überzeugten das Publikum auch „indoor“ und offenbarten einmal mehr die hohe Gesangskunst des Sextetts. Anschließend präsentierten Sopranistin Claudia Reinhard, die Tenöre Rüdiger Ballhorn, Gerhard Hölzele, Manuel Warwitz, Bariton Reiner Schneider-Waterberg und Bassist Marcus Schmidl einige Kompositionen unter dem Titel „Entstaubt“. Mittlerweile arbeiten viele Komponisten für „Singer Pur“ und schenken alten Titeln durch ein neues, frisches Arrangement wieder neue Aufmerksamkeit.

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Mit „The streets of Laredo“, ein altes amerikanisches Traditional, das zu den Standards der Country-Musik zählt, wurde es dann fast ein wenig westernartig im Konvikt. Den Abschluss bildeten Stücke von Sting, „When we dance“, „Fields of Gold“, sowie Billy Joels „Good night, my angel“ und als Zugabe „So it go’s“. Das Publikum applaudierte den sechs Ausnahmevokalisten lang und begeistert. Die Musiker kündigten an, gern auch mit ihrem Weihnachtsprogramm wieder nach Bad Münstereifel kommen zu wollen.

Das zweite Wallgrabenkonzert findet statt am Samstag, 2. Dezember, 18 Uhr. Dann wird das Folkwang Kammerorchester Essen unter Leitung von Johannes Klumpp erwartet sowie Werner von Schnitzler an der Violine und Junichiro Murakami an der Viola.

www.wallgrabenkonzerte.de

Eifeler Presse Agentur/epa

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